'Lebenswerk verspielt': Älteste Schweizer Bank sperrt zu

Das 1741 gegründete Schweizer Bankhaus Wegelin hat sich der Beihilfe zur Steuerflucht schuldig bekannt und wird nun liquidiert.

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(c) EPA (ENNIO LEANZA)

"Ein Lebenswerk verspielt", kommentiert die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) den Niedergang der Schweizer Traditionsbank Wegelin: Das 1741 gegründete älteste Bankhaus des Landes gibt seine Geschäfte auf und wird liquidiert. Bereits im Jänner 2012 hatte Wegelin in Folge des Rechtsstreits mit den US-Justizbehörden den größten Teil des Geschäfts an die Schweizer Raiffeisenbank verkauft. Nun wird auch der letzte, unbelastete Teil der Bank an die Raiffeisen-Gruppe abgestoßen.

Die US-Behörden hatten Wegelin-Mitarbeitern vorgeworfen, amerikanische Kunden von der Großbank UBS übernommen zu haben, als gegen diese bereits wegen des Verdachts auf Beihilfe zu Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Die Bank habe ihnen Schutz vor der amerikanischen Steuerbehörde IRS versprochen, hieß es in der Anklageschrift gegen drei Wegelin-Mitarbeiter. Die Männer sollen reichen US-Steuersündern geholfen haben, über 1,2 Milliarden Dollar (913 Mio. Euro) vor den Steuerbehörden zu verbergen. Am Donnerstag bekannte sich die Bank vor Gericht schuldig. Eine Einigung wurde erzielt. Knapp 74 Millionen Dollar muss die Bank laut "NZZ" an die USA zahlen und die Daten von amerikanischen Kunden weiter aufbewahren. Im Gegenzug wird das Strafverfahren eingestellt.

Weitere zehn Schweizer Banken im Visier

"Geradezu tragisch mutet an, dass das Offshore-Geschäft mit amerikanischen Kunden, das den Untergang der Bank besiegelt hat, nie von strategischer Bedeutung war", heißt es im NZZ-Kommentar. 2010 machten die verwalteten Vermögen von US-Offshore-Kunden weniger als fünf Prozent der von Wegelin betreuten Gelder aus. Die der US-Finanz entgangenen Steuereinnahmen dürften rund 20 Millionen Dollar betragen haben. "Die Bank hat für einen Pappenstiel ihre Existenz verspielt", so die NZZ. Der Schluss: Die Bankeigner hätten zwar nicht Schweizer Recht verletzt, aber Fähigkeit der kleinen Schweiz überschätzt, "sich gegen eine Kanonenbootpolitik der USA zu verteidigen".

Neben Wegelin haben die Amerikaner übrigens weitere zehn Schweizer Banken im Visier - darunter Credit Suisse und Julius Bär sowie die Kantonalbanken von Zürich und Basel. Die Aktionen gegen Schweizer Banken begannen 2007 mit einer Untersuchung gegen die UBS. Dieses Verfahren, in das sich dann auch die Schweizer Regierung einschalten musste, endete damit, dass die UBS 780 Millionen Dollar Strafe zahlte und mit dem Segen der Schweizer Behörden die Namen von 4450 US-Kunden herausgab. Andere Schweizer Banken, darunter auch Wegelin, übernahmen dann von UBS amerikanische Kunden.

Erst im Vorjahr kam die älteste Bank der Welt in die Schlagzeilen: Der italienische Staat musst nun der toskanischen "Banca Monte dei Paschi di Siena" unter die Arme greifen (mehr dazu ...).

(Red./APA)

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