Wirtschaft: China und Indien übertrumpfen Rest der Welt

09.11.2012 | 13:47 |   (DiePresse.com)

Bis 2060 soll es nach einer OECD-Studie zu gravierenden Verschiebungen in der Weltwirtschaft kommen. Traditionelle Industrienationen verlieren.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

China und Indien werden nach einer aktuellen OECD-Studie in den kommenden Jahrzehnten den Rest der Welt bei der Wirtschaftsentwicklung hinter sich lassen. Bis 2060 soll der Anteil beider Länder am weltweiten Bruttoinlandsprodukt von zusammen 24 Prozent im Jahr 2011 auf dann 46 Prozent steigen. Gleichzeitig prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der am Freitag in Paris veröffentlichten Studie für die 34 OECD-Länder ein Absinken des Anteils an der industriellen Produktion von 65 auf 43 Prozent.

Mehr zum Thema:

Im Schnitt rechnet die Studie mit einem weltweiten Wachstum von jährlich drei Prozent. Aufstrebende Volkswirtschaften werden demnach weiterhin sehr viel schneller wachsen als etablierte Industrienationen. Diese werden laut Projektion im Schnitt maximal zwei Prozent BIP-Zuwachs pro Jahr verzeichnen.

vergrößern

Deutschland wird zurückfallen

Für Österreich rechnet die OECD mit einem Durchschnitt von nur 1,4 Prozent, für Deutschland von 1,1 Prozent. Auf 3,0 Prozent und mehr kommen Indien, Indonesien, China, Saudi Arabien, Mexiko und Südafrika. Deutschland, der wichtigste Handelspartner Österreichs, wird laut Studie in den kommenden 50 Jahren seinen Platz als fünftstärkste Wirtschaftsmacht verlieren und weltweit auf Platz zehn zurückfallen.

China könnte die USA bereits im Jahr 2016 als größte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Auch Indien wird die USA längerfristig überholen. Zusammengenommen werden die beiden asiatischen Wirtschaftsriesen schon in wenig mehr als zehn Jahren ein größeres BIP erwirtschaften als die G-7-Staaten.

"Junge" Länder gewinnen

Die rasche Bevölkerungsalterung in Japan sowie in wichtigen Volkswirtschaften der Eurozone wird dazu führen, dass diese immer stärker von "jungen" Ländern wie Brasilien oder Indonesien verdrängt werden. Innerhalb Europas kommt dabei auf Deutschland, Luxemburg und Österreich der größte Verlust an wirtschaftlicher Bedeutung zu, so die OECD.

Die Verschiebung des wirtschaftlichen Gewichts in Richtung Niedriglohnländer wird dort dazu beitragen, die Lebensstandards zu verbessern. So dürfte sich etwa das Pro-Kopf-Einkommen in den ärmsten Ländern bis 2060 vervierfachen. In China und Indien könnte es dann sogar sieben Mal höher sein als heute. In einem halben Jahrhundert wird die Kluft zwischen den Lebensverhältnissen in aufstrebenden und hochentwickelten Nationen weniger ausgeprägt sein als heute. Zwischen einzelnen Ländern werden allerdings weiterhin klare Unterschiede bestehen.

 

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • IWF- und Weltbank-Tagung: Die Krise dominierte

    Das schleppende Wachstum der Weltwirtschaft prägte die Jahrestreffen von IWF und Weltbank. Die dafür verantwortlichen Industriestaaten waren bei den Gesprächen in Tokio vor allem mit sich selbst beschäftigt.

  • IWF erwartet weniger Wachstum

    IWF erwartet weniger Wachstum / Bild: (c) BilderBox (Erwin Wodicka) Die Eurozone wird heuer um 0,4 Prozent schrumpfen. Für die Weltwirtschaft rechnet der IWF heuer mit einem Wachstum von 3,3 Prozent. Der neue Ausblick wird offiziell in der nächsten Woche veröffentlicht.

  • Wachstum in meisten Volkswirtschaften schwächt ab

    Bild: (c) Erwin Wodicka Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle und die OECD erwarten einen weiteren Konjunkturabschwung. Alle großen Wirtschaftsnationen sind betroffen.

Mehr aus dem Web

13 Kommentare

Seltsam!

Auf der OECD-Liste spielt die Türkei eine wichtige Rolle bzw. das einzige Land in Europa, das fast gleiches Wachstum wie Indien und China hat. Das wird im Bericht gar nicht erwaehnt.

Panikmache

Prognosen über ein halbes Jahrhundert zu stellen ist natürlich sehr seriös. Immerhin ist die Welt heute auch genau so, wie man sie sich 1960 vorgestellt hat.

Die Lösung für Europa!

Boykottiert Produkte aus dem Osten! Unterstützt Firmen die großteils in Europa produzieren! Nur so erreicht ganz Europa ein Wohlstand für die Mittelschicht! Bewusstes Konsumieren sorgt für mehr Arbeitsplätze in deiner Umgebung!

Europa verarmt

Jeder von uns ist Mitschuld, dass die Mittelschicht in Europa verarmt! Warum? Ganz einfach, europäische Manager aber auch Investoren verlagern die Produktion (wichtige Arbeitsplätze) nach China und Indien! Und wir, die Mittelschicht (Konsumenten), kaufen die ganzen Produkte aus diesen Ländern, denn GEIZ ist Geil!

China und Indien übertrumpfen Europa

Kein Wunder, sie schleppen auch nicht den "Speck" unserer hochzivilierten Gesellschaft mit sich herum:
* Genderismus
* Quoten für Alles und Jeden
* Umverteilung um jeden Preis
* Kollaps des Schulsystems
* Übermächtige Gewerkschaften, AK, Rot-Grün
* Überfüllte Unis mit vielen Blindgängern als Studenten
* usw. usw.

Erstens kommst anders, zweitens als man denkt

Das ist doch Wurscht wie D oder AT beziffert werden.
Dass die alleine kein Chance haben ist klar, nicht umsonst entsteht ein vereintes Europa und das wird noch sehr lange blendend dastehen.
China kann genauso gut wie die Nummer 1 werden, in Chaos versinken und zerplatzen.
In Indien eine Großmacht zu sehen, fällt mir in meiner persönlichen Kenntnis Indiens sehr sehr schwer zu glauben. Vielleicht in ferner Zukunft.

Re: Erstens kommst anders, zweitens als man denkt

Bevor China "in Chaos versinkt und zerplatzt" passiert das mit größter Sicherheit mit der EU.
Erstens gibt es China schon seit mehr als tausend Jahren!
Zweitens wird in China der zu verteilende Kuchen immer größer, in der EU aber immer kleiner.
Drittens ist die EU ein völlig instabiles Vielvölkerstaatengebilde, das mit zunehmend undemokratischen Methoden zusammengehalten wird. Dagegen ist China vergleichsweise homogen.

Re: Re: Erstens kommst anders, zweitens als man denkt

Da haben sie aber nicht viel Ahnung über China!
Dieses Vielvölkerstaatengebilde (China) ist wegen seiner Gefahr der Instablität "der" Unsicherheitsfaktor der heutigen Welt.

wer's glaubt

ich nicht!

Die Dritte-Welt werden wir bald in Süd-Europa haben (falls ihnen Frankreich nicht zu vor kommt)

Sozialimus wirkt eben.

38 Jahre Voraussicht

Da kann noch viel passieren, um all die Prognosen ueber den Haufen zu werfen. Nichteinmal die Prognosen fuer das laufende Jahr sind zuverlaessig, woher wollen wir wissen, wie Leute, die noch gar nicht geboren sind, in 1-2 Generationen wirtschaften werden?

China und Indien

kämpfen (wirtschaftlich) mit den anderen, die EU und die USA kämpfen (wirtschaftlich) mit sich selbst.

Wobei sogar die USA gem. dieser Prognose nur rund 1/4 verliert, die EU jedoch praktisch halbiert wird. Unabhängig von den tatsächlichen Resultaten, welches bis dato ja noch immer ganz anders als Prognosen waren, großes Vertrauen in die Wirtschaftsleistung und Führung der EU spiegelt es jedoch nicht wider.

Re: China und Indien

"großes Vertrauen in die Wirtschaftsleistung und Führung der EU spiegelt es jedoch nicht wider"

Schon wahr.
Europa läuft im Moment Gefahr sich durch Migration selber zu einem Drittweltland zu machen. Dazu kommen tiefverwurzelte sozialistische Denkweisen, die aus guten Gründen den Wettbewerb scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Das ist EIN Szenario. Es gibt aber auch noch andere.

Umfrage

  • Sollen in Wien Tourismuszonen für den Handel eingerichtet werden?
  • Ja
  • Nein
  • Ist mir egal
AnmeldenAnmelden