Eröffnung des Berliner Flughafens wieder verschoben

Erneut sind Probleme mit dem Brandschutzplan die Ursache für eine Verschiebung der Eröffnung.

Flughafen Berlin
Schließen
Flughafen Berlin
Flughafen Berlin – (c) Dapd (Berthold Stadler)

Die Eröffnung des neuen deutschen Hauptstadt-Großflughafens muss nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg erneut verschoben werden und wird sich mindestens bis in das Jahr 2014 verzögern. "Es wird in diesem Jahr keinen Eröffnungstermin geben", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagabend von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person. Ein neuer Termin sei noch offen. Zuletzt war die mehrmals verschobene Eröffnung für den 27. Oktober 2013 geplant gewesen. Die "Bild"-Zeitung berichtete, die Flughafenbetreiber hätten die Gesellschafter bereits am 18. Dezember informiert, dass eine Eröffnung aufgrund massiver Baufehler nicht vor dem Jahr 2014 möglich sei.

Gesellschafter des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg und zu einem kleineren Anteil der Bund. Weder Sprecher des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit noch des Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (beide SPD) waren am Abend für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch der Sprecher der Flughafengesellschaft reagierte nicht.

Interner Vermerk über "Terminabsage"

Die "Bild"-Zeitung berief sich auf einen internen Vermerk einer am Bau des Flughafens beteiligten Firma. Die Flughafengesellschaft "informierte am 18. Dezember 2012 die Gesellschafter und die anwesenden Firmenvertreter (...) über die Terminabsage", zitierte das Blatt aus dem Vermerk. Bei der vertraulichen Besprechung im Besucherzentrum in Schönefeld habe Technik-Chef Horst Amann eine Eröffnung 2013 ausgeschlossen. Hauptproblem sei, dass beim Brandschutz abweichend von der Baugenehmigung gebaut wurde.

Fachleute hatten seit längerem Zweifel, dass der 27. Oktober als Eröffnungsdatum für den Berliner Flughafen gehalten werden kann. Vor kurzem zog auch der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Zweifel, dass der Flughafen im Oktober seinen Betrieb aufnehmen kann.

Medienberichten zufolge soll der Airport statt ursprünglich 2,8 mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten. Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt, die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.

"Wird nicht mit 100 Prozent gearbeitet"

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses zum Flughafenbau, Martin Delius (Piratenpartei), kritisierte die Informationspolitik der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg scharf: "Dass wir aus der Boulevardpresse erfahren müssen, dass der Eröffnungstermin 2013 eventuell nicht zu halten sein wird, ist eine Frechheit", sagte Delius "heute.de". "Wir alle hätten erwarten dürfen, noch im vergangenen Jahr darüber informiert zu werden." Dass eine Eröffnung 2013 unrealistisch sei, habe sich bereits seit Wochen abgezeichnet, ergänzte Delius. "Im Moment wird noch immer nicht mit 100 Prozent an der Baustelle gearbeitet."

Die Grünen im Abgeordnetenhaus wollen noch in dieser Woche eine Sondersitzung des Abgeordnetenhauses beantragen und einen Misstrauensantrag gegen Wowereit stellen. Das kündigte Fraktionschefin Ramona Pop am Sonntagabend an. Wowereit soll nach Informationen der "Bild"-Zeitung Ende November der Berliner SPD seinen Rücktritt angeboten haben, falls der Flughafen-Start 2013 platzt.

In Brandenburg forderte CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski indirekt den Rücktritt von Ministerpräsident Platzeck. "Der Ministerpräsident hat nicht nur als Aufsichtsrat, sondern auch als Regierungschef unverantwortlich und fahrlässig gehandelt. Er wird beiden Aufgaben nicht gerecht", sagte Dombrowski in der Fernsehsendung "rbb aktuell".

Brandschutzanlage als Ursache

Der Eröffnungstermin wurde wegen der komplexe Brandschutzanlage, die nicht rechtzeitig fertig wurde und bis heute nicht funktioniert, dreimal um insgesamt zwei Jahre verschoben. Der neue Flughafen soll die alten Airports in Tegel und Schönefeld ersetzen.

(APA/AFP)

Mehr zum Thema:

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.