EADS: Deutsche und Franzosen kommen einander näher

30.11.2012 | 17:18 |   (DiePresse.com)

Frankreich könnte auf einen Teil der Stimmrechte verzichten. Beide staatlichen Aktionäre sollten dann jeweils zwölf Prozent der Aktien halten.

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In die Verhandlungen über neue Gewichte der staatlichen Aktionäre beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kommen sich Deutschland und Frankreich offenbar immer näher. Ein neues Modell, von dem Reuters am Freitag aus verhandlungsnahen Kreisen erfuhr, sieht vor, dass Frankreich für einen Teil seiner EADS-Aktien die Stimmrechte aufgeben könnte. Damit könnte dann sichergestellt werden, dass beide staatliche Aktionäre künftig zwölf Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital halten würden. Im Rahmen eines neuen Aktionärspakts kämen beide Länder dann zusammen mit Spanien, das weiter 5,5 Prozent an EADS hält, auf 30 Prozent. Das würde ihnen einen starken, aber keinen dominierenden Einfluss auf den Konzern sichern.

Derzeit hält Frankreich 15 Prozent am Airbus-Mutterkonzern. Im Rahmen einer Neuordnung könnte der französische Staat nun für einen Drei-Prozent-Anteil auf die Stimmrechte verzichten. Diese stimmrechtslose Beteiligung sollte dann außerhalb des neuen trilateralen Aktionärspakts gehalten werden und würde Frankreich keine speziellen Rechte mehr geben. Zugleich wäre mit einer Beteiligung Deutschlands und Frankreichs am stimmberechtigten Kapital die Balance zwischen beiden Ländern erhalten, was für die deutsche Seite immer ein vorrangiges Ziel war und ist.

Deutschland verhandelt wegen Daimler-Anteil

"Das ist ein sehr plausibles Modell", erfuhr Reuters aus verhandlungsnahen Kreisen. Es könnte für die deutsche Seite durchaus interessant sein, da es deutschen Positionen in mehreren Punkten entgegenkäme. Allerdings gebe es offenbar aus Frankreich noch keine politische Entscheidung, in diese Richtung weiterzugehen. "Noch ist alles im Fluss", sagte eine Person, die mit dem Thema vertraut ist. Sie äußerte aber die Überzeugung, dass eine Lösung noch in diesem Jahr gefunden werden dürfte. "Ich glaube, das ist zu schaffen", erklärte die Person.

Deutschland und Frankreich haben sich den Informationen zufolge im Grundsatz bereits darauf verständigt, dass beide Länder künftig jeweils zwölf Prozent an EADS halten sollten. Allerdings ist Deutschland momentan noch, abgesehen von einem kleinen Splitteranteil bei der Staatsbank KfW - anders als Frankreich - kein Aktionär bei EADS. Allerdings verhandelt Deutschland seit Monaten mit dem deutschen EADS-Großaktionär Daimler darüber, die Hälfte von dessen Anteil von 15 Prozent zu kaufen. Zudem ist der Bund bereit, weitere EADS-Aktien über die Staatsbank KfW zu erwerben, die derzeit bei der vorwiegend deutschen Investorengruppe Dedalus liegen. Diese Verhandlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Der Bundestag hat schon grünes Licht für den Anteilserwerb gegeben.

(APA/Reuters)

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