Neuer Air-Berlin-Chef aus Österreich

07.01.2013 | 16:38 |   (Die Presse)

Wolfgang Prock-Schauer löst den glücklosen Hartmut Mehdorn als Chef der hoch defizitären Air Berlin ab. Die Sanierung der defizitären deutschen Fluglinie ist nicht die erste heikle Aufgabe des Airline-Experten.

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Berlin/Wien/Eid. Langweilig wird ihm nicht werden, aber ruhige Jobs waren ohnedies nie das Faible von Wolfgang Prock-Schauer. In seiner 30-jährigen Karriere in der Luftfahrt habe er 20 Jahre mit Krisen und deren Bewältigung zu tun gehabt, sagte der Österreicher, als er im Dezember 2009 die Führung der schwer angeschlagenen Lufthansa-Tochter BMI übernahm. Jetzt wagt der 56-jährige Österreicher als Chef der hoch defizitären Air Berlin ein nicht weniger heikles Himmelfahrtskommando.

Die Restrukturierung der britischen Regionalfluglinie BMI scheiterte zwar (die Lufthansa verkaufte BMI wieder), die Saniererqualitäten von Prock-Schauer sind in der Branche aber unbestritten – und die wird der Vater von drei Kindern bei der zweitgrößten deutschen Fluglinie auch dringend brauchen. Die zuletzt von Ex-Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn geführte Fluglinie geriet durch rasche Expansion und die Wirtschaftskrise ins Trudeln.

Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold hatte Konkurrenten wie die Deutsche British Airways (DBA), die LTU und die österreichische Niki erworben, wobei Niki Laudas Billigfluglinie immer schwarze Zahlen schrieb. Lauda hat seine restlichen Anteile Ende 2011 verkauft, vor wenigen Tagen hat er auch sein Aufsichtsratsmandat bei Air Berlin zurückgelegt.

Mehdorn leitete einen harten Sparkurs ein und holte Ende 2011 die Golf-Airline Etihad als finanzstarken Partner an Bord. Auch der Beitritt zum Flugbündnis Oneworld soll die Position verbessern. Die Araber butterten bisher 250 Mio. Euro zu – das Geld, so hieß es zuletzt, sei nahezu aufgebraucht. Zuletzt schrieb Air Berlin 2007 Gewinne. 2011 fiel ein Verlust von 272 Mio. Euro an. Die Schulden liegen bei rund 800 Mio. Euro.

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Hart in der Sache

Prock-Schauer, der erst im Herbst als Strategiechef zu Air Berlin gestoßen war, schrecken heikle Missionen nicht. Geduldig, verbindlich, aber hart in der Sache – mit dieser Vorgehensweise, so bescheinigen ihm Mitbewerber, habe sich der Absolvent der Wirtschaftsuniversität als Mann für schwierige Fälle einen Namen gemacht.

Begonnen hat alles 1981 bei der AUA – fast logisch für einen Österreicher. Zehn Jahre später rückte Prock-Schauer in die zweite Managementebene auf. Dort war er unter anderem für die Integration der übernommenen Lauda Air und den Beitritt zum Luftfahrtbündnis Star Alliance zuständig und verantwortete auch die Bereiche Netzmanagement, Allianzen und die Langzeitplanung. Den kritischen Geist verlor Prock-Schauer trotz der langen Zugehörigkeit zur AUA nie, weshalb er 2002 ging.
Einmal versuchte er die Rückkehr: Als er sich 2005 um den AUA-Chefsessel (als Nachfolger von Vagn Sørensen) bewarb, hielt man sein Konzept zwar für zielführend, um die AUA in die Gewinnzone zurückzuführen –  aber auch als zu radikal. Den Job bekam bekanntlich Alfred Ötsch.

Enttäuschung in Indien

Ärger über die Entscheidung gegen ihn lag Prock-Schauer fern – eher amüsierte sie ihn. Außerdem hatte er zwei Jahre zuvor eine viel spannendere Aufgabe übernommen. Der indische Milliardär Naresh Goyal holte den Österreicher zu seiner Jet Airways. Prock-Schauer baute die junge Fluglinie auf und aus, gründete eine Pilotenschule und machte Goyal beim erfolgreichen Börsengang noch reicher. Als der Boom der indischen Luftfahrt infolge zu vieler neuer Gesellschaften im Land und der weltweiten Finanzkrise 2008/09 jäh endete, riss der Steigflug. Den von Prock-Schauer eingeleiteten Sparkurs mit Personalabbau und Streichen von Interkontinentalstrecken goutierte sein Eigentümer ganz und gar nicht. Die Schulden wuchsen ebenso schnell wie die Unstimmigkeiten. Bis Prock-Schauer die Konsequenzen zog und im Dezember 2009 zu BMI wechselte.

Bei Air Berlin hat er mit Etihad zwar auch einen eigenwilligen Miteigentümer – aber vor allem muss er den enttäuschten Aktionären wieder eine positive Perspektive vermitteln. Das geht nur mit schwarzen Zahlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2013)

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11 Kommentare

Air Berlin

ist nicht der Schwechater und auch nicht der Berliner Flughafen. Dort zahlt die öffentliche Hand und Priorität war nicht professionelles Management.

Air Berlin ist eine Fluggesellschaft wie die AUA nur nicht mit so viel altem Ballast überfrachtet, weil schon immer privat. Sie musste immer schon professionell geführt werden, Aktionäre wollen ihr Erspartes nicht verlieren.

Wie ist denn die Erfolgsstatistik ...

... des werten Herrn ...


so

kasperlesk Niki Lauda wirkt. Er bringt sich jedenfalls immer rechtzeitig ins trockene bevor das Unwetter hereinbricht. Ist auch eine wichtige Gabe die nicht jeder hat.

Kompletter Planfehler

Wenn ich dieses Projekt übernehme dann muss ich von Anfang an alle Baupläne wissen in der Not ziehe ich noch Fachmänner vom Bau hinzu. Ich will wissen was falsch ist und was geht noch.
Da brauche ich keinen Politiker. Dann kann ich gleich Petzner,Feigmann, Spindelegger und Strache,Amon, Schotter-Mizzi einstellen die von Tuten und b....en keine Ahnung haben.
Strasser wäre bei mir bei der Security, war ein schlechter Witz, Sorry.

Re: Kompletter Planfehler

Ahh... sie sind also ein waschechter Ösi! Die vertrauen auch immer auf "Experten". Das Schlagwort bei GenossInnen. Ohne "Experten" geht nix.

Der Nächste

Wer bezahlt das eigentlich alles?
Nebenbei will ich einmal die Pläne sehen. Wowereit hat doch keine Ahnung.
Hier liegt doch eindeutig ein Bau Pfusch vor, angefangen vom Architekt bis zum kleinsten Subunternehmer der nur Hungerlöhne bezahlt.
Am besten wäre diesen Flughafen planieren und wieder neu aufbauen.

Schon seltsam

Da haben Menschen jahrelang in ihrem Job völlige Inkompetenz und Unfähigkeit bewiesen und trotzdem bekommen sie einen hochbezahlten Job zugeschoben. Erst hat er kräftig die AUA mitruiniert, dann hat er eine Lufthansa-Tochter endgültig kaputt gemacht. Es ist doch nichts so stabil wie die Seilschaften im oberen Management.

Re: Schon seltsam

bei Fluggesellschaften hat, sofern nicht in öffentlicher Hand, niemand was zu verschenken. Versorgungsposten für Politiker oder sonstige Günstlinge sind in diesem hart umkämpften Markt ausgeschlossen.

In den Führungspositionen zählt einzig Qualifikation und Leistung. Alles andere ist Unsinn.

Re: Schon seltsam, wer jetzt auf einmal die Verantwortung umgehängt bekommt ...

... denn für den Ruin der AUA waren schon die Betriebsräte, also die Gewerkschaft, verantwortlich, und niemand sonst!
Die hochbezahlten Piloten haben ihre Privilegien mit allen Mitteln verteidigt, dafür waren sie auch bereit, die AUA an die Wand zu fliegen.

Re: Re: Schon seltsam, wer jetzt auf einmal die Verantwortung umgehängt bekommt ...

soso

Das Management macht also überhaupt keine Fehler.
Wenn Hunderte Millionen sinnlos verbrannt werden sind also Pilotengehälter schuld.

Gehens bitte in irgendeine Firma ins oberste Management. Mit ihrer Einstellung schaffens es bestimmt bis zum CEO.

Re: Re: Re: Schon seltsam, wer jetzt auf einmal die Verantwortung umgehängt bekommt ...

Die höchsten Gehälter bezogen einst die Swiss Air Piloten. Sie waren praktisch unkündbar, der Arbeitgeber hatte keine Chance.

Dem Fluggast ist es egal ob der Pilot monatlich € 20.000 oder nur € 10.000 verdient, er wählt schamlos den für ihn günstigsten Preis.

Und (das) recht hat er !

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