'Lebenswerk verspielt': Älteste Schweizer Bank sperrt zu

04.01.2013 | 11:43 |   (DiePresse.com)

Das 1741 gegründete Schweizer Bankhaus Wegelin hat sich der Beihilfe zur Steuerflucht schuldig bekannt und wird nun liquidiert.

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"Ein Lebenswerk verspielt", kommentiert die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) den Niedergang der Schweizer Traditionsbank Wegelin: Das 1741 gegründete älteste Bankhaus des Landes gibt seine Geschäfte auf und wird liquidiert. Bereits im Jänner 2012 hatte Wegelin in Folge des Rechtsstreits mit den US-Justizbehörden den größten Teil des Geschäfts an die Schweizer Raiffeisenbank verkauft. Nun wird auch der letzte, unbelastete Teil der Bank an die Raiffeisen-Gruppe abgestoßen.

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Die US-Behörden hatten Wegelin-Mitarbeitern vorgeworfen, amerikanische Kunden von der Großbank UBS übernommen zu haben, als gegen diese bereits wegen des Verdachts auf Beihilfe zu Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Die Bank habe ihnen Schutz vor der amerikanischen Steuerbehörde IRS versprochen, hieß es in der Anklageschrift gegen drei Wegelin-Mitarbeiter. Die Männer sollen reichen US-Steuersündern geholfen haben, über 1,2 Milliarden Dollar (913 Mio. Euro) vor den Steuerbehörden zu verbergen. Am Donnerstag bekannte sich die Bank vor Gericht schuldig. Eine Einigung wurde erzielt. Knapp 74 Millionen Dollar muss die Bank laut "NZZ" an die USA zahlen und die Daten von amerikanischen Kunden weiter aufbewahren. Im Gegenzug wird das Strafverfahren eingestellt.

Weitere zehn Schweizer Banken im Visier

"Geradezu tragisch mutet an, dass das Offshore-Geschäft mit amerikanischen Kunden, das den Untergang der Bank besiegelt hat, nie von strategischer Bedeutung war", heißt es im NZZ-Kommentar. 2010 machten die verwalteten Vermögen von US-Offshore-Kunden weniger als fünf Prozent der von Wegelin betreuten Gelder aus. Die der US-Finanz entgangenen Steuereinnahmen dürften rund 20 Millionen Dollar betragen haben. "Die Bank hat für einen Pappenstiel ihre Existenz verspielt", so die NZZ. Der Schluss: Die Bankeigner hätten zwar nicht Schweizer Recht verletzt, aber Fähigkeit der kleinen Schweiz überschätzt, "sich gegen eine Kanonenbootpolitik der USA zu verteidigen".

Neben Wegelin haben die Amerikaner übrigens weitere zehn Schweizer Banken im Visier - darunter Credit Suisse und Julius Bär sowie die Kantonalbanken von Zürich und Basel. Die Aktionen gegen Schweizer Banken begannen 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS. Dieses Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab. Andere Schweizer Banken, darunter auch Wegelin, übernahmen dann von UBS amerikanische Kunden.

Erst im Vorjahr kam die älteste Bank der Welt in die Schlagzeilen: Der italienische Staat musst nun der toskanischen "Banca Monte dei Paschi di Siena" unter die Arme greifen (mehr dazu ...).

(Red./APA)

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88 Kommentare
 
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Wen man mache Postings hier durchliest könnte man fast der Meinung sein das es sehr, sehr pöse ist Steuerhinterzieher zu verfolgen.

Was etwas seltsam ist. Den gerade Österreich hat ja auch Interesse daran Geld aus der Schweiz zu bekommen. Diese Art von Postings fehlte aber.
Aber das Personen einer Bestimmten Religion gerne in den USA leben, hat sicher nichts damit zu tun...

Steuerhinterziehungen werden völlig überflüssig ...

... wenn anstatt der derzeit üblichen Enteignung die Steuern auf ein erträgliches und akzeptables Maß reduziert werden.

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Leben auf Kosten der Armen

Sambia: Im Jahr 2004 wurden die Kupferminen verkauft. Zu Schleuderpreisen.

„[...] Nach jahrelanger Geheimhaltung wurden die zwischen der Regierung Sambias und den Minengesellschaften geschlossenen Privatisierungsverträge 2007 veröffentlicht. Sie legen fest, dass Sambia auf Jahre hinaus kaum von seinen Rohstoffen profitiert. Es geht darin um Stellenabbau, hundertprozentige steuerliche Abschreibungen, Befreiung von Importzöllen für Maschinen. Die Laufzeit der im Jahr 2000 abgeschlossenen Verträge beträgt 20 Jahre. Als die Verträge [...] an die Öffentlichkeit kamen, lösten sie einen Skandal aus. Erstmals erkannten die Sambier die Ursachen für ihre Armut. Über die Hälfte des sambischen Kupfers wird laut [...] in die Schweiz exportiert, die achtmal mehr sambisches Kupfer kaufe als China. Natürlich benötigt die Schweiz so viel Kupfer nicht, es gibt eine andere Erklärung: Mopani gehört Glencore, einem der weltgrößten Rohstoffkonzerne, mit Sitz im schweizerischen Baar. Unternehmen wie Glencore verbuchen die Gewinne in extra dafür in Steuerparadiesen angesiedelten, verbundenen Unternehmen. Und diese verkaufen das Kupfer innerhalb des Konzerns weiter. Man weiß nie, zu welchem Preis, aber offenbar machen die Minen dabei Verluste. Sie haben die besten Anwälte und Buchhalter der Welt. Sie machen, was sie wollen [...]“.

Quelle und der ganze Artikel auf:
http://www.fluter.de/de/117/heft/11143/

bislang ist es nur um geld und diebstahl gegangen.

doch der nächste schritt MUSS sich um tausend/millionenfachen mord drehen!

ich spreche von den unzähligen milliarden an blutgeld, das (nicht nur) in schweizer tresoren liegt.
ohne sicheren hafen für dieses geld könnte noch so manches opfer von diktatoren, warlords und ähnlichem abschaum am leben sein!

doch hier kann ich keinerlei bewegung erkennen: die lobby für ermordete ist halt nicht so stark wie die der bestohlenen...

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helvetier


...und wo ist der Kommentar des "helvetier" in diesem Forum- dem Beschützer der schweizer Geldmafia?

Würde mich interessieren welche Floskeln er diesmal von sich gibt zur Verteidigung der sauberen schweizer Banken.
Es dürfte ihm die Rede verschlagen haben.

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Re: helvetier

das haben Sie jetzt davon, zum Dank hat er wieder jede Menge Löcher in den Käse gebohrt.

Re: helvetier

Teil I

Besten Dank für Ihr Interesse an meiner Person ;-)

Nun, zuerst einmal - um das in Ihren Augen wohl Wichtigste vorweg klar zu stellen - Folgendes: Falls Sie jemals das Gefühl gehabt haben sollten, dass ich die aktive und bewusste (!) Verwaltung von ausländischem Schwarzgeld befürworte, so hätten Sie falsch gelegen. Das tue ich selbstverständlich nicht. Dasselbe gilt im Übrigen (nachweislich) auch in Bezugnahme auf die Mehrheit der schweizerischen Stimm- und Wahlbürger.

Ganz generell stehe ich (nicht nur in dieser Sache) für eine gewisse Sachlichkeit, sowie Genauigkeit und einen nötigen Realitätsbezug ein. Es werden zu viele Halbwahrheiten und Ungenauigkeiten herumgeboten, die ich - soweit ich das nötige Wissen und die erforderlichen Informationen dazu habe - richtig stellen möchte. Denn nur so ist es möglich, vorhandene Probleme und Unzulänglichkeiten einer möglichen Lösung zuzuführen. Ein Beispiel wäre im Übrigen im obigen Artikel zu finden: Die UBS wird als mögliches "Opfer" der US-Justiz identifiziert. Dies ist falsch. Die UBS hat bereits vor einiger Zeit einen in den USA üblichen (jedoch durchaus fragwürdigen) "Deal" abgeschlossen.

Der "Fall Wegelin" ist ein sehr spezieller, interessanter Fall. Vielleicht nur soviel: Dass die Bank die gesamte schweizerische Finanzindustrie anschwärzt, dürfte (auch) taktische Gründe haben. So wird u.a. spekuliert, dass die Busse für die Bank - und insbesondere und letztlich für deren Teilhaber (Hummler und Bruderer), denn(...)

Re: Re: helvetier

Teil II

diese haften persönlich - durch dieses "Geständnis" geringer ausgefallen sein dürfte.

Es darf wohl mit guten Gründen angenommen werden, dass nicht die gesamte (!) schweizerische Bankenbranche dem Geschäftsmodell "ausländische Schwarzgeldverwaltung" gefrönt hat. Denn die Mehrheit der verwalteten Vermögen stammt von "inländischen Kunden", also Kunden, die in der CH ihren rechtlichen Wohnsitz aufweisen. Viele Banken sind (nachweislich) nicht im sogenannten "off-shore-Geschäft" tätig. Diese erstgenannten Gelder können jedoch per definitionem keine ausländischen, unversteuerten Gelder aufweisen (Ausnahme: US-Staatsbürger, die nach wie vor auch in den USA steuerpflichtig bleiben, sowie andere ausländische Staatsbürger, die bereits vor der Wohnsitzverlegung in die CH ein Konto in der CH hatten).

Dass international tätige Institute ein ausgeprägtes Geschäftsmodell der Schwarzgeldverwaltung verfolgten, steht dabei ausser Zweifel.

Erwähnt bleiben muss, dass die politische Elite in den USA und in Brüssel ein falsches Spiel spielen: Ihnen geht es keineswegs um die Steuergerechtigkeit an und für sich, denn sonst müssten gerade auch "Steuerparadiese" auf ihrem ureigenen Territorium ebenso forsch auf den "richtigen Weg" gebracht werden.

Ihre Meinung wäre interessant.

Allenfalls lesenswert und informativ:

http://www.handelszeitung.ch/management/offshore-gelder-jaeger-der-milliarden

http://www.20min.ch/finance/dossier/bankgeheimnis/story/13211476

Mit freundlichen Grüssen

Re: Re: Re: helvetier

Exzellenter Konter, danke für die sachliche Darstellung.

Kann als Vorbild für Postingkultur angesehen werden.

Re: Re: Re: Re: helvetier

Unterschreibe ich ohne Einschränkung!

0 13

Beeindruckend, Ihre Anspruchslosigkeit.


2 25

Re: helvetier

Mir tut er auch leid!

2 8

richtig, die Schweiz ist (finanziell) u.a. groß geworden .....

..... weil sie willfähriger Partner beim "Steuersparen" ist. Und das schon lange. Dabei hat das dortige Bankensystem durchaus auch von "Nebenwirkungen" profitiert.

Beisielsweise hat mein Urgroßvater einen Großteil seines flüssigen Vermögens in der Schweiz anonym "hinterlegt".
Blöderweise ist er kurz darauf gestorben ohne zu hinterlassen wo die Marie genau liegt.
das tut sie heute noch ?

2 8

Re: richtig, die Schweiz ist (finanziell) u.a. groß geworden .....

sollte heißen: irgendeine Bank oder der Staat selbst haben das inzwischen kassiert.....
wie sagten schon die Römer ? Geld stinkt nicht, ganz besonders nicht in der Schweiz ....

0 8

Re: richtig, die Schweiz ist (finanziell) u.a. groß geworden .....

Hoppala, technischer Fehler .....

Statt dem "?" gehört ein"!" mit Ergänzung "und irgend

Gut

Gut, dass endlich ein Staat das "Steuerbetrugs-System Schweiz" angeht und es sich nicht mehr bieten lässt! Offen sichtlich war es das System der schweizer Banken, Staatsbürger verschiedenster Länder beim Steuerbetrug zu unterstützen.

Ich hoffe, da kommen noch andere schweizer Banken in die Zange der US-Justiz!

Und weiters hoffe ich, dass es Banken anderer Steuer-Schurken-Staaten ebenfalls bald an den Kragen geht!!! Von Seiten aller betrogenen Staaten!! Steuerbetrug ist und bleibt Betrug und muss verfolgt und geahndet werden!! Das ist zumindest meine Meinung.

Re: Gut

Mara Brandt oder Róża Luksemburg.
Der Vergleich macht sie sicher.

Österreichs Banken und Politik

haben sich da genauso wie die Schweiz verhalten. Wir sitzen im Glashaus und sollten deswegen nicht mit Steinen werfen.

Re: Österreichs Banken und Politik

oh ja, laßt uns ruhig mit Steinen werfen - vielleicht trifft es ganz nebenbei und zumindest von mir sehr gewünscht, auch unser Glashaus

wäre schön wenn diese Glashäuser endlich einstürzen würden

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auch wenn sich die Echt-,Hilfs-, Möchtegern-

und sonstigen Schweizer noch so aufblasen, die USA werden dieses Problem für uns mit lösen,
die Deutschen sind auch schon auf dem Weg.
So wird dann auch das Fekter-Gemauschel sich selbst erledigen.

strafrechtlich nicht relevant

das erkläre der kleine Mann von der Strasse den Finanzamt
aber jetzt kommt ja eine neue Partei ins Land,mit Steuerwohnsitz in der Schweiz
strafrechtlich nicht relevant können wir dann alle ein wenig hinterziehen

In einem Wegelin Brief

wurde das Steuerverständnis der US Behörden gut beschrieben: Es zählt die Staatsbürgerschaft (und nicht der gewöhnliche Aufenthalt) eines US Bürgers für die Steuerpflicht. Für Verfänglichkeiten iS des US Steuerrechts (zb Erbschaften) genügt es, wenn IS Wertpapiere über irgendein Konto gezogen werden. Dann besteht bereits MELDEPFLICHT an die US Fiskalbehörde, egal wem dieses Depot zugerechnet wird. Verstöße= STRAFE als Steuerhinterzieher.

tja

Die Gier bringt einen um.

Re: tja

RIP IRS

12 23

welche schweizer bank ist nicht schuldig

die schweiz gehört ohnehin als ganzes angeklagt

Der FRanken wird dadurch längerfristig an Wert verlieren- gut für alle, die noch einen Frankenkredit haben !

Ich hab meinen Freunden mit solchen Krediten immer geraten, sich von ihren Banken nicht voreilig zu einem Wechsel in Euro überreden zu lassen- jetzt zeigt sich, dass ich recht hatte ! Der Kurs wird sich nicht von heute auf morgen ändern, jedoch mittelfristig schon- denn viele werden jetzt ihr Schwarzgeld aus der Schweiz abziehen und woanders einlegen.

 
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