USA: Isolierwolle als "ziemlich innovatives Produkt"

16.11.2012 | 18:32 |  Von unserem Korrespondenten NORBERT RIEF (Die Presse)

In San Francisco fand die weltgrößte Umweltbaumesse „Greenbuild“ statt. Was hier als Innovation gepriesen wird, ist in Österreich seit vielen Jahren Standard.

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San Francisco. Norm Alger ist aufgeregt. „Das ist ein wirklich einzigartiges Produkt“, erklärt der Vertreter der Firma „Cotton Armor“. „Umweltfreundlich, leicht zu verarbeiten, es hilft, Energie zu sparen und schützt vor Lärm.“ Norm lässt alles bei seinem Gesprächspartner kurz einsickern, dann fügt er mit tragender Stimme hinzu: „Das ist ein ziemlich innovatives Produkt.“ Das „ziemlich innovative Produkt“, das Norm auf der weltgrößten Umweltbaumesse in San Francisco anbietet: Isolierwolle.

Für einen Europäer war es ein ernüchterndes Erlebnis, durch die drei Hallen des Moscone Centers zu gehen, in denen bis Freitag, die „Greenbuild“ stattfand. Die Messe verstand sich als eine Fortbildungsveranstaltung für Architekten, Bauunternehmen und Hausbesitzer im Bereich „grünes“ Bauen und Wohnen. Mehr als 1000 Firmen präsentierten ihre Produkte und Innovationen, die helfen sollen, die Umwelt zu schonen.

Es ist fast niedlich, was Amerikaner darunter verstehen. Produkte, die in Europa zum Standardrepertoire zählen, suchte man auf der „Greenbuild“ vergebens: keine Solarpaneele, keine Erdwärme, nur ein Stand preiste Passivhäuser an (mit deutschem Know-how). Die Isolierwolle von „Cotton Armor“ war da tatsächlich fast schon ein wenig revolutionär. Viele Häuser in den USA sind im besten Fall mit Bauschaum isoliert, viele gar nicht.

Die US-Firma Toto sorgte für Schlagzeilen in den lokalen Medien in San Francisco, weil es ein bisher nur wenig bekanntes Produkt auf der Messe ausstellte: eine Toilette mit zwei Spülknöpfen. „Damit muss nicht jedes Mal der gesamte Wassertank entleert werden, wenn man nur...naja, Sie wissen schon“, erklärte William Strang ein wenig verschämt.

„Die Amerikaner sind im Energiesparbereich im Schnitt zehn bis 15 Jahre hinter uns“, sagte Wolfgang Weirer vom Holzbauunternehmen KLH. Der Steirer ist einer von elf Österreichern, die hier ausstellen. Bei KLH sind es Massivholzplatten, die ein schnelles und umweltfreundliches Bauen ermöglichen. Seit mehreren Jahren bearbeitet KLH den Markt in den USA und in Kanada. „Das ist nicht einfach, aber die Möglichkeiten sind gewaltig“, erklärte Weirer.

Die große Herausforderung ist allerdings, den Leuten die Notwendigkeit von Umwelttechnologien zu vermitteln. Zwar verbrauchen die Bewohner keines anderen Landes dieser Welt mehr Energie als die US-Amerikaner – umgerechnet auf Öl sind es (inklusive Verkehr) pro Kopf etwa 8000 Kilogramm pro Jahr (in Österreich sind es pro Kopf 4000 Kilogramm Öl). Doch Energie ist billig. Die Kilowattstunde Strom kostet zwischen fünf und zehn Cent. Die Motivation, Energie zu sparen, ist also gering.

 

Technischer Overkill aus Salzburg

Da sind Produkte, wie sie Peter Reiter anbietet, schon ein völliger Overkill. Reiter verkauft Fenster des Salzburger Unternehmens „Amari“, die dreifach verglast sind. „Man muss immer technische Unterstützung liefern, sonst verstehen die Baufirmen und Architekten das Produkt nicht.“ Zweifach verglaste Fenster werden erst langsam der Standard in den Vereinigten Staaten, bestehende Häuser haben meist nur einfaches Fensterglas.

Richard Fedrizzi, Präsident des „U.S. Green Building Council“, geizte bei der Eröffnung der Messe nicht mit dramatischen Vergleichen, wenn es um die Mission geht, die Notwendigkeit von „grünem“ Bauen zu erklären: „Unser Kampf gleicht dem für die Bürgerrechte (in den 1960er-Jahren, Anm.) oder dem für die Gleichstellung der Homosexuellenehe.“

Wenn die Botschaft ankommt, ist das Potenzial gewaltig, glaubt Nicole Mothes, Handelsvertreterin von Kanada in Wien, die österreichische Firmen auf dem nordamerikanischen Markt vermittelt. „Noch ist es eine Nische, aber auch in den USA und Kanada steigen die Energiepreise.“

Franz Rössler, Außenhandelsdelegierter der Wirtschaftskammer in den USA, sagt: „In Chicago will man Treibhausgase bis 2020 um 25Prozent senken, bis 2050 sogar um bis zu 80 Prozent.“ Das gehe nur mit fortschrittlicher Technologie, die es in den USA oft nicht gebe.

Vor dem Moscone Center endet der Ökotripp abrupt. Das Taxi vor dem Messezentrum ist zwar ein umweltfreundliches Hybridauto. Doch der Fahrer hat die Klimaanlage auf voller Kraft laufen – bei 20 Grad im Schatten.

Auf einen Blick

Die Greenbuild ist die größte Umweltbaumesse der Welt. Sie fand in San Francisco statt. Elf österreichische Unternehmen präsentierten dort ihre Innovationen. Für US-Amerikaner waren diese fast zu utopisch. Aufgrund der niedrigen Energiepreise gibt es bei den meisten Häusern keine Dämmung. Von Solarpaneelen und Erdwärmenutzung ganz zu schweigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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25 Kommentare
 
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"Es ist fast niedlich, was Amerikaner darunter verstehen."

niedlich, oder besser gesagt borniert sind standpunkte wie diese, wenn man glaubt selbst "die loesung" gefunden zu haben und alle anderen sind einfach nur "trotteln" die diese loesung nicht anwenden.

der daemm-wahn im deutschen raum wird schon in wenigen jahren weitreichende folgen haben, wenn die staatlich gefoerderten schimmelbuden / pilzzuchtanlagen die hausbewohner erkranken lassen.

Vollwärmeschutz bringt auch nix..

... wenn die gesamte Holzhütte beim nächsten Hurrikan im nächsten Dorf landet.

60er- Jahre

Die Technik ist meist am Stand er 60er - selbst im "innovativen" Kalifornien! Elektroleitungen, Fußböden, Türen, Armaturen, Schösser etc primitivst gefertigt - eher für einen Schuppen als für einen Wohnraum geeignet!

marod

es ist ein marodes Land mit einer völlig kaputten Infrastruktur.

Re: marod

na wenn sie es sagen, dann muss es ja stimmen

die USA können nur eines auf weltniveau

waffen produzieren und andevswo krieg führen, alles andere wird importiert

1

Selbst die Waffen ...

... sind schon meist Lizenzproduktionen.

in den USA ist energiesparen sicherlich geboten!

nicht nur der umwelt , sondern auch den weltmarktpreisen zuliebe!

denn würden die USA nicht derart viel erngie dauern verschwenden, so würde uu der ölpreis fallen!

ich kann nur aus erfahrung berichten, dass die amerikansiche bauweise wirklich was wäremdämmung betrifft absoluter schrott ist!

als ich eine zeit lang in utha gelebt habe, so hatte ich temporär auch ein haus, das defacto papierwände hatte!

mitten in der wüste, mit 40 grad im sommer!
da ist auch die klimaanlage durchgerannt, und war sie dann einmal abgedreht, so hatte es binnen einer halbe stunde im zimmer wieder genau die selbe tempratur wie draußen!
was aufgrund der tatasache, dass das fenster defacto eine autoscheibe war, und die wände vermutlich aus wirgendwelchen dünnen holzplatten bestanden haben nicht verwunderlich ist!

„Unser Kampf gleicht dem für die Bürgerrechte (in den 1960er-Jahren, Anm.) oder dem für die Gleichstellung der Homosexuellenehe.“

Und ist genauso unnötig.

Re: „Unser Kampf gleicht dem für die Bürgerrechte (in den 1960er-Jahren, Anm.) oder dem für die Gleichstellung der Homosexuellenehe.“

Das Wärmeisolieren von Häusern ist unnötig?

Re: Re: „Unser Kampf gleicht dem für die Bürgerrechte (in den 1960er-Jahren, Anm.) oder dem für die Gleichstellung der Homosexuellenehe.“

ja

das ist fuer spastiker

verbrauch ist geil

Weil es so gerne falsch verwendet wird:

Es heißt Wärmedämmung und nicht Wärmeisolierung, was ja technisch nicht möglich wäre. Das Wort Isolierung ist in der Bautechnik den Feuchtigkeitsabdichtungen vorbehalten und Dämmung bezeichnet in der Regel Wärmedämmungen. Drum heißt es auch Wärmedämmwert (W/m²K) und nicht Wärmeisolierwert.
Schlimm wenn ein Fachjournalist nicht mal die Grundbegriffe richtig verwenden kann.
Das Wort Isolierung bezeichnet in der Physik ein abgeschlossenes System und das ist beim Wärmeverlust wohl schlicht unmöglich. "Wärmeisolierung" ist Umgangssprache und sollte nicht Presse-Niveau sein.

endlich!!!

Ich lebe in den USA, schon insgesamt mehrere Jahre, und kann dem Artikel nur zustimmen. Hier wird beim Fenster rausgeheizt was das Zeug haelt! Und die Klimaanlage macht den schoensten Sommertag zur Eishoehle. ich wuensche mir sehnlichst, dass hier endlich umgedacht wird.

Re: endlich!!!

gehst halt wieder nach hause

und tschuess

Re: endlich!!!

kannst dir ja ein haus bauen lassen das dir passt.

"keine Solarpaneele"

Jedes Verlustgeschäft tun sich die Amis eben auch nicht an.

Re: "keine Solarpaneele"

ohja, zb windanlagen, die von obama gefoerdert werden und dann still gelegt werden weil es sich nicht rentiert
und die ganzen solar-buden, die aus steuergeld finanziert werden und danach bancrupt sind ...

Re: "keine Solarpaneele"

Warmwasser mittels Solarpaneelen zu erzeugen ist eine der sinnvollsten Energiesparmöglichkeiten.

unglaublich

daneben, der artikel

ich arbeite auch in so einem LEED building, in NA
http://en.wikipedia.org/wiki/Leadership_in_Energy_and_Environmental_Design

10

Reiner Blödsinn!

Durch die Ständerbauweise der amerikanischen Häuser (Holzgestell und Rigipswände) verwendet man in den USA Isolierwolle schon viel länger als in unseren Breiten, wie sollte man denn sonst eine schall- und wärmedämmende Außenwand herstellen? Das ist auch der Grund, warum amerikanische Häuser bei einem kleinen Tornado so gern durch die Luft fliegen. Und ja: natürlich hat man doppelt verglaste Fenster.
Der Bericht ist von vorn bis hinten ein Unsinn.

Re: Reiner Blödsinn!

die linken geifern eben nach solch propaganda, die das eigene weltbild wieder "justified"

Re: Reiner Blödsinn!

so sind die häuser in new york aber kaum gebaut, diese glas-stahlgerüsthochhäuser sind in einem erbärmlichen zustand und die wohnungen kosten nebenbei unsummen

diese holzkonstruktion in den usa heißt balloon-frame-system, da werden über 2 oder mehr geschoße durchgehende genormte hölzer 5x10cm mit einem abstand von ca. 12-24inch aufgestellt und dann gibt es noch das platform Framing, da wird das gebäude geschoßweise hergestellt beides sind rippenkonstruktionen und sind vom technischen stand sehr alt

10cm WD reichen aber nicht für einen u-wert von 0,3 wie er bei uns bei außenwänden gefordert wird

Re: Reiner Blödsinn!

Korrekt.

Und wer sich ein wenig in den amerikanischen Bau-Foren rumtreibt (also abseits der billigst hingeholzten Reihenhäuser in Suburbia) ist erstaunt mit wie wenig technischem Aufwand dort "Niedrigenergiebauweise" umgesetzt wird.

Jedwede Hochnäsigkeit sollten wir uns mit unseren überkomplexen und viel zu teuren Technikbunkern da besser sparen.

Re: Re: Reiner Blödsinn!

danke, endlich einmal ein lichtblick

Re: Re: Reiner Blödsinn!

Ich glaube das der Redakteur der Presse Zeitung keine Ahnung vom Bauwesen in den USA hat.

Der Artikel ist ein kompleter Bloedsinn.

An Hand einer Messe in San Francisco den Zustand im Amerikanischen Baumarkt zu beurteilen ist einfach kurzsichtig.

Hier ein kleiner Link, das die USA nicht hinter dem Mond lebt:
http://www.nyserda.ny.gov/en/Energy-Efficiency-and-Renewable-Programs/Renewables.aspx

Gott sei Dank sind unsere Energie Preise noch nicht so uebertrieben.

Mein Haus hat seit 20 Jahren doppelt verglasste Fenster - energie sparend natuerlich.
Habe Isolierwolle schon seit ueber 40 jahren installiert, Wasser sparende Toiletten, Low Flow Shower Heads. Pellet Heizung und eine Solar Anlage um das Swimmingpool zu heizen.

Gruesse vom uebern Teich.




 
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