"USA werden nicht unabhängig von Öl-Importen"

Öl-Experte Johannes Benigni bezeichnet Behauptungen, dass die USA jemals unabhängig von Ölimporten werden könnten, als Unsinn.

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(c) AP (Pat Sullivan)

Öl-Experte Johannes Benigni von JBC Energy bezweifelt, dass die USA jemals unabhängig von Erdölimporten werden können. Derartige Behauptungen seien "Unsinn", selbst wenn die Vereinigten Staaten die Förderung von "shale oil" massiv ankurbeln würden, sagte Benigni bei einem Vortrag in Wien. Bei Erdgas dagegen könnte es den USA gelingen, bis 2017 durch Schiefergas zum Nettoexporteur zu werden. Ein Ölpreis-Rückgang sei nicht zu erwarten, so Benigni - eher das Gegenteil: "Wir rechnen, dass die Ölpreise auch 2013 ähnlich stabil hoch bleiben - danach werden sie etwas ansteigen, weil der Geldumlauf zunimmt und Bewegung in die Märkte kommen wird."

Anders als die Internationale Energie-Agentur (IEA) und die OPEC, die hier eine zu konservative Prognose hätten, rechne JBC Energy für 2013 mit 1,2 Millionen Fass pro Tag mehr an globaler Ölförderung. Bemerkenswert sei, dass heuer erstmals der Stromerzeugungs-Sektor mit 380.000 Fass pro Tag weltweit der stärkste Treiber des Verbrauchsanstiegs sei, noch vor dem Straßentransport.

"Schwierige Öle" rentieren sich

Durch den "shale oil"-Hype würden die USA etwas weniger an Ölimporten benötigen, und daher werde in den nächsten Jahren mehr von dem Rohstoff von Afrika und Südamerika in den Osten, Richtung Asien, kommen. International gehe der Förder-Trend weg von Ländern mit politischem Risiko wie Iran, Irak, Syrien, Jemen und Ägypten in Richtung "technologisches Risiko", wie es etwa in Kanada, Venezuela oder der Arktis zu finden sei. "Schwierige Öle" (wie etwa aus Tiefseebohrungen), die in Summe global rund zehn Millionen Fass täglich und damit gut ein Neuntel der Gesamtförderung ausmachen, rentierten sich jetzt bei den höheren Ölpreisen. Unter 75 oder 80 Dollar pro Fass wäre das aber unrentabel, so Benigni. Mehr und mehr müssten die Ölkonzerne weltweit übrigens allein deshalb investieren, um die Produktion stabil zu halten.

Bei Erdgas seien die USA wegen der Schiefergas-Gewinnung der billigste Gasmarkt international. In Europa und Asien dagegen seien die Kosten für Gas ölpreisgetrieben, erinnerte Benigni. Entscheidend für den Gaspreis seien die Nachfrage in Asien und das Angebot. Auf das weltweite Gaspreis-Gefüge könne Europa keinen Einfluss nehmen, "egal was wir machen". Der JBC-Energy-Experte erwartet, dass die Erdgasnachfrage in Europa nach dem Einbruch im Jahr 2011 künftig wieder zulegen wird. Heuer würden noch hohe US-Kohleexporte nach Europa dem hiesigen Gasverbrauch zusetzen. Gas-Nachfrageschwankungen auszugleichen koste aber immens viel.

Zweifel an "South Stream"

Benigni ist skeptisch, ob die "South Stream" - die zweite neue Groß-Pipeline, die Russland nach der "Nord Stream" Richtung Europa bauen will - tatsächlich so kommen wird. Es habe zwar erst kürzlich einen lautstark verkündeten Baustart gegeben, "aber ich bin nicht sicher, ob das mehr als zehn Meter Rohr sind". Vor allem der Netzzugang für Dritte, sei hier noch nicht ausverhandelt, meinte der Experte. Er betrachtet die "South Stream" ohnedies eher als Signal Moskaus an Kiew: "Natürlich könnte South Stream die Pipeline durch die Ukraine ersetzen."

(APA)

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