Weißrussland: Zwangsarbeit mitten in Europa

02.01.2013 | 18:39 |   (Die Presse)

Holz- und Bauarbeiter dürfen nicht selbst entscheiden, wo sie arbeiten. Um den Exodus nach Russland zu stoppen, setzt Minsk auch auf Zwangsarbeit.

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Minsk/Wien/Ap/Auer. Leere Regale, Inflationsraten bis zu hundert Prozent, die Internetverbindungen ins Ausland gekappt, der weißrussische Rubel am Boden. Meldungen wie diese dokumentierten in den vergangenen Monaten den Verfall im Weißrussland unter Alexander Lukaschenko, der das Land mit seiner totalitären Kommandowirtschaft an den Rande des Bankrotts geführt hat. Kein Wunder, dass jedes Jahr hunderttausende Weißrussen versuchen, dem Regime zu entkommen. Ein gutes Zehntel der zehn Millionen Einwohner arbeitet schon im Ausland. Die meisten in Russland. Doch Europas letzter Diktator hat auch auf den Massenexodus seiner Bevölkerung eine Antwort parat: Zwangsarbeit.

 

Wer geht, muss bezahlen

Vor wenigen Wochen erließ der 58-jährige Machthaber ein Dekret, das vielen Menschen im Land die Freiheit nimmt zu entscheiden, wo sie arbeiten wollen. Direkt betroffen sind vorerst 20.000 Arbeiter in der strategisch wichtigen Holzindustrie sowie jene 3000 Bauarbeiter, die mit der Sanierung der neun Holzfabriken beauftragt sind.

Eine Klausel in ihren neuen Arbeitsverträgen verpflichtet sie, alle Gehälter seit Unterzeichnung des Vertrags zurückzuzahlen, falls sie kündigen. Um an das Geld zu kommen, ziehen die Behörden den Lohn direkt bei den neuen Arbeitgebern ein. Finden die Arbeiter nicht sofort einen neuen Job, müssen sie in ihre alten Fabriken zurückkehren und die Strafe trotzdem bezahlen. Einer der Betroffenen ist Wladimir Dodonow. Der 37-jährige Holzarbeiter in Borisov verdient umgerechnet 105 Euro im Monat. In Russland ist gleiche Arbeit um ein Vielfaches besser bezahlt. „Wie kann man mit so einem Gehalt überleben?“, sagt Dodonow. „Natürlich denke ich daran, nach Russland zu gehen, bevor sie mich zu einem Sklaven machen.“ Sein Werk, knapp 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Minsk, mutet von außen an wie ein Gefängnis. Hinter den mit Stacheldraht gesäumten Mauern des Werks hat Lukaschenko den Chefs der Holzfirmen, die unter dem Exodus der Arbeiter leiden, versprochen: „Vergesst nicht, ohne eure Erlaubnis können sie nicht gehen.“ Seit dem Amtsantritt von Lukaschenko im Jahr 1994 ist die Holzindustrie wie fast alle Branchen des Landes zu hundert Prozent in staatlicher Hand.

 

Milliarden aus Moskau nach Minsk

„Das ist Leibeigenschaft“, wettert der weißrussische Gewerkschaftler Alexander Jaroschuk. Der Minsker Analyst Alexander Klaskovsky spricht von „Sklaverei mitten im Europa des 21.Jahrhunderts“. Und er befürchtet Schlimmeres. Die Beschränkungen in der Holzindustrie sieht er als ein „riskantes Experiment“, das Lukaschenko schon bald „auch auf andere Branchen ausweiten“ könnte.

Das begehrteste Ziel der Arbeitsmigranten ist Russland. In der Hoffnung auf bessere Löhne suchen rund 84Prozent aller Auswanderer hier nach Arbeit. Grenzkontrollen gibt es zwischen den Ländern, die eine Zollunion eint, kaum. Und auch wenn Lukaschenko den Weißrussen den Gang nach Russland verbieten will, sind die Beziehungen zwischen Moskau und Minsk nicht schlecht. Neben China und dem Iran ist es vor allem Russland, das den Diktator im Bruderstaat mit billiger Energie und Milliardenzahlungen im Sattel hält. Die Frage ist, wie lange noch. Denn auch Russland gibt nicht mehr so gerne wie früher. Und: „Die sowjetartige Wirtschaft hat ihre Ressourcen erschöpft“, sagt Yaroslav Romanchuk vom Mises Institut in Minsk. Lukaschenko bleibe nicht viel mehr übrig, als ständig „neue Abnormalitäten zu erfinden“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2013)

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7 Kommentare

Leere Geschaefte.....stellen Sie sich vor was los waere sollte der Forint um 200% abwerten, die Schlange der Oesterreicher wuerde bis Bruck an der Leitha reichen....

Richtig ist d der Weissrussische Rubel um 200% abgewertet wurde. Grund: 250 000 Altwagen Importe ein grosses Handelsdefizit sowie ein Run auf die Banken.
Danach stuerzten sich Schnaeppchenjaeger aus allen Nachbarstaaten auf die billigen Kuehlschraenke, Waschmaschinen etc. Alles war auf einmal 70% billiger wie in Russland und Ukraine. Sowas kennen wir ja auch in Oesterreich wo in Burgenland nach Fall des eisernen Vorhangs diese Geraete nach Ungarn verschwanden, oder in Deutschland wo es nach dem Fall der Mauer in manchen Weststaedten weder Kaffe noch Schokolade zu kaufen gab.
Diese Gier hat Weissrussland gerettet, es stroemten enorm viel Valuten ins Land. Alle Kredite konnten mit Zinsen bedient werden. Dieses arme Land hat nicht, wie d reiche Russland, Polen, Griechenland, ja sogar Deutschland 1953 einen Schuldenerlass bekommen sondern bisher alle Schulden mit Zinsen bezahlt.
Daher ist es immer erstaunlich d die Weissrussische Praesidenten Republik in den Medien als Dikdatur bezeichnet wird, waehrend Russland mit gleicher Ausrichtung als "lupenreine Demokratie" gilt. Was doch Erdgas und Erdoel fuer einen Unterschied macht. Diese Moral ist zum kotzen.
Geehrte Presse, bleiben Sie daher immer bei den Fakten, mit solchen tendenzioen Artikeln erreichen Sie nur den "Waldheim" Effekt in Weissrussland. Also genau d Gegenteil was Sie eigentlich mit Ihrer Propaganda anstreben.

Re: Leere Geschaefte.....stellen Sie sich vor was los waere sollte der Forint um 200% abwerten, die Schlange der Oesterreicher wuerde bis Bruck an der Leitha reichen....

vielen Dank für ihre Erklärungen - solche Kommentare machen dieses Forum lesenswert!

Geehrte Presse, leisten Sie sich einen Uebersetzer und bringen Sie Fakten nicht Propaganda Geschichten.

Charta 97 und Human Right Center, zwei Gegner des Weissrussischen Regimes, schreiben bereits am 7 und 9 12 2012 ueber Dekret Nr 9 wie folgt.
Die Staatlichen Holzarbeiter Gesellschaften, welche zur Zeit modernisiert werden, erhalten fuer die Zeit der beschleungten Modernisierungsarbeiten die Erlaubnis zu den monatlichen 200 USD Gehalt eine Praemie von weiteren 200 USD zu zahlen. Sollte ein Arbeiter der diesen Zeitvertrag fuer 2 Jahren unterschrieben hat, fruehzeitig aus der Firma ausscheiden muss er die "monatliche Praemie von 200 USD" zurueckzahlen. Kann er d nicht musss er es abarbeiten. Sie schreiben oben: "alle Gehaelter" Ausserdem meinen Sie d jaehrlich hundertausende Weissrussen auswandern, nun richtig ist d Polnisch staemmige nach Polen und Russisch staemmige nach Russland wegen der Putin Rueckholpraemie ausgewandert sind, die Weissrussen fahren nicht gerne nach Russland arbeiten, dort sind gatsarbeiter rechtlos, und verdienen auch nicht mehr wie 400 USD monatlich, aber ohne Werkwohnung. Lieber fahren sie in die EU da brauchts aber ein Visum.
Milliarden aus Moskau, selten so gelacht, wenn die EZB oder IWF Kredite vergibt dann kommt es auch nicht aus Deutschland oder USA sondern von einer gemeinschaftlichen Bank. So ist es auch bei Weissrussland. Geschenke hat weder Russland, noch China, Iran, und schon gar nicht die EU nach Weissrussland geschickt.
PS: Billige Energie ? 220 USD fuer Erdgas welches in Kasachstan 150 USD kostet ?
Siehe Seite 2

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also

ein echter Parade-Kanditat für die EU.

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Re: also

Seien Sie froh, das Sie offensichtlich keinen blassen Schimmer ueber die Zustaende in Weisrussland haben, sonst wuedern sie sich wohl kaum derartige polemische Scherze erlauben.


Europas letzter Diktator?

Ach was? Und was ist dann mit den grauen Herren und Damen in Bruxelles?

sehet gut hin, ihr realitaetsverdrossenen

personenkontrollen folgen immer den kapitalkontrollen.

zuerst wird der kapitalverkehr eingeschraenkt, dann der warenverkehr und zuletzt der personenverkehr.

wer weiterschlaeft wird aufwachen im kommunistischen gefaengnis europa. keine chance mehr zu entkommen, der kalten enteignung und zwangsarbeit

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