Japan sitzt in der wirtschaftlichen Falle

07.12.2012 | 18:24 |  von unserem Korrespondenten Felix Lill (Die Presse)

Seit zwei Jahrzehnten wächst Japans Wirtschaft kaum noch. Im Wahlkampf klammern sich Politiker an die Zentralbank, obwohl langfristig höhere Steuern wichtiger sein könnten. Aber diese lassen sich kaum durchsetzen.

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Vor drei Wochen ging Shinzo Abe, der Anführer der oppositionellen Liberaldemokratischen Partei (LDP), in die Offensive. „Zum Glück wird 2013 ein neuer Zentralbankchef ausgewählt“, sagte Abe, „und die Regierung wird eine starke Stimme bei dieser Entscheidung haben.“ Diese Äußerung machte deutlich: Sollte die LDP wie erwartet am 16.Dezember die japanische Parlamentswahl gewinnen, würde die Bank of Japan nicht nur unbegrenzt Staatsanleihen kaufen und ihr ein Inflationsziel auf bis zu drei Prozent gesetzt. Obendrein würde der nächste Zentralbankchef nach Sympathie für diese Geldpolitik ausgewählt. Von einer unabhängigen Zentralbank könnte nur mehr bedingt die Rede sein.

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Nach einer Welle der Empörung ruderte der rechtskonservative Politiker wieder etwas zurück. Yoshihiko Noda, der noch amtierende Premierminister, hatte die Fantasien seines Gegners als „verboten“ bezeichnet. Der aktuelle Zentralbankchef Masaaki Shirakawa forderte mehr „Respekt für die Unabhängigkeit“ seiner Institution. Auch zahlreiche Analysten hatten den Vorstoß als ineffektiv, unrealistisch oder schädlich abgetan. Schließlich versprach Abe, der alle Umfragen weit vor der regierenden Demokratischen Partei Japans (DPJ) anführt: „Wenn ich Premierminister bin, werde ich die Geldpolitik der Bank of Japan nicht mehr kommentieren.“ Dass er sich aber gern einen passenden Zentralbankchef aussuchen würde, stellte Abe nicht infrage.

In Japans aktuellem Wahlkampf sind Geldpolitik und die wirtschaftliche Situation mit Abstand die wichtigsten Themen. Denn seit Langem steckt das Land in einer ernsten Lage, die sich zuletzt zuspitzte: Zwischen Juli und September schrumpfte die Wirtschaft auf das Jahr gerechnet um 3,5 Prozent. Zudem ist die Staatsschuldenquote mit über 200 Prozent des BIPs deutlich höher als etwa in Griechenland, und durch die alternde Gesellschaft gehen Japan allmählich Arbeitskräfte aus. Auch die wichtige Exportwirtschaft stockt, unter anderem wegen des starken Yen. Denn als wäre das alles nicht genug, steckt Japan auch seit Jahren in einer Deflationsfalle. Die Erwartung immer weiter sinkender Preise wirkt sich negativ auf Konsum und Investitionen aus. Durch die starke Währung werden japanische Produkte im Ausland teurer, während Unternehmen nach Produktionsmöglichkeiten in Übersee suchen.

Da an allen Fronten ökonomische Probleme klaffen, wirkt die politische Suche nach Antworten bisweilen hoffnungslos. Auch Shinzo Abes Vorstoß für eine lockerere Geldpolitik ist nicht ganz neu. Schon als Japans Wirtschaftsblase Anfang der Neunzigerjahre platzte, reagierte die Politik mit Zinssenkungen bis an die Nulllinie. Allerdings zeigten die Maßnahmen wenig Wirkung. Unternehmen und private Haushalte horteten fortan ihr Geld, Deflation setzte ein. Auch deswegen folgte das sogenannte verlorene Jahrzehnt, in dem Japans Wirtschaft bis heute aufgehört hat, deutlich zu wachsen.

An geldpolitischer Lockerung hält die Politik aber weiter fest. Erst im November kündigte die Zentralbank nach massivem Druck der Regierung weitere Staatsanleihekäufe an. Zudem bestehe „kein Zweifel“, wie Zentralbankgouverneur Shirakawa sagte, dass „alle Anstrengungen für weitere Lockerungen“ unternommen werden. Kurz zuvor hatte Shirakawa mit dem Wirtschafts- und dem Finanzminister sogar ein Papier unterzeichnet, durch das Regierung und Zentralbank eine enge Zusammenarbeit im Kampf gegen die Deflation ankündigten.

Ein Grund für das Klammern an der Geldpolitik ist anscheinend der Mangel an Alternativen. Das Zinsniveau ist seit Jahren so niedrig, dass nach unten kein Spielraum mehr besteht. Auch für neue, groß angelegte Wiederbelebungsversuche der Wirtschaft fehlen die Möglichkeiten. Japans letztes staatliches Ausgabenprogramm nach dem Tsunami im März 2011 führte nur kurzfristig zu einem Wiederaufbauboom. Gleichzeitig erhöhte sich aber weiter die Staatsschuld.

Politisch verharrt das Land zudem in einer Schockstarre. Um angesichts des Staatsdefizits von rund neun Prozent nicht noch deutlich mehr Schulden anzuhäufen, wollte Premierminister Noda im Sommer die Konsumsteuer von fünf auf mittelfristig zehn Prozent anheben. Für die nötige Zustimmung der Opposition zahlte er aber einen hohen Preis. Nach einem weiteren Staatsanleihekaufprogramm, um den aktuellen Haushalt finanzieren zu können, musste Noda schließlich Neuwahlen versprechen. Nicht zuletzt durch sein Beharren auf einer Steuererhöhung dürfte er diese nun verlieren.

Unter Ökonomen wurde dieser bei Wählern unbeliebte Schritt aber begrüßt. „Er geht nur nicht weit genug“, sagt Takatoshi Ito. Der Professor der Universität Tokio gehört zu den angesehensten Ökonomen seines Landes und plädiert seit Langem für eine höhere Konsumsteuer. Langfristig sieht er darin gar den einzigen Weg aus der Krise, denn es handelt sich um einen der wenigen Bereiche, bei denen Japan noch politischer Spielraum bleibt.

Bis 1989 hatte das Land überhaupt keine Konsumsteuer, derzeit liegt sie mit fünf Prozent deutlich unter dem Niveau anderer reicher Länder. Zudem zeigen Studien der OECD, dass sich indirekte Steuern wie jene auf Konsum weniger wachstumshemmend auswirken als die direkte Belastung von Löhnen. „Eine höhere Konsumsteuer würde auch nicht die Nachfrage drücken, wie häufig befürchtet wird“, sagt Ito. „Im Gegenteil, Haushalte und Unternehmen würden kurz vor der Anhebung noch kräftig einkaufen.“

Allerdings hat schon die durch Noda beschlossene Steuererhöhung einen Haken. Sollte Japans Wirtschaft im kommenden Jahr keine „positive Entwicklung“ aufzeigen, wird sie nicht durchgeführt. Momentan deutet wenig auf so eine Entwicklung hin, wobei schon für die bloße Stabilisierung der Staatsschulden je nach Studie Erhöhungen von 17 bis 31 Prozent nötig wären. „Wird die Konsumsteuer nicht angehoben“, erwartet Ito, „steuert Japan früher oder später auf eine Schuldenkrise zu.“

Zwar ist davon bislang nichts zu sehen. Die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen liegen deutlich unter einem Prozent, auch, weil über 90 Prozent der Anleihen im Inland gehalten und daher kaum weiterverkauft werden. Sollten Japans Schulden aber weiter steigen, müssten irgendwann Käufer im Ausland gefunden werden. „Durch alternde Bevölkerung ist zudem die Sparkapazität begrenzt“, sagt der Bevölkerungsökonom Naohiro Ogawa (siehe Interview): „Ältere Menschen leben stärker von Ersparnissen und häufen daher weniger neues Geld an als die Leute im arbeitsfähigen Alter. Die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter schrumpft aber schon seit Jahren.“

Unbequeme Zukunft

So könnte dem Land ohne drastische Steuererhöhungen eine unbequeme Zukunft bevorstehen. Die Ökonomen Hideaki Matsuoka und Shohei Terada vom Japan Center for Economic Research (JCER) haben kürzlich errechnet, dass die Zinsen zehnjähriger Anleihen schon in sechs Jahren auf zehn Prozent ansteigen könnten. Allgemein sprechen Ökonomen bei Erträgen ab sieben Prozent von der „Todeszone“ für die Schuldnerstaaten. Zudem kann sich auch die anhaltende Deflation negativ auf die Schuldenlage auswirken. Durch einen steigenden Geldwert nimmt die reale Schuldenlast zu, was in Japans außergewöhnlicher Situation schmerzhaft ist.

Aber nicht jeder ist so pessimistisch, was die politischen Möglichkeiten angeht. Der Yale-Ökonom Koichi Hamada hält etwa eine noch lockerere Geldpolitik, wie von Shinzo Abe gefordert, für den richtigen Weg. Zwar sehen Gegner gerade in unbeschränkten Anleihekäufen die Gefahr weiterer Schulden und eine allzu starke Erwartung der Märkte hinsichtlich ständig neuer Liquidität. In den Augen Hamadas wäre das aber „kein Problem“, wie er vor einigen Tagen gegenüber dem Finanzdienstleister Bloomberg sagte: Japan stehe vor einer Rezession und müsse daher entsprechend handeln.

Diese schwierige Konstellation, die Japans Politik viel Spielraum in der Krise nimmt, befürchten Kritiker auch für Europa. Der US-Ökonom Paul Krugman hat wiederholt davor gewarnt, Europa dürfe seinen Krisenländern nicht „zu harte“ Sparprogramme oktroyieren. Denn mit einem massiven Wirtschaftseinbruch gingen meist auch Preissenkungen einher. Wird so ein Problem dann nicht rasch beseitigt, könnten nicht nur wie in Japan viele Politikinstrumente wirkungslos werden. Auch die Kaufkraft der Schuldner würde weiter sinken, weil ihre Verbindlichkeiten relativ an Wert zunähmen. Sollten Marktteilnehmer zudem weitere Preissenkungen für die Zukunft erwarten, wirkt sich dies negativ auf die Investitionstätigkeit aus. Davon kann Japan ein Lied singen.

Der deutsche Ökonom und Sachverständigenrat Peter Bofinger gibt daher zu bedenken, dass eine allzu starke Sparpolitik, wie sie etwa Griechenland gerade durchlebe, die Nachfrage massiv senken würde. Eine Deflationsspirale wie in Japan könnte einsetzen. Im Jahr 2012 ist Europas Inflationsrate trotz wiederholter Staatsanleihekäufe schon leicht rückgängig.

In Zahlen
3,5

Prozent.
Um so viel schrumpfte Japans Wirtschaft im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet.

1,39

Kinder.
So viele Kinder bekommen Japanerinnen im Schnitt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2012)

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44 Kommentare
 
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Unwissenheit

Der Artikel ist fragwürdig. Da ich Japan sehr gut kenne und oft dort bin wundere ich mich, dass dieses Land hier so bejammert wird. Japan ist das einzige westliche hochentwickelte Land Asiens, hat eine Arbeitslosenrate von gerade einmal 4,5 %, eine niedrige Auslandsverschuldung von der die meisten westlichen Länder nur träumen können und die zweithöchsten Fremdwährungsreserven der Welt und ist (von höchst zweifelhaften Zahlen Chinas abgesehen) die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Da ist noch lange nicht das letzte Wort gesprochen und viele der Kommentare hier zeugen von absoluter Unwissenheit.

eine zentralbank kann da nicht mehr aushelfen. hoechstens die abwesenheit einer zentralbank

was helfen koennte, waere implementierung freier marktwirtschaft

Re: eine zentralbank kann da nicht mehr aushelfen. hoechstens die abwesenheit einer zentralbank

Wohl noch nie in Japan gewesen? Dann würdest du wissen, dass dieses Land geradezu ein Musterbeispiel freier Marktwirtschaft ist.

Re: Re: eine zentralbank kann da nicht mehr aushelfen. hoechstens die abwesenheit einer zentralbank

Eine Zentralbank hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun - sie ist eine zentrale Planungsbehörde, die die Zinsen manipuliert und mit dem Gelddrucken Konkursverschleppung für die maroden Banken betreibt.

Wenn du die Ursache für Wirschaftskrisen suchst, dann fang an das Geld-und Banksystem zu studieren .. mises,org

Re: Re: Re: eine zentralbank kann da nicht mehr aushelfen. hoechstens die abwesenheit einer zentralbank

+++++++++++++

Mehr als 100% Steuer geht halt nicht

UNd ohne Jugend hilft auch der Honda-Roboter nicht weiter. Japan vernichtet. Auch ohne Atombombe.

Re: Mehr als 100% Steuer geht halt nicht

das haben die selbst zu verantworten.

Re: Re: Mehr als 100% Steuer geht halt nicht

Das bestreitet auch keiner. Die Selbstmord-Weltmeister.... Schade.

Re: Re: Re: Mehr als 100% Steuer geht halt nicht

aber hauptsache die eigene "ehre" ist gerettet. komische kultur (aus meiner sicht) aber jeder soll so leben wie er/sie glaub es sei richtig solange keine anderen leute zuschaden kommen.

Es gibt auch Alternativen

Siehe: http://www.amazon.de/Eine-soziale-Marktwirtschaft-schaffen-ebook/dp/B00AG0WKWA

oder

www.amazon.de/Operation-Neustart-ebook/dp/B00AGFAQ8A

Die Frage ist nur, ob die herrschende Politik den Mut aufbringt, radikale Reformen umzusetzen...

Zum Thema Wachstumswahn...

... lese / höre man Meinhard Miegel !

Re: Zum Thema Wachstumswahn...

in der ddr dachte sich die politische fuehrung: ein trabbi sollte wohl fuer jeden reichen. 40 jahre stillstand. 1990 noch modelle basierend mit technik aus den 50ern. ganz toll fuer die "umwelt"

das ist der stillstandswahn

Eine Frage des Blickwinkels

1. Muß man bei einer schrumpfenden Bevölkerungszahl trotzdem wachsende Wirtschaft erwarten?

2. Wenn im Fall von Japan die Auslandsschulden nur einen Bruchteil der Gesamtschulden ausmachen - wie stark relativiert sich dann das Bild eines hochverschuldeten Landes?

3. Als mit Abstand das einzige hochentwickelte westliche Industrieland im bevölkerungsreichsten Kontinent der Welt befindet sich dieses Land in einer unvergleichbaren geopolitischen Situation.

4. Ich reise oft nach Japan und sehe dort ein höchst aktives Wirtschaftsleben bei einer sehr niedrigen Arbeitslosenrate von ca. 4,5%

5. Japan hat mit 128 Mio rund 50% mehr Einwohner als Deutschland - auf einer Fläche nur 5 % größer als Deutschland (und noch dazu sehr gebirgig). Damit produziert Japan 4,4 Mrd. USD jährlich - Deutschland 3,1 Mrd und ist damit die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (von China abgesehen, da ich dessen Zahlen nicht vertraue)

So schlecht steht dieses Land nicht da wie gerne behauptet. Da ist auch eine gehörige Portion politischen Interesses im Spiel.

Re: Eine Frage des Blickwinkels


Zustimmung (außer den Mrd)!

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Das-JapanParadox/story/29523190

[...] Wirtschaftsnobelpreisträger Simon Kuznets: «Es gibt drei Arten von Volkswirtschaften: unterentwickelte, entwickelte – und Japan.» [...]

Re: Re: Eine Frage des Blickwinkels

Wow, guter Artikel und sehr gute Zusammenfassung. Danke für den Link und hoffentlich lesen diesen viele hier.

Japan ist mit österreichischem Denken nicht einfach zu verstehen - es ist einfach zu anders!

Eine Frage des Blickwinkels

1. Muß man bei einer schrumpfenden Bevölkerungszahl trotzdem wachsende Wirtschaft erwarten?

2. Wenn im Fall von Japan die Auslandsschulden nur einen Bruchteil der Gesamtschulden ausmachen - wie stark relativiert sich dann das Bild eines hochverschuldeten Landes?

3. Als mit Abstand das einzige hochentwickelte westliche Industrieland im bevölkerungsreichsten Kontinent der Welt befindet sich dieses Land in einer unvergleichbaren geopolitischen Situation.

4. Ich reise oft nach Japan und sehe dort ein höchst aktives Wirtschaftsleben bei einer sehr niedrigen Arbeitslosenrate von ca. 4,5%

5. Japan hat mit 128 Mio rund 50% mehr Einwohner als Deutschland - auf einer Fläche nur 5 % größer als Deutschland (und noch dazu sehr gebirgig). Damit produziert Japan 4,4 Mrd. USD jährlich - Deutschland 3,1 Mrd und ist damit die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (von China abgesehen, da ich dessen Zahlen nicht vertraue)

So schlecht steht dieses Land nicht da wie gerne behauptet. Da ist auch eine gehörige Portion politischen Interesses im Spiel.

Eine Frage des Blickwinkels

1. Muß man bei einer schrumpfenden Bevölkerungszahl trotzdem wachsende Wirtschaft erwarten?

2. Wenn im Fall von Japan die Auslandsschulden nur einen Bruchteil der Gesamtschulden ausmachen - wie stark relativiert sich dann das Bild eines hochverschuldeten Landes?

3. Als mit Abstand das einzige hochentwickelte westliche Industrieland im bevölkerungsreichsten Kontinent der Welt befindet sich dieses Land in einer unvergleichbaren geopolitischen Situation.

4. Ich reise oft nach Japan und sehe dort ein höchst aktives Wirtschaftsleben bei einer sehr niedrigen Arbeitslosenrate von ca. 4,5%

5. Japan hat mit 128 Mio rund 50% mehr Einwohner als Deutschland - auf einer Fläche nur 5 % größer als Deutschland (und noch dazu sehr gebirgig). Damit produziert Japan 4,4 Mrd. USD jährlich - Deutschland 3,1 Mrd und ist damit die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (von China abgesehen, da ich dessen Zahlen nicht vertraue)

So schlecht steht dieses Land nicht da wie gerne behauptet. Da ist auch eine gehörige Portion politischen Interesses im Spiel.

Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

Irgendwann muß jedes Wachstum sein Ende finden. Unbeschränktes Wachstum ist Krebs.

Und eine hochentwickelte Wirtschaft stößt nun einmal schneller an die Grenzen des Wachstums, als ein Entwicklungsland. Das ist wohl einsichtig!



Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

natuerlich - und da dachten sich 200 millionen menschen auf diesem planteten im jahr 1800, wie koennten sie jemals essen anbaun fuer 1 milliarde leute? alle werden verhungern!

im jahr 1850 dachte man sich - wo soll man nur all das futter anbaun fuer die ganzen pferde? da braeuchte man laut hochrechnungen fuer das jahr 1950 eine flaeche so gross wie spanien und frankreich allein um futter fuer die pferde anzubaun und eine flaeche so gross wie england fuer den ganzen pferdemist ...

dass es nie zu diesen szenarien kam liegt am technischen fortschritt, der mithilfe von arbeitsteilung prosperitaet erzeugt.

einerseits wurde industrielle nahrungsmittelerzeugung implementiert, andererseits wurde "das auto" erfunden.

warum haben sich menschen vom jagen und sammeln abgewandt fuer das taegliche ueberleben? durch wachstum und technischen fortschritt und das wichtigste: arbeitsteilung.
naechster evolutionsschritt: gentechnik, quantencomputer, unbegrenzte energie (kalte fusion) bzw entdeckung neuer oelvorraete (fracking) ...

die einzigen grenzen die wir menschheit uns setzen ist unsere eigene vorstellungskraft!

anno 1980 wusste noch keiner was "internet" war. wir koennen noch nicht mal erahnen, was 2050 alles moeglich sein wird und wie "primitiv" uns der "jetzige" wissensstand erscheinen wird

Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

Sie dürfen Innovation nicht mit Wachstum verwechseln!

Re: Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

innovation = effizienzsteigerung = wirtschafswachstum

Re: Re: Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

Inflation ist auch eine Art Wachstum! Jedenfalls wird es von der Politik gerne so verkauft.

Elektrogeräte, die nach 2-3 Jahren auf Grund einer Sollbruchstelle ihren Geist aufgeben, sind auch tolle Wachstumsinnovationen !!

Und da "Wachstum" meist von staatlichen Statistikämtern gemessen wird, bin ich da auch sehr, sehr skeptisch.....

Re: Re: Re: Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

man kann es auch so sehen:
anstelle jeden tag das geschirr zu waschen schmeiss ich's in den geschirrspueler und spar mir 1/2 stunde arbeitszeit (pro tag) macht 3.5 stunden / woche macht 14h / monat

diese 14 stunden pro monat kann ich anstelle des geschirr zu waschen einer andere produktiven taetigkeit nachgehen.

wenn es das wort opportunitaetsarbeitskapazitaet noch nicht gibt, moechte ich es an dieser stelle kreieren ;-)))

Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

wenn Sie mit mit Wirtschaftswachstum wirkliche Innovation meinen gebe ich Ihnen recht,ABER
wer braucht denn schon spätestens jedes dritte Jahr ein neues Auto,eine neue Digitalkamera,einen neuen Flachbildschirm?,(diese Liste lässt sich beliebig mit Konsumgütern aller Art fortsetzen,welche größtenteils nur minimale technische Veränderungen aufweisen)
Dieses Wirtschaftswachstum brauchen wir nicht mehr!!!
Es stellt sich Gott sei Dank immer mehr als Sackgasse heraus.

Re: Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

es geht nicht darum ,was man "braucht" sondern was angeboten und was nachgefragt wird

was "braucht" jemand, der sich askese uebt? eine simpler schuppen als dach ueber dem kopf, einen kleinen holztisch & sessel und ein bett. zum abendmahl ein trockenes stueck brot und ein glas wasser.
oder braucht jemand einen lobster, scallops, filet mignon steak & ein 8 schlafzimmer anwesen mit swimmingpool?

warum braucht jemand einen mercedes, wenn man auch mit einem daihatsu von a nach b kommt?

was "gebraucht" wird entscheidet gott sei dank der markt und nicht der staat.

Re: Re: Re: Re: Die Wachstumsgläubigkeit kann nur ein Irrweg sein!

Sie sehen das zu extrem,es geht
NICHT darum,dass wir alle asketisch leben.
Es geht vielmehr darum, einen Mercedes, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, nicht alle 2 oder 3 Jahre zu wechselt,um das neueste Modell zu besitzen,sondern längere Zeit damit zu fahren.
Es geht im Prinzip darum,nicht jedem Konsumblödsinn,der uns fälschlicherweise als Innovation verkauft wird,mitzumachen.

 
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