Ikea ließ Zwangsarbeit von Polit-Häftlingen in der DDR zu

16.11.2012 | 18:33 |  Von unserem Korrespondenten KARL GAULHOFER (Die Presse)

Eine Studie liefert Beweise, der Konzern drückt „tiefstes Bedauern“ aus. Der schwedische Möbelproduzent wusste Bescheid darüber, dass politische Gefangene zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden.

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Berlin. Alexander Arnold kann noch heute die Tränen nicht zurückhalten, wenn er sich an damals erinnert: Als politischer Häftling musste er in der DDR der 1980er-Jahre Bürostühle „unter unmenschlichen Bedingungen“ fertigen. Ein Akkord ohne Lohn, mit der Vorgabe: die zweieinhalbfache Menge von dem, was ein ziviler Arbeiter in der gleichen Zeit produziert. Wer das nicht schaffte, wurde in eine eisige Dunkelkammer gesperrt. Wer die Zwangsarbeit gar verweigerte, landete in einer Isolationszelle, wo ihn niemand hören konnte. An Händen und Füßen ans Bett gefesselt, bis zu zehn Tage lang, mit drei Scheiben Brot als Tagesration.

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Solche Berichte von Opfern der DDR-Diktatur musste sich Peter Betzel gestern anhören. Der junge Geschäftsführer von Ikea Deutschland wirkte betroffen. Er sollte die Opferverbände darüber informieren, was eine Studie nun nachgewiesen hat: Der schwedische Möbelproduzent wusste Bescheid darüber, dass politische Gefangene in „volkseigenen Betrieben“ und Gefängnissen zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden.

Die Produktion im billigen Ostblock trug maßgeblich zum Aufstieg Ikeas zum Weltkonzern bei. Im heurigen Frühling machte eine schwedische TV-Dokumentation den dunklen Fleck zum großen Thema. Die Möbelkette stellte eine Entschädigung in Aussicht, sollte eine interne Untersuchung den Verdacht erhärten.

 

Aus Kuba kamen nur Muster

Mit den Recherchen fühlte sich Ikea bald überfordert und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Nun liegt ihr Bericht vor. Das Fazit: Spätestens seit Anfang der Achtzigerjahre war Ikea-Managern die „Möglichkeit“ der Zwangsarbeit bewusst.

Unter welchen Bedingungen produziert wird, haben sie freilich nie gesehen. Der Kontakt mit den Lieferanten lief über den „Außenhandelsbetrieb Holz und Papier“. Ein Besuch in den Werken war verwehrt oder nur unter strengen Auflagen gestattet. Nur einmal im Jahr, bei der Leipziger Messe, konnten die Einkäufer mit den Direktoren der Kombinate sprechen. Als sich die Hinweise auf Zwangsarbeit für Ikea verdichteten, kam Sorge auf: Man könnte im Westen „in Misskredit geraten“. Aber die Einkäufer ließen es mit einer schriftlichen Vereinbarung bewenden, dass „nicht von geschlossenen Anstalten produziert“ werden dürfe. Sie wünschten sich Kontrollen, erzwangen sie aber nicht. Die Folge: Es wurden weiter Gefangene eingesetzt. Dafür sprach Betzel den Opferverbänden sein „tiefstes Bedauern“ aus. Nun sollen Wissenschaftler die Untersuchung breiter fortführen. Denn das Thema Zwangsarbeit betrifft nicht nur Ikea. Vor allem „große Versandhäuser“ aus dem Westen seien involviert gewesen und tauchten nach der Wende ab, sagt Rainer Wagner, der Chef der Union der Opferverbände.

Ikea ließ zudem Vorwürfe prüfen, ob auch auf Kuba Häftlinge eingesetzt worden seien. Das glaubt das Möbelhaus entkräften zu können: Über eine Musterlieferung von Sofas, bei der die Qualität nicht gepasst habe, sei die Geschäftsbeziehung zum karibischen Hort des Kommunismus nicht hinausgegangen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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14 Kommentare

Zwangsarbeit in Österreich:

Mikl-Leitner blockiert Beseitigung der letzten Zwangsarbeit in der EU,
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M-L: "Jugend ist grundlegend schlecht"
M-L: "Die Gfraster wer ma schon dispziplinieren"
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Spitze des Eisberges

Fast der gesamte deutsche Versandhandel stand auf der Kundenliste den DDR-Regimes!

wozu eine Studie

die Aussagen der Betroffenen müßten genügen.
Im Grund sind wie auch nichts anderes.
Denke mal unsere Führer würden mit uns auch gerne so verfahren.
In Spanien und Portugal prügeln sie die Leute mit dem Knüppel zur Arbeit zurück.
Bin mal gespannt wann die ersten Drohnen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden.

gregor127

Zu dieser Zeit waren die Ikea Produkte auch echt schlecht.

Scherz lass nach

ist doch seit Jahren bekannt gewesen. Was soll die Heuchelei?

IKEA ist eine SOZIALISTISCHE Firma aus Schweden

Aus dem Schweden, dass ja auch fuer die Austro-Menschewiken das gelobte Land ist. Zwangsarbeit fuer antisozialistische Volksschaedlinge? Gibt es auch in Oesterreich, und heisst Steuerprogression. Wo ein guter sozialistischer Volksgenosse die Fruechte seiner Arbeit jedes Jahr ab Januar geniessen kann, muss der antisozialistische Volksschaedling oft bis August arbeiten, bevor sein Einkommen zu seiner Lebenserhaltung dienen kann. Wo ist also der Unterschied zu Zwangsarbeit?

Unsere Kinder werden sogar Zwangsbewegt!

Da herrscht keine Aufregung, wobei diese Aufregung schon berechtigt ist. Oder Zwangsgebühren für AK, WK und ORF.

Aber auch Zwangsenteignung durch die EU. Zwangsverbote von Büchern. Wir leben in einem Staat voller Zwänge.

Re: Unsere Kinder werden sogar Zwangsbewegt!

sind sie gegen die schulpflicht? oder nur gegen den turnunterricht?

und was bitte hat der turnunterricht mit diesem artikel zu tun? wollen sie unterstellen, dass es unseren "zwangsturnenden" kindern so schlecht geht wie politischen häftlingen in der ddr?

Re: Re: Unsere Kinder werden sogar Zwangsbewegt!

Ich habs noch nicht herausgefunden warum manche immer extreme Gegenbeispiele bringen, aber gut, ist wie es ist. Als ich mal gegen einen Handymasten aufregte der neben meinem Büro war, wurde mit einer Microwelle argumentiert wo ich max. mich 2 min aufhalte. Aber gut, die Leute sind so.

Also gegen die Schulpflicht bin ich nicht, aber gegen die tägliche Zwangsbewegung. Und ja, ein Politischer Häftling kann fliehen oder sich selbst exekutieren, dann kann ein Schulkind nicht!

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Re: Unsere Kinder werden sogar Zwangsbewegt!

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Re: Re: Unsere Kinder werden sogar Zwangsbewegt!

keines Falls.
Thema hier ist Freiheit und Demokratie.
Letzteres ist auch in Österreich so was wie ein Gemälde. Je nach dem wie man es betrachtet...

Re: Re: Unsere Kinder werden sogar Zwangsbewegt!

ne warum. Politischer Zwang bleibt Politischer Zwang.

Hinter der Maske

der ach politisch so korrekten schwedischen Sozialisten!

Das kann nicht sein

Linke Politik ist immer gut. Egal was die machen, es ist gut.
Nur wenn rechts orientierte so etwas machen darf man das anprangern.

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