Stahl: Eder sieht 100.000 Stellen in Europa in Gefahr

17.11.2012 | 10:01 |   (DiePresse.com)

Angebot und Nachfrage müssen wieder in Balance gebracht werden, sagt der voestalpine-Generaldirektor. Er ortet Überkapazitäten von 20 bis 25 Prozent.

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In der europäischen Stahlindustrie könnten durch den Abbau von Überkapazitäten in den nächsten Jahren bis zu 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Schätzungen gingen davon aus, dass im Zuge einer Anpassung der Kapazitäten an den langfristigen Bedarf von den europaweit rund 400.000 Arbeitsplätzen der Branche "20 bis 25 Prozent" gestrichen werden müssten, sagte der voestalpine-Chef und Präsident des europäischen Stahlverbands Eurofer, Wolfgang Eder, im Gespräch mit der dpa.

"Um Angebot und Nachfrage in Europa wieder in die Balance zu bringen, wird es notwendig sein, Kapazitäten in erheblichem Umfang aus dem Markt zu nehmen", sagte Eder. Hintergrund sei eine Auslastung der Branche in Europa von derzeit lediglich "70 bis 75 Prozent". Bei einer Rohstahlkapazität von rund 210 Millionen Tonnen liege der Verbrauch 2012 lediglich bei "140 bis 145" Millionen Tonnen.

Zahlen sprechen deutliche Sprache

"Solange diese Kapazitäten verfügbar sind und in den Markt drücken, wird es schwierig, eine grundlegende strukturelle Erholung der europäischen Stahlindustrie zu erreichen", sagte Eder. Auch in Zeiten einer besseren Konjunktur sei realistischer Weise ein Bedarf von lediglich "150 bis 160 Millionen Tonnen" an Stahlprodukten in Europa zu erwarten. "Die Fakten sprechen eine sehr deutliche Sprache", sagte Eder.

Das Problem sei inzwischen "allgemein akzeptiert", zeigte sich der Eurofer-Chef überzeugt. "Es geht darum, die Dinge nicht über 15-20 Jahre schleppen zu lassen, sondern in den nächsten drei, vier oder fünf Jahren zu versuchen, eine entsprechende Anpassung der Kapazitäten herbeizuführen."

voest nicht von Schließungen betroffen

Jedes Unternehmen der Branche müsse den Beschluss über die Schließung von Standorten selbst treffen. Der Politik komme dabei keine Rolle zu. Man müsse jedoch überlegen, für die Abfederung von sozialen Härten an die betroffenen Staaten oder an die EU heranzutreten.

Für die voestalpine sehe er derzeit jedoch "keinen Ansatzpunkt über Schließungsmaßnahmen nachzudenken, so der Oberösterreicher. Zu möglichen regionalen Schwerpunkten von Standortschließungen wollte sich Eder nicht äußern.

Im Bereich der Schienenproduktion hatte der österreichische Konzern dagegen bereits im Frühjahr die Schließung seines Standorts in Duisburg angekündigt. Nach Abarbeitung der laufenden Aufträge werde die Produktion voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres eingestellt, sagte Eder. Möglichst noch in diesem Jahr wolle man bei den Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft über einen Sozialplan für die derzeit noch 350 Beschäftigten zu einem Ergebnis kommen.

(APA/dpa)

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15 Kommentare

Das Problem ist nicht die Überkapazitäten!

Die ganze Welt braucht Stahl aber nicht überteuert! Europa kann nicht zu den Konditionen produzieren mit der man Wettbewerbsfaehig sein kann!

Re: Das Problem ist nicht die Überkapazitäten!

Richtig! "Überkapazitäten" gibt es nur für Erzeuger, deren Produkte zu wenig gefragt sind! Die Lösung kann nicht die Schaffung von 100.000 Arbeitslosen sein, denn das hält den Niedergang nicht auf!

Hier gibt es offenbar ein Missverhältnis zwischen Preis und Qualität des Produktes. Deshalb muss man untersuchen, weshalb es so gekommen ist und die nötigen Umsteuerungen vornehmen, damit man sein Produkt wieder verkaufen kann. Zu resignieren und sich mit Arbeitslosigkeit und damit der Schaffung von Armut abzufinden, darf niemals das Ziel sein!

DIREKTE Konsequenz des Nichtfoerderns des eigenen Schiefergases.

Ohne billige Energie gibt es keine Stahlindustrie. Die heimische Qualitaet ist weitaus besser, aber wenn die Energiepreise 400-600% hoeher sind als anderswo, geht es einfach nicht.
Man dankt den Gruenpaddeien oeVP, SP"oe", Grueninnen, und leider auch der FPoe die ja weiterhin dem Modell des Germanischen Bauern hinterm Pferde-Pflug nachhaengt.

Re: DIREKTE Konsequenz des Nichtfoerderns des eigenen Schiefergases.

Wozu sollte die Stahlindustrie Schiefergas brauchen? Beim Hochofenprozess entsteht sowieso eine Menge Gichtgas, das man verbrauchen oder sogar verkaufen kann!

Re: DIREKTE Konsequenz des Nichtfoerderns des eigenen Schiefergases.

Das Problem ist hier nicht die zu teure Versorgung der Stahlindustrie mit Energie!

Das Problem hierbei liegt bei einer zu geringen Nachfrag, bzw. einem zu hohen Angebot, da man in den letzten Jahrzehnten einfach zu viel Hoffnung in die Stahlindustrie setzte.
Heute gibt es viele Substitutionsgüter, die man am Bau anstatt Stahl einsetzen kann - und dieses Problem für die Stahlindustrie ließe sich auch nicht mit Schiefergasförderungen lösen!

Re: DIREKTE Konsequenz des Nichtfoerderns des eigenen Schiefergases.

Mit Schiefergas kann die Stahlindustrie aber nichts anfangen, sie braucht Kohle oder genauer gesagt Hüttenkoks, ohne den es kein Roheisen und damit auch keinen Stahl geben würde.

Stahl entsteht übrigens aus Roheisen, indem man Kohlenstoff und andere Beimengungen des Roheisens verbrennt, da braucht man keine zusätzliche Energie, also auch kein Schiefergas.

Re: Re: DIREKTE Konsequenz des Nichtfoerderns des eigenen Schiefergases.

Aber geh, so war es vor 70 Jahren....

ahso,

und wie wird bitte Stahl Ihrer Ansicht nach heute hergestellt?

die politik zerstoert hier mutwillig gute arbeitsplaetze um die menschen in die abhaengigkeit eines starken staats zu treiben


bei der insutriefeindlichen politik österreichs und der EU kein wunder!

in österreich zahlen fleißig arbeitende firmen zig steuern und lohnnebenkosten an einen staat der zu unfähig ist sich zu reformieren, und effizienz in seine verwaltung einkehren zu lassen, die schon stark an der konkurenzfähigkeit nagen lassen!

damit aber nicht genug, mitten in der schwesten krise der eurozone kommt dann auch noch die dumme kommission daher und möchte der industrie den todesstoß versetzen, in dem sie die ohnehin völlig sinnlosen und wttbewerbsschädlichen co2 zertifikate massiv verteuern und verknappen möchte!

da braucht man sich nicht wundern, dass europaweit die industrie den bach runter geht und überall stellen abgebaut werden, bzw die produktion ausgelagert wird!

mein lösungsvorschlag: österreich und die EU solten alles daran setzen eine reindustrialisierung europas einzuleiten!

folgende schritte sollte man setzen:

1) erhöhung des pensionsantrittsalters (denn so bleiben erstens fachkräfte länger im arbeitsleben, und zweitens sinken dadurch die lohnnebenkosten, da deren größter pfosten die pensionsversicherung ist)

2)abschaffung des co2 handels

3)errichtung vom kohle kraftwerken, spezeill für industriegebiete, um der energieintensiven verarbeitung billigen strom zur verfügung zu stellen

4) senkung der lohnsteuer, und abschaffung der gemindereäte sowie straffung der gemeindeverwaltung generell, da erwiesen ist dass die beiweitem größte summer der politikerbezüge an zig tausende gemeindebamte geht!

überkapazitäten ??

und wer hat alle diese überkapazitäten aufgebaut ??? das gleiche wie in der autoindustrie- bauen ein werk nach dem anderen u. jammern einige zeit später darüber , wir haben überkapazitäten ! bevor ihr milliarden für den aufbau von überkapazitäten ausgegeben habt, hättet ihr kritisch eure von beratern-experten powerpoint präsentationen hinterfragen sollen. das ganze gesudere nervt schön langsam- selber schuld daran u. hinterher gott u. die welt verantwortlich machen.

nicht nur Stahl

in der Autoindustrie gibt es schon seit langem Überkapazitäten,da wird für einen gesättigten Markt ,Schrott auf Teufel komm raus produziert

Wenn es nach der EU geht,..

.. wird die VOEST sicher geschlossen und Österreich darf die Osteuropäischen Drechschleudern subventionieren. Svowoda wird das schon so aushandeln dass wir die Deppen sind.

Was sagen die deutsche Big-Players?

Was man so hört, sind die deutschen Stahlhersteller wir Tyhssenkrupp und
Salzgitter mit dem Voest-General und zur
gleich Eurfer-Presidenten Eder nicht einvertsanden, besonders seiner Meinung bezüglich die Rolle der EU!

Eder : Bis zu 25% der Jobs sind wegen Überkapazitäten in Gefahr.

Dr. Eder sollte ein Vorbild sein für unsere windelweichen, verlogenen Politiker.
Klare, ehrliche (wenn auch unangenehme) Botschaften.
Von den Politikern hört man nur: die Pensionen sind sicher, Griechenland kann gerettet werden, Probleme mit Migranten gibt es nicht...

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