Italien: Regierung will Europas größtes Stahlwerk retten

30.11.2012 | 21:04 |   (DiePresse.com)

Ein umstrittenes Dekret ermöglicht, dass das Stahlwerk Ilva in Apulien die Produktion fortsetzt. Es sollte wegen Umweltgefahr geschlossen werden.

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Die italienische Regierung hat am Freitag ein Dekret verabschiedet, mit dem die Produktion im umstrittenen Stahlwerk Ilva in Apulien fortgesetzt werden soll. Das Kabinett will somit die Stahlproduktion in Italien retten. Europas größtes Stahlwerk steht seit Monaten im Mittelpunkt eines heftigen Streits wegen seiner gesundheitsgefährdenden Emissionen, die laut den Justizbehörden der Staddt bereits hunderte Krebserkrankungen verursacht haben.

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Laut dem Dekret, das vom italienischen Ministerrat nach einer mehrstündigen Beratung verabschiedet wurde, darf die Produktion fortgesetzt werden, während das Management des Konzerns Maßnahmen zur Einschränkung der schädlichen Emissionen umsetzt. Die Regierung Monti hatte bereits im Oktober 300 Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen in Taranto locker gemacht.

"Eingriff der Regierung notwendig"

"Der Eingriff der Regierung ist notwendig, weil die Stahlproduktion in Taranto auf gesamtstaatlicher Ebene strategisch ist", kommentierte Premier Mario Monti. Mit dem Dekret wolle man "die Umwelt, die öffentliche Gesundheit und die Arbeitsplätze retten", kommentierte der Regierungschef. Ein von der Regierung beauftragter Kommissar soll kontrollieren, dass die Maßnahmen zur Sanierung des von gesundheitsschädlichen Emissionen verseuchten Gebiets umgesetzt werden, sonst drohen dem Ilva-Management hohe Strafen und sogar der Verlust des Konzerns, geht aus dem Dekret hervor.

Monti hatte am Donnerstag gewarnt, dass die von dem Stahlkonzern beschlossene Schließung des Standortes im apulischen Taranto negative Auswirkungen auf die italienische Wirtschaft in Höhe von acht Milliarden Euro pro Jahr haben könnte. Zu einer dramatischen Wende kam es am Montag, nachdem die Staatsanwaltschaft von Taranto mehrere Haftbefehle gegen Ilva-Manager erlassen hatte. Aus Protest gegen den Hausarrest für Ilva-Vizepräsident Fabio Riva und die Ermittlungen gegen den Direktor des Ilva-Werks in Taranto Adolfo Buffo, beschloss der Konzern, das Stahlwerk in Taranto zu schließen.

Bis zu 25.000 Arbeitsplätze bedroht

Das Ilva-Management sieht sich durch die Justiz daran gehindert, die Produktion aufrechtzuerhalten. Auch an den fünf weiteren Firmenstandorten in Norditalien, die auf die Zulieferungen aus Taranto angewiesen sind, sei ein schneller Fertigungsstopp kaum zu vermeiden, betonten die Manager des Konzerns. 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze seien in ganz Italien bedroht. Allein in der Adria-Stadt Taranto beschäftigt das Ilva-Werk 11.500 Personen.

Aus Angst vor negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung gingen Ilva-Arbeitnehmer in Genua auf die Straße. Mitarbeiter des Konzerns demonstrierten auch vor dem Regierungssitz in Rom. Seit Montag belagert die Ilva-Belegschaft das Direktionsgebäude in Taranto.

(APA)

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