USA: Invasion der Shopping-Aficionados

Das "Premium Outlet Center" in Woodbury Common zieht Einkaufstouristen aus Europa und Asien magnetisch an. "Profis" topfen leere Koffer voll.

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Invasion der Shopping-Aficionados
Invasion der Shopping-Aficionados – (c) REUTERS (JONATHAN ALCORN)

New York. Als die Klangfetzen der Dauerberieselung, einem Mix aus Dean Martins „Winter Wonderland“ und José Felicianos „Feliz Navidad“, verweht sind und sich die letzten Shoppingtouristen mit prallen Einkaufstaschen und voll gestopften Koffern abends um zehn in die Busse zwängen, reihen Helfer vor den in Weiß gehaltenen Edelläden schon die roten Kordeln für die Warteschlangen des nächsten Tages auf. Woodbury Common, das „Premium Outlet Center“ mit dem Retortenambiente eines Neuengland-Dorfs eineinhalb Autostunden nördlich von New York, rüstet sich für eine neue Invasion der Shopping-Aficionados.

Einkaufsdorado am Highway

Von A bis Z, von American Apparel bis Zegna, vereinigt das Retortendorf mehr als 220 hippe Marken und Luxuslabels auf einen Fleck – darunter auch zwei österreichische: Swarowski und Wolford. Unter den New-York-Touristen hat sich das Einkaufsdorado, verkehrstechnisch günstig am Highway 87 gelegen, längst als Geheimtipp herumgesprochen.

Vom Port Authority, dem Busbahnhof vis-à-vis des Renzo-Piano-Wolkenkratzers der „New York Times“, karren Busse die Kaufwütigen für eine Handvoll Dollar ins Hudson Valley südlich der Militärakademie West Point. Manche machen dafür einen Tag blau – wie jene zwei Österreicher, die eigentlich zu einem Bankenkongress in die Finanzmetropole gereist sind. Die Verlockung durch die 40-Prozent-Rabatte war zu groß. Und auch eine zweite Klientel tummelt sich überproportional in Woodbury Common: chassidisch-orthodoxe Juden aus der nahen Siedlung Kiryas Joel. Die Gemeinde hat einen Shuttleservice eingerichtet.

Einkaufsprofis wie die Spanierin Dolores Moreno rollen einen Koffer hinter sich her. Vor der Kassa der Boutique „Theory“ öffnet sie ihn, um ihn neu zu schlichten und noch Platz für einige Shirts zu schaffen. Verkäuferin Tanya erklärt die Strategie: „Viele reisen entweder mit einem fast leeren Koffer an oder kaufen sich hier in Woodbury einen neuen, den sie dann mit ,Schnäppchen‘ vollpacken.“ Dolores verquickt den New-York-Trip mit einem vorweihnachtlichen Einkaufsrausch. „Das ist so viel billiger als in Spanien“, sagt sie verzückt. „Und ich schlage gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.“

„Shop till you drop“

Bei Gucci und Prada sondieren Russen und Araber die Angebote, mitunter ausrangierte Ware. Ihre Meister haben auch sie inzwischen gefunden. Markengeile Chinesen und Japaner, von Werbetafeln in ihrer Sprache begrüßt, nehmen den Spruch wörtlich – „Shop till you drop“: einkaufen bis zum Umfallen. In Kleingruppen streifen sie durchs Areal, und wer Heißhunger verspürt, kann sich an einem Bratwurststand – in original altdeutscher Schrift – laben.

Wer nach einer Shoppingtour in Woodbury Common nicht genug hat, für den bietet die 5th Avenue in Manhattan den Christmas-Overkill, samt kunstvoller Auslagen im Stil der „Roaring Twenties“ bei Bergdorf Goodman. Am Rockefeller Plaza mit seinem glitzernden Christbaum verhökert Swarowski am Verkaufsstand Kristallkitsch in allen Variationen – vom Elch bis zum Engel. Und als gäbe es daheim keine hausgemachte Krise, plündern modebewusste Italiener, Franzosen und Spanier den „Flagship Store“ von Uniqlo, dem neuen, hippen japanischen H&M-Verschnitt. Die Kaschmirpullover um 40Dollar und die Daunenjacken um 70 Dollar waren rasch weg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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