Euro über 1,34 Dollar: "Stimmung in Eurozone besser"

14.01.2013 | 14:12 |   (DiePresse.com)

Seit EZB-Chef Draghi sich optimistisch gezeigt hat, ist der Euro kaum noch zu bremsen. Der Euro klettert zu Wochenbeginn auf ein Elf-Monats-Hoch.

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Der Euro erfreut sich bei internationalen Investoren wieder größerer Beliebtheit. Seit EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Donnerstag einen optimistischeren Ton zur konjunkturellen Entwicklung angeschlagen hat, ist die Gemeinschaftswährung kaum noch zu bremsen. Hatte die Schuldenkrise in vielen Euroländern die Gemeinschaftswährung Mitte 2012 noch auf 1,20 Dollar gedrückt, kostet sie mittlerweile 14 Cent mehr. Am Montag stieg der Euro auf über 1,34 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Februar vergangenen Jahres. "Die Stimmung in der Eurozone ist besser geworden", schrieben die Experten der BNP Paribas in einem Kommentar. Beobachter erklären die Entwicklung vor allem mit einem Abflauen der europäischen Schuldenkrise.

Noch vor etwa einem halben Jahr sah es für den Euro alles andere als gut aus. Die hohe Verschuldung zahlreicher Staaten im Währungsraum, gepaart mit einer unzureichenden Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, hatte die Gemeinschaftswährung stark belastet und auf ein Zweijahrestief gedrückt. Nicht wenige Marktteilnehmer, in erster Linie Hedgefonds aus den USA und Großbritannien, setzten hohe Beträge auf ein Auseinanderfallen des Euroraums. Diesen Wetten setzte die Europäische ZentralbankEnde Juli ein jähes Ende. In seiner fast schon legendären Rede von London versicherte EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank werde alles tun, um die gemeinsame Währung zu erhalten.

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"Wette nie gegen eine Notenbank"

Diese Worte stellten den Beginn der Euro-Wende dar. Anfang September ließ die EZB dann auch Taten folgen. Sie verkündete ihr Anleihekaufprogramm OMT, mit dem sie notfalls unbegrenzt - allerdings mit Auflagen - Staatsanleihen krisengeschwächter Eurostaaten kaufen will. Seither ist klar: Die EZB wird ein Auseinanderbrechen des Währungsraums nicht tolerieren. Und da Zentralbanken mit der Notenpresse über eine quasi unbezwingbare Waffe verfügen, lautet eine Goldene Regel von Finanzinvestoren: "Wette nie gegen eine Notenbank". Der Sinkflug des Euro war gebrochen.

Klar ist auf der anderen Seite aber auch: An den Finanzmärkten mag das Schlimmste überwunden sein. Wirtschaftlich und fiskalisch ist die Krise aber alles andere als ausgestanden. Das erkennt auch EZB-Chef Draghi an - im Gegensatz zu einigen Vertretern der europäischen Politik, die mitunter voreilig von einem Ende der Schuldenkrise sprechen. Bankenvolkswirte fordern deshalb gebetsmühlenartig, angestoßene Reformen müssten ebenso fortgeführt werden wie die eingeschlagene Konsolidierung der Haushalte. Zudem gilt: Das Bankensystem des Währungsraums ist alles andere als über den Berg.

Gute Laune nur kurzfristig?

Dass der Euro in der Anlegergunst dennoch weiter zulegt, liegt nicht zuletzt an der Schwäche anderer Währungen. Auch hier spielt die Geldpolitik der Notenbanken eine große Rolle. So sorgt insbesondere die anhaltende Geldschwemme der US-Notenbank Federal Reserve dafür, dass der US-Dollar unter Druck bleibt. Zwar hatte die Fed unlängst durchblicken lassen, mit einem Ende ihrer milliardenschweren Anleihekäufe zu liebäugeln. Ausgemacht ist ein schnelles Ende aber keineswegs. Schließlich sind sich ranghohe Fed-Mitglieder in dieser Frage alles andere als einig.

Ob der Euro seinen Aufwärtskurs fortsetzen wird, ist unter Beobachtern strittig. Die US-Investmentbank Goldman Sachs gibt sich zuversichtlich. Sie sprach unlängst eine Kaufempfehlung für die Gemeinschaftswährung aus, was dem Euro zusätzlichen Auftrieb verlieh. Zurückhaltender sind etwa die Devisenexperten der Commerzbank, die insbesondere auf die konjunkturelle Schwäche im Euroraum verweisen. Der EZB-Effekt dürfte schnell verpuffen und von der Datenseite sei derzeit kaum mit positiven Meldungen aus der Eurozone zu rechnen, so die Commerzbank.

Noch immer im Konjunkturtal

Für Enttäuschung sorgten am Montag bereits die Produktionsdaten der italienischen Industrie. Der gesamte Ausstoß im Verarbeitenden Gewerbe sank um ein Prozent zum Oktober. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Tatsächlich befinden sich zahlreiche Volkswirtschaften Europas immer noch im Konjunkturtal, große Länder wie Spanien oder Italien stecken in einer tiefen Rezession. Ob der Währungsraum 2013 konjunkturell die Wende schafft, dürfte ein entscheidender Faktor für den Weg des Euro sein.

 

(c) APA

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(APA/Reuters)

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16 Kommentare

Mario Draghi, Mann des Jahres 2012

... nach Meinung einer deutschen Qualitätszeitung - und nicht nur dieser.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/ezb-praesident-mario-draghi-mann-des-jahres-12003096.html

Finanzielle Repression

Was viele diePresse-Kommentatoren übersehen ist das die Staatsschulden sehr wohl reduziert wurden und zwar durch gewollte Inflation. Und es wird so weiter gehen!

Siehe Presse-Artikel:

http://diepresse.com/home/meingeld/sparprodukte/1332196/Die-Enteignung-der-Sparer-hat-begonnen?_vl_backlink=/home/index.do

der gestiegene Euro / Dollar Kurs ....

.... hat nicht viel zu bedeuten. die fundamentalen Daten / Probleme der Wirtschaft und der Staaten haben sich nicht geändert. es ist das gleiche wie mit den steigenden Aktien Kursen. keiner kann mir erklären warum? die Auftragslage sinkt seit Monaten, die Arbeitslosigkeit steigt, der BIP sinkt, .... Also warum steigen die Kurse? weil nur alles schön geredet wird?

Re: der gestiegene Euro / Dollar Kurs ....

2 Ursachen:

a) Weil es mittlerweile eine Enteignungsklausel bei Staatsanleihen aus dem Euro-Raum gibt.

http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/wirtschaftskommentare/1330490/Die-ganz-legale-Enteignung

Etwas detaillierter: selber googeln.

D.h. .. Cash statt Bonds wird gehalten

b) Yen-Carrytrade

Nach der aktuellen Geldschwemme der BoJ mit einem Zinssatz von 0,1% wollen ganz viele Yen angelegt werden und die EZB bietet mit einem Zinssatz von 0,75% halt mehr als die FED mit 0,25% (sehr, sehr stark vereinfacht)


1 0

Re: der gestiegene Euro / Dollar Kurs ....

Vielleicht ist das schon die Katastrophenhausse, oder neudeutsch Crack-up-Boom?

Re: der gestiegene Euro / Dollar Kurs ....

Der Bruttoinlandsprodukt?

Alles nur Nörgler..

wir leben in einem Land voller Pessimisten und Skeptiker. ...Oh Gott ist diese Welt schlecht..der Euro stürzt ein und so ein Schwachsinn kann man da lesen. Ein System von Menschen geschaffen, wird ebenso von Menschen erhalten, und von eben den gleichen Menschen verändert. Ob man sich auf der einen oder anderen Seite befindet ist alleine eine Sache der Lebenseinstellung!

Re: Alles nur Nörgler..

McGlandom, Sie sind bei der falschen Zeitung gelandet!

2 1

Re: Alles nur Nörgler..

Stimmt. Obs regnet oder schneit hängt eben ganz alleine vom Wetter ab ... schwafel, schwafel ...

Vielleicht sind die "Nörgler" auch ganz einfach realistisch und lassen sich nicht Sand in die Augen streuen?

Das Fiat-Geldsystem ist, systembedingt, wieder einmal am Ende angelangt. Eine Währungsreform ist eigentlich unausweichlich. Diejenigen die das Geld und somit das Sagen haben, ziehen es aber vor den Konkurs noch ein Weilchen hinauszuzögern. Die immer schneller fortschreitende Verarmung der Bevölkerung wird dabei in Kauf genommen. Solange, bis es ordentlich kracht. Aber auch das ist kein Problem, denn an so einem (Bürger-)Krieg kann wiederum ordentlich verdienen.

"Beobachter erklären die Entwicklung vor allem mit einem Abflauen der europäischen Schuldenkrise."

Was sind das für "Beobachter"? Dürfte sich um Blinde handeln. Nirgendwo in Europa sind die Staatsschulden gesunken. Lediglich der Anstieg wurde mancherorts verlangsamt.

euro stark...

unter den blinden ist der einäugige könig... euro und dollar im sinkflug. euro im moment wieder etwas langsamer.

Wenn in 2 Monaten beschlossen wird dendollar weiter zu "pushen"..

..hat sich das dann erledigt.

11 1

Ein, mit

aberMilliarden gestützter Euro, kann sich gegen einen zur Zeit schwachen Dollar behaupten....und wo ist gier die gute Nachricht?

Zwei Kartenhäuser die ziemlich bald einstüzen dürften.

6 1

Der Euro wird doch nur künstlich ein wenig nach

oben getrieben (Gerüchte, positives Geplapper, Kursmanipulation etc.), damit es beim nächsten Fall nicht zu tief runter geht.

Es ist bereits alles so im Keller,

dass bereits ein wenig Schönreden für aufkeimende Hoffnung sorgt.

Und beim EUR, und auch USD, von einem "Hoch" zu reden ist schon etwas gewagt. Tatsächlich geht's ja bei diesen beiden Währungen seit längerem eher mehr darum, wer schneller oder langsamer fällt (Inflation). Was sich dann halt in den gegenseitigen Währungskursen widerspiegelt.

Re: Es ist bereits alles so im Keller,

Der Euro profitiert vom schwachen Dollar. Der Jubel wird bald verflogen sein und die Kurse dürften dann eher der Wahrheit entsprechen. Solche Spitzen hat es schon oft gegeben und nachher war man dann doch etwas "gescheiter".

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