T-Mobile: Österreich ist Schlusslicht

05.11.2012 | 17:31 |   (Die Presse)

In keinem europäischen Land ist für T-Mobile die Ertragslage so schlecht wie in Österreich. Der Grund dafür sei der Preiskampf. Ob sich die Lage durch die Fusion von Drei und Orange ändern wird, ist offen.

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Wien/Höll. Die Deutsche Telekom gehört zu den führenden Telekomkonzernen in Europa. Ihr Netzwerk reicht von Großbritannien über die Niederlande bis nach Kroatien. In keinem anderen Land verdienen die Deutschen aber so wenig Geld wie in Österreich.

Die Ebitda-Marge von T-Mobile Austria liege derzeit bei 27 Prozent, sagte der seit September amtierende Österreich-Chef, Andreas Bierwirth, am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Damit befinden sich die Österreicher an der letzten Stelle der ausländischen T-Mobile-Tochterfirmen. Im Nachbarland Tschechien komme man auf eine Ebitda-Marge von 50 Prozent. In Europa liege der Durchschnittswert zwischen 35 und 40 Prozent. Beim Ebitda handelt es sich um das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Im Vorjahr ist bei T-Mobile dieser Wert um zehn Prozent auf 253 Mio. Euro zurückgegangen. Die Ebitda-Marge ist das Verhältnis vom Ebitda zum Umsatz. Wie hoch bei T-Mobile in den vergangenen Jahren der Reingewinn oder der Verlust nach Abzug der Zinsen, Steuern und Abschreibungen gewesen ist, wollte Bierwirth nicht verraten. Allerdings hatte Orange-Chef Michael Krammer in der Vergangenheit erklärt, die Branche sei in Österreich nicht in der Lage, Geld zu verdienen.

Als Grund für die schwache Ertragslage nennt Bierwirth den Preiskampf. Die Firmen stünden heute „alle gemeinsam vor einem Scherbenhaufen, und fragten sich: ,Was sollen wir tun?‘“. Die Deutsche Telekom hatte den früheren Vorstand der Austrian Airlines (AUA) geholt, um die Talfahrt stoppen. Mit 4,1 Mio. Kunden und einem Marktanteil von 31 Prozent ist T-Mobile in Österreich der zweitgrößte Mobilfunkanbieter. Auf Platz eins liegt Telekom Austria. Laut einer von T-Mobile in Auftrag gegebenen Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) sind in keinem Land Europas die Telekom-Tarife seit 2006 so stark gefallen wie in Österreich (siehe Grafik). Der Monatsumsatz pro Handykunde sank von 33 Euro auf 19 Euro. Selbst in osteuropäischen Ländern, wo die Bevölkerung weniger verdient, sei laut Bierwirth die Lage viel besser.

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Rückgang bei Investitionen?

Daher gebe es im Konzern, wenn es um Investitionen für T-Mobile Austria geht, „natürlich kritische Diskussionen“. Dementiert werden von Bierwirth aber Spekulationen, dass sich die Deutschen aus Österreich zurückziehen. Sollte die Ertragslage aber weiterhin so angespannt bleiben, könnte es in der Branche bei den Investitionen einen Rückgang geben.

Dabei gehörte Österreich für die Deutsche Telekom einst zu den Hoffnungsmärkten. 2006 hatte der Konzern für 1,3 Mrd. Euro den Rivalen Telering übernommen. Ob dieser Zukauf ein Fehler gewesen sei, wollte Bierwirth nicht beurteilen. Erst ab 2015 erwartet der Manager für T-Mobile Austria steigende Umsätze. Um trotzdem die Ebitda-Marge – wie von der deutschen Mutter gefordert – auf über 30 Prozent zu erhöhen, plant er ein Kostensenkungsprogramm von 100 Mio. Euro. Einen Mitarbeiterabbau im großen Stil werde es aber nicht geben. Derzeit hat T-Mobile Austria rund 1400 Beschäftigte.

Unter Druck geraten könnte die Gesellschaft durch die bevorstehende Fusion von Orange Austria und „Drei“. Der französische Telekomkonzern France Telekom und der Finanzinvestor Mid Europa Partners will Österreichs drittgrößten Mobilfunkanbieter für 1,3 Mrd. Euro an Drei veräußern. Die orange Billigmarke Yesss soll an Telekom Austria gehen.



Obwohl die Wettbewerbshüter Bedenken äußerten, erwartet Bierwirth eine Genehmigung des Zusammenschlusses. Damit verringert sich die Zahl der Handyanbieter in Österreich von vier auf drei. Erklärtes Ziel von Hutchison ist es, T-Mobile zu überholen. Doch das werde nicht passieren, versichert Bierwirth. Man werde alles tun, um den zweiten Platz zu verteidigen. Die EU-Wettbewerbsbehörden müssen bis 21. Dezember über die Fusion von Orange Austria und Drei entscheiden.

Bierwirth befürchtet Nachteile für T-Mobile und verlangt daher eine Umverteilung der bestehenden Mobilfunklizenzen: „Wir würden über Nacht in ein technologisches Hintertreffen geraten, weil unsere Frequenzbänder nicht so günstig liegen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2012)

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62 Kommentare
 
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Qualität vor Kritik

Naja, wenn die Leistung passt, wäre ich schon auch bereit, mehr zu bezahlen...aber ich z.B. wohne in einem Gebiet, wo angeblich HSDPA 42 Mbit/s oder gar LTE (100 Mbit/s!) möglich sind und erreicht hab ich bisher maximal 9 Mbit/s...wohne aber weder im Keller noch im Stahlbunker...und am Land hat offenbar tatsächlich A1 eine deutlich bessere Netzabdeckung, wie ich immer wieder bemerken musste...fragwürdig daher, ob es aufgeht, einfach zu sagen, entweder die Leute zahlen mehr oder wir investieren nicht mehr...das kann man machen, wenn man das Top-Netz hat, aber nicht so...

jaja ... der werte Herr Bierwirth ...

Kompetenz zum Quadrat.

Da sehen ja alle anderen Firmenchefs richtig mickrig aus.

Wie wir alle bisher nur ohne ihn überleben konnten ...

0 0

Aus der Froschperspektive...

Für ihn mag Österreich in dieser Hinsicht Schlußlicht sein, aber für uns Österreicher ist das nur gut so. Weiter so. Es reicht, wenn uns von unseren unfähigen Politikern das Geld aus der Tasche gezogen wird. Da brauchen wir nicht noch überhebliche, realitätsfremde Mobilfunkbetreiber.

Mieser Service

In der Firma in der ich arbeite haben wir auf T-Mobile VPN umgestellt.......nach der Umstellung hats mal ca. 4 Monate gedauert bis auch alle Handies die VPN Rufnummer anzeigen wenn man jemanden anruft und nicht die originale Nummer (Teilweise mit anderer Vorwahl weil von anderen Anbietern übernommen).

Und seit die "richtige" Nummer angezeigt wird.....warten wir jetzt seit 3 Wochen darauf, unsere Mobilboxen wieder nutzen zu können. Weil die kennen die VPN Nummer nicht und verlangen dass man die originale Nummer und den PIN eingibt (den keiner eingestellt hat weil unnötig).

Und dann wundert sich Herr Bierwirth über sinkende Gewinne?

Re: Mieser Service

die haben den schwung und das positive image von maxmobil schon lange verspielt.

schlusslicht

Österreich ist nicht Schlusslicht. ;)

Korrekte formulierung wäre T-Mobile ist Schlusslicht in Österreich. (was wohl auch seinen grund haben wird)

fakt ist dass Österreich der Kundenfreundlichste Handymarkt der modernen welt ist....und hoffentlich auch noch einige zeit bleiben wird. wenn sichs für die mobilfunker nicht rentieren würde würden sie sich vom markt zurückziehen und nich wie 3 zb das netz noch extra ausbauen ;)

Der Markt ist .....


Das Unternehmen hat zu hoche Kosten beim Personal bei Verwaltung bei Gebäuden....
Wenn der Markt sich nicht rechnet zurück zeihen!
Auf Wiedersehen.

3 0

Schlusslich in Österreich?

Soweit ich mich erinnern kann war T-Mobile USA auch kein wirtschaftliches Glanzstück.

Zu den fallenden Tarifen:

T-Mobile Verzugszinsen: Die sind legendär, selbst in anderen Gewerben traut man sich selten solchen Wucher verlangen.
Ausserdem hält sich mein Mitleid in Grenzen, haben die Mobilfunkkonzerne in den letzten Jahren eine goldene Nase an ungerechtfertigten Datetntarifen verdient.
Aber da waren halt die Welt noch in Ordnung für diese Konzerne.

Märkte in Bananien

kann man echt mit der Lupe suchen - zusammen mit der Hammerabgabenquote sowie ständigem Störfeuer aus der Politik (wo ist die vielgepriesene Rechtssicherheit geblieben????) sind das zunehmend echte Standortkiller.

Der Leidensdruck muss nur groß genug sein, dann irgendwann werden viele Unternehmen Ö den Rücken kehren, sofern dies nicht schon geschehen ist. Dann wirds dunkel im Bananenland, also IHR Politik-Kapazuner macht nur weiter so.

3 0

T-Mobile: Österreich ist Schlusslicht

Da wird wohl etwas im Konzern falsch laufen.
So weit ich mich erinnern kann war T-Mobile USA auch nicht ein wirtschaftliches Glazstück oder?

Und zu den fallenden Kosten:
T-Mobile ist mit den Verzugszinsen wesentlich schlimmer als ein halbseidener Praterstrizzi.
Weiters hat sich der Konzern, so wie die anderen wohl auch in den letzten Jahren eine golde Nase an den überzogenen Datenabrechnungen verdient....aber da war noch alles in Ordnung für diese Konzerne.

Und der größte Schwachsinn den ich je erlebt habe ist die 3 monatige Kündigungsfrist.
Wenn man nicht aufpasst, zahlt man 3 Monate noch hinterher....mit der Begründung, dass genug Zeit bleibt einen anderen Anbieter zu suchen....die könnten eigentlich in die Politik gehen.

2 0

T-Mobile ist Schlusslicht

1.Platz für das mieseste Service, 2. Platz für das mieseste Service geht an A1.

Der elende Markt

Bei Wiener Strom und Muell und Parktariffen waere das NIE passiert. Vielleicht bei Haeuptl nachfragen, wie man den Markt vermeidet?
P.S. Trotz des nicht-Marktes macht die Stadt allerdings nur Schulden.... Also vielleicht, am End, ist der Markt doch nicht so schlecht?

hmm

T-Mobile ist einfach schlecht.

7 1

Und auf einmal....

....da ist der Markt böse und schuld daran, daß zu wenig Gewinn übrig bleibt... wo doch die heilenden Kräfte am Werk sind... ist Herr Bierwirth ein Kommunist?

9 1

Re: Und auf einmal....

In einem funktionierenden Markt jammern eben die Unternehmer, weil sie nicht ungeniert abkassieren können.
In einem nichtfunktionierenden Markt jammern hingegen die Konsumenten, da sie überteuerte Preise zahlen müssen.

Re: Re: Und auf einmal....

funktionierenden Markt

-> Sie kennen sich aus, stimmts?

0 0

Re: Re: Re: Und auf einmal....

Der Telefoniemarkt in Österreich funktioniert bisher ganz gut.

Oder sehen Sie das anders?

Re: Re: Re: Re: Und auf einmal....

der Markt ist bereits aufgeteilt und zu Tode 'gedumped' worden -> One war der erste Anbieter welcher begonnen hat über den Preis die Kunden zu binden.

Mit welchem Effekt? Billig zu telefonieren und die Innvoation bleibt dafür mehr und mehr auf der Strecke.

0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Und auf einmal....

Dieses "Dumping" ist kein Dumping, da Dumping das Produzieren unter den Herstellungskosten bedeutet, die Anbieter in Österreich aber Gewinn schreiben. Somit ist es einfach nur freier Wettbewerb in einem funktionierenden Markt von dem die Kunden durch niedrige Preise profitieren. Natürlich jammern da die Unternehmen, da sie eben wegen des Wettbewerbs nicht ungeniert die Preise erhöhen können.

PS: Welche Innovation gibt es denn Ihrer Ansicht nach durch den Preiswettbewerb in Österreich nicht?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Und auf einmal....

Warum das 'Dumping' jetzt ausschliesslich auf das Produzieren unter den Herstellungskosten beschränkt sein soll ist mir nicht ganz verständlich.

Klar profiteren Kunden von billigen Tarifen, keine Frage, Faktum ist jedoch auch, dass durch sinkende Einnahmen, Mitarbeiter freigesetzt werden, auch wiederum nicht besonders positiv, oder?

Der LTE Ausbau steckt doch momentan noch im Anfangsstadium und zu meiner aktiven Zeit bei einem Mobilfunker, wurde der Rotstift mit der Begründung, 'es werden momentan zu wenig Neukunden gewonnen' häufig eingesetzt.

Gebessert hat sich dieser Umstand, so glaube ich, nicht mehr. Immerhin war ich 4,5 Jahre dabei.

So what?

Schreibt T-Mobile Österreich rote Zahlen? Ansonsten kann man nur anmerken, dass die "kleinen" Anbieter eh schon bei der Versteigerung der Frequenzen "gelupft" wurden.

internet

ich hatte zu Testzwecken von allen Anbietern eine Sim-Karte um das Netz und vor allem das Internet zu testen. Hier in der Ortschaft (PLZ 8200) war t-mobil der einzige Anbieter, der zwar bei Gesprächen eine gute Verbindung hatte, aber beim Internet: fast keine Verbindung. Bei Orange, A 1 ( BOB) und bei 3, hatte ich durchschnittlich 6.991 kbit/s (874 kByte/s) und bei t-mobil durchschnittlich. 214 kbit/s (15 kByte/s) Also was soll die Jammerei? Erst einmal ein gescheites Netz, wo auch Internet dazu gehört und dann über die Gebühr reden.


Deutsche Telekom

Wer einmal mit denen zu tun hatte, meidet die in Zukunft!

Deutsche Post

ebenso

Schande

dieser Artikel ist dann schon ein bisserl viel "Lohnschreiben" - eigentlich eine Schande für den Journalismus

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Ich brauch das Handy zum telefonieren - Herr Bierwirth!

Und manchmal ein SMS, alles andere sind für 99% der Handybesitzer zwar lustige technische Spielereien aber nicht notwendig. Meine monatliche Handyrechnung beträt EUR 8,80 für 1000 Minuten, 1000 SMS und 1 GB. Und bei all diesen Leistungspunkten bleibt jedes Monat eine Unmenge übrig. Wenn sie jetzt drohen, dass sie auf einer derartigen Basis kein Geld für neue technische Innovationen haben juckt mich das reichlich wenig, weil ich keine neuen technischen Innovationen benötige. Ich weiß es gibt auch andere User - aber die sollen dann halt zahlen, 30, 50, oder 200 Euro. Wenn denen die Spielereien das wert sind ....

 
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