Berliner Flughafen: Wowereit geht als Aufsichtsratschef

Der Grüne Jürgen Trittin kritisiert Berlins Bürgermeister Wowereit scharf. Dieser tritt aus dem Aufsichtsrat der Flughafenbetreibergesellschaft zurück.

Flughafen Gruene orten wurstige
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Flughafen Gruene orten wurstige
Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) – (c) AP (MARKUS SCHREIBER)

Die deutschen Grünen haben Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wegen der erneuten Terminprobleme beim Hauptstadtflughafen scharf kritisiert. Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin warf Wowereit in der Nacht zum Montag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter "wurstige Unfähigkeit" vor. "Das war's jetzt, Klaus." Der Eröffnungstermin am 27. Oktober dieses Jahres ist Aufsichtsratskreisen zufolge gescheitert. Der Start des Großflughafens ist demnach frühestens im Jahr 2014 möglich.

Paukenschlag dann am Montagnachmittag: Wowereit gibt angesichts des Debakels um den Hauptstadtflughafen den Aufsichtsratsvorsitz der Betreibergesellschaft ab. "Der Aufsichtsratsvorsitz soll künftig von Brandenburger Seite wahrgenommen werden", teilte das Presse- und Informationsamt Berlin am Montag mit.

"Riesiger Schaden für die Stadt"

Auch die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop warf dem Regierenden Bürgermeister Versagen vor. "Es ist ein riesiger Schaden für die Stadt", sagte sie am Sonntagabend dem Sender rbb. Sie sei fassungslos, dass die Verschiebung offensichtlich mindestens seit Ende Dezember bekannt gewesen sei. Wowereit sei in den Weihnachtsurlaub gefahren und habe alle in Unkenntnis gelassen. "Wenn das tatsächlich stimmt, wird es natürlich Konsequenzen haben", betonte Pop.

Die Grünen würden eine Sondersitzung des Abgeordnetenhauses beantragen und einen Misstrauensantrag einbringen. "Ich bin wirklich sehr gespannt, wer aus der SPD oder aus der CDU noch für Klaus Wowereit stimmen wird und ihm das Vertrauen aussprechen kann", sagte die Grünen-Politikerin.

Krisentreffen

Nachdem am Sonntag bekannt wurde, das der Eröffnungstermin nicht zu halten ist, wollten sich die Spitzen der drei Flughafen-Gesellschafter am Montag treffen. Das teilte der brandenburgische Regierungssprecher Thomas Braune in Potsdam mit.

Die Auswirkungen auf den Flugbetrieb und für die Passagiere sind vorerst ungewiss. Die "Niki"-Mutter Air Berlin und die AUA-Mutter Lufthansa als größte Kunden des Flughafens äußerten sich zunächst nicht. "Wir haben noch keine offizielle Information bekommen", sagte ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage am Montag. Wegen der abermaligen Verschiebung dürften die beiden bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld noch länger als Übergangslösung genutzt werden. Vor allem der größte Standort Tegel arbeitet bereits an der Grenze seiner Kapazität.

Eröffnung bisher drei Mal verschoben

Der Eröffnungstermin für den Flughafen wurde bisher dreimal um insgesamt zwei Jahre verschoben. Grund ist die komplexe Brandschutzanlage, die bis heute nicht funktioniert. Der Airport wird nach jüngster Kalkulation mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten, mehr als doppelt so viel wie anfangs angegeben.

(APA/Reuters)

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