Tourismus: "Deutschensteuer" auf Mallorca?

06.12.2012 | 18:49 |  Von unserem Korrespondenten RALPH SCHULZE (Die Presse)

Die Ferieninsel steht vor der Pleite. Jetzt sollen Ökosteuern für Mietwagen, Pools und Supermärkte die Kassa füllen. Urlaubsindustrie und Handel protestieren.

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Palma de Mallorca. Aufstand gegen Ökosteuern auf der Ferieninsel Mallorca: Die konservative Regierung der spanischen Baleareninsel steht vor der Pleite und braucht dringend Geld. Deswegen sollen nun neue Touristen- und Umweltabgaben die Kassa füllen, womit auch die Urlaubskosten steigen dürften. Im neuen Jahr soll eine Mietwagensteuer kommen, eine Wassersteuer für Großverbraucher wie Poolbesitzer, Golfplätze und Hotels, eine Ökosteuer für Supermärkte auf der grünen Wiese und auch noch eine Verpackungssteuer für Getränke.

Urlaubsindustrie und Handel laufen Sturm gegen die „grüne Steuerreform“, zumal schon höhere Flughafensteuern und gestiegene Mehrwertsteuern die Geschäfte erschweren. Finanzminister Josep Ignasi Aguilo rechtfertigte hingegen die neuen Abgaben mit der „Verteidigung von umweltpolitischen Werten“. Jedes Jahr verbringen rund zwölf Millionen Urlauber ihre Ferien auf den Balearen, zu denen neben Mallorca auch Ibiza, Menorca und Formentera gehören.

Das Benzin ist auf Mallorca bereits teurer als etwa in der spanischen Hauptstadt Madrid, auf jeden Liter Inseltreibstoff wird ein „Notopfer“ von 4,8 Cent aufgeschlagen, um das defizitäre öffentliche Gesundheitssystem zu finanzieren. Weil auch das nicht reicht, um die Löcher in der Inselkassa zu stopfen, wird auf Mallorca immer mehr an der Steuerschraube gedreht. Die dramatische Finanzlage spiegelt sich darin, dass die Balearen mangels Geld sogar den nationalen Rettungsfonds des spanischen Staates um 355 Millionen Euro anpumpen mussten, um Gehälter und Rechnungen bezahlen zu können.

Kaum genutzte U-Bahn

Eine Misere, zu der übrigens nicht nur der Immobiliencrash beitrug, der die Steuereinnahmen reduzierte. Sondern auch Misswirtschaft und Verschwendung, wie etwa der Bau einer heute kaum genutzten U-Bahn in der Inselhauptstadt Palma. Und weitverbreitete Korruption, bei welcher der frühere konservative Balearen-Regierungschef Jaume Matas mitmischte – Matas wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Und sogar die Herzöge von Palma, Königstocher Cristina und Ehemann Inaki Urdangarin, stehen unter Verdacht, sich mit öffentlichen Geldern illegal bereichert zu haben. Die Bürger sollen es jetzt wieder richten: Ab Frühjahr 2013 wird gleich eine ganze Batterie von Ökosteuern kassiert, welche auch Mallorca-Urlauber treffen werden. Die kommende Mietwagenabgabe hat bereits den Beinamen „Deutschensteuer“, weil deutsche Touristen mit rund einem Drittel aller Inselbesucher das größte ausländische Urlauberkontingent stellen und die besten Leihwagenkunden sind. Je nach Schadstoffausstoß des Mietautos sollen zwischen 3,5 und neun Euro pro Miettag fällig werden – nur Elektroautos sind ausgenommen. Die Mietwagenbranche tobt. Und droht sogar, die Insel zu verlassen.

Zudem ist eine Wassersteuer geplant: Wer viel verbraucht, weil er etwa den Garten oder Golfplatz beregnet oder den Pool füllt, muss Straftarife zahlen. Die neue Sondersteuer soll ab einem monatlichen Verbrauch von sechs Kubikmetern, das entspricht 6000 Litern, fällig werden. Das ist knapp kalkuliert: Durchschnittsbürger verbrauchen drei bis vier Kubikmeter im Monat, eine Familie mit Kindern liegt also schnell über der Grenze.

Der Umwelt zuliebe?

Schließlich werden Einkaufsflächen auf der grünen Wiese, zu denen die meisten Kunden mit dem Auto fahren, mit einer Umweltsteuer belegt. Und Getränke werden allerorten durch eine Verpackungssteuer teurer, die zwischen vier Cent bei einer Weinflasche und 13 Cent für Zwei-Liter-Plastikflaschen beträgt. Zur Müllvermeidung wird Letzteres wohl nicht beitragen, denn ein Pfandsystem ist nicht vorgesehen. Handel und Hoteliers glauben deswegen auch nicht, dass diese Ökosteuern der Umwelt viel nutzen werden. „Hier geht es nur“, meinte ein Sprecher der Geschäftsleute, „ums Abkassieren.“

Auf einen Blick

Die Ferieninsel Mallorca steht vor der Pleite. Das macht die konservative Regierung der spanischen Baleareninsel erfinderisch: Im neuen Jahr sollen Steuern eingeführt werden, die vor allem Urlauber treffen. So ist eine Mietwagensteuer geplant, die bereits den Beinamen „Deutschensteuer“ trägt. Vorgesehen ist auch eine Wassersteuer für Großverbraucher – wie Poolbesitzer, Golfplätze und Hotels. Jährlich zählen die Balearen rund zwölf Millionen Urlauber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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19 Kommentare

wie wär's mit....

Es fehlt noch die Pinkelsteuer. Bei vielen Touristen ist der Bierkonsum dort ja beachtlich! Würde die Finanzprobleme auf einen Schlag lösen! Europa, viel tiefer Fällen kann man kaum mehr....

Die Pief sollen ruhig zahlen! Kassieren ja auch selbst von Auslandspensionbezieher hemmungslos Geld ! Auch alle Pief sollen in Österreich eine zweite Lohnsteuer zahlen, die vernichten ja die Karrierechancen unserer Kinder!

Ausserdem habens uns ja vor 70 Jahren so reingeritten, dass wir heute noch blechen!
Dass ich das einzige Volk, das sowohl Na..i und Kommunisten waren, nicht mag, hat damit nichts zutun!

Re: Die Pief sollen ruhig zahlen! Kassieren ja auch selbst von Auslandspensionbezieher hemmungslos Geld ! Auch alle Pief sollen in Österreich eine zweite Lohnsteuer zahlen, die vernichten ja die Karrierechancen unserer Kinder!

Ihre weitläufige Bildung kommt in Ihrem Posting voll zur Geltung.
1. Diese Steuern sind nicht für Deutsche, sonern für alle Touristen, die Mallorca besuchen, vorgesehen. Unabhängig von deren Statsangehörigkeit.
2. Vor 70 Jahren hätten sich Millionen von Österreichdeutschen beschwert und protestiert, wenn Sie nicht hätten mitmachen dürfen!
3. In Österreich gab es immer schon und auch gibt es heute noch Kommunisten und Systemsozialisten sowohl als auch Rechte Gruppierungen mit(!) Regierungsbeteiligung!
Bitte öffnen Sie Ihren Geist für Tatsachen, gehen Sie aus Ihrem heimatmuseum und informieren Sie sich auf der schönen, großen Welt vor Ihrer Haustür. Vielleicht sogar in Mallorca!

Im neuen Jahr soll eine Mietwagensteuer kommen, eine Wassersteuer für Großverbraucher wie Poolbesitzer, Golfplätze und Hotels, eine Ökosteuer für Supermärkte auf der grünen Wiese und auch noch eine Verpackungssteuer für Getränke.

Ich bitte um Einführung einer Steuersteuer. Falls das nicht reicht, kann man dann noch eine Steuersteuersteuer nachlegen. Dann ist alles wieder gut. Dann sind wieder alle reich.
Was mich auf die Reichensteuer bringt.

Sollen sie ruhig zahlen....

Dort treffen sich ohnehin nur kulturuninteressierte Menschen, die sich gerne abzocken lassen und die nichts anderes tun als den ganzen Abend zu saufen und am Tag maximal am Pool herumlungern.

Re: Sollen sie ruhig zahlen....

Besonders kulturuninteressierte wissen nicht einmal, dass das eine wunderschöne Insel ist und nur ein kleiner bruchteil davon dem Ballermann gewidmet ist...

Re: Sollen sie ruhig zahlen....

Ich bewundere ihre Weltläufigkeit und die Weite Ihres geistigen Horizonts

Wie ist das möglich???

Wie kann ein so florierender Standort der mit allen Segen ausgestattet ist, vor so einer Misere stehen?? So unfähige und korrupte Entscheider sind für gewöhnlich nur hierzulande zu finden. In einem jahrzehntelangen, ungebrochenen Boom eine solche Bilanz abzuliefern ist lächerlich und beschämend.
Den Lösungsvorschlägen kann ich der Wassersteuer als einzigem etwas abgewinnen. Es ist absurd, Trinkwasser in Tankschiffen anzuliefern um damit Touristenhintern zu duschen oder Golfplätze zu wässern.

Re: Wie ist das möglich???

Wie im Falle von Katalonien muss die autonome Region der Balearen viel mehr an den maroden Zentralstaat abliefern, als sie zurückbekommt. Das ist ein zur Perversion verkommener Länderfinanzausgleich, der weit über die übliche Solidarität mit ärmeren Regionen hinausgeht und eher einem gnadenlosen Auspressen gleicht.

Re: Wie ist das möglich???

vlt. 9 Jahre sozialistische Regierung ? ehedem

Was soll's?

Wer sich abzocken lassen will, soll nach Mallorca fliegen. Wer nicht, wird andere, wunderschöne Destinationen finden. Aber die EU wird schon Möglichkeiten finden, den Spanieren die Verluste zu ersetzen, die nicht mehr willige Deutsche verursachen.

budgets lassen sich nicht einnahmenseitig sanieren!

ich weiß nicht wieviele feldbeispiele die politik noch braucht, aber es hat sich schon zig mal gezeigt, dass steuererhöhungen keine finanzmisere lösen können!

ich geb ja zu, es ist am einfachsten, denn da muss man nicht wirklich grübeln, sondern einfach mittels gesetzesänderung die mwst um ein par prozentpunkte nach oben schrauben und schon ist die gschichte gelöst!

man sieht aber ua am beispiel wien, dass das nichts bringt!
es schwächt nur die konkurrenzfähigkeit!

fazit:
es wird zeit die unangenehme wahrheit zu akzeptieren!
die finanzen kann man nur durch SPAREN sanieren, der von den sozialisten erfundene begriff einnahmenseitiges sparen ist ein völliger unsinn!

es ist am einfachsten

Sie haben es klar erfaßt! Bei einer solchen Vorgangsweise gewinnt man ein bißchen Zeit und rettet sich vielleicht über die nächsten Wahlen. Das ist die übliche Vorgangsweise und spart Gehirnschmalz, falls überhaupt vorhanden!

Daß es so weit gekommen ist, verwundert auch nicht, denn man war ja in Zeiten, wo "der Rubel gerollt ist", damit beschäftigt, so viel wie möglich von dem warmen Regen in die eigene Tasche und den Freunden der Freunde zu bugsieren. Das erfordert natürlich volle Aufmerksamkeit und da kann man sich um so Lappalien wie verantwortungsvolles Wirtschaften nicht kümmern!

Den Deutschen ist Mallorca das, ...

... was Wien den Türken ist.

Re: Den Deutschen ist Mallorca das, ...

Türken sind aber keine Saufschädeln!

Re: Den Deutschen ist Mallorca das, ...

Zwölf Millionen ZAHLENDE Besucher im Jahr?

Dann eben Doch

wieder nach Griechenland.

23

Naja, sollen sie ruhig!!

Es gibt auch andere schöne Inseln zum Urlauben ;-)

Re: Naja, sollen sie ruhig!!

Notwehr der Deutschen: alle Reisebüros sollten die Urlaubstarife für spanische Destinationen um 20% anheben, Flüge ausdünnen etc.
Na, schnell werden die korrupten Spanier wieder vernünftig werden!

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