Euro über 1,34 Dollar: "Stimmung in Eurozone besser"

Seit EZB-Chef Draghi sich optimistisch gezeigt hat, ist der Euro kaum noch zu bremsen. Der Euro klettert zu Wochenbeginn auf ein Elf-Monats-Hoch.

Euro ueber Dollar Stimmung
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Euro ueber Dollar Stimmung
(c) AP (Martin Meissner)

Der Euro erfreut sich bei internationalen Investoren wieder größerer Beliebtheit. Seit EZB-Präsident Mario Draghi vergangenen Donnerstag einen optimistischeren Ton zur konjunkturellen Entwicklung angeschlagen hat, ist die Gemeinschaftswährung kaum noch zu bremsen. Hatte die Schuldenkrise in vielen Euroländern die Gemeinschaftswährung Mitte 2012 noch auf 1,20 Dollar gedrückt, kostet sie mittlerweile 14 Cent mehr. Am Montag stieg der Euro auf über 1,34 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Februar vergangenen Jahres. "Die Stimmung in der Eurozone ist besser geworden", schrieben die Experten der BNP Paribas in einem Kommentar. Beobachter erklären die Entwicklung vor allem mit einem Abflauen der europäischen Schuldenkrise.

Noch vor etwa einem halben Jahr sah es für den Euro alles andere als gut aus. Die hohe Verschuldung zahlreicher Staaten im Währungsraum, gepaart mit einer unzureichenden Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, hatte die Gemeinschaftswährung stark belastet und auf ein Zweijahrestief gedrückt. Nicht wenige Marktteilnehmer, in erster Linie Hedgefonds aus den USA und Großbritannien, setzten hohe Beträge auf ein Auseinanderfallen des Euroraums. Diesen Wetten setzte die Europäische ZentralbankEnde Juli ein jähes Ende. In seiner fast schon legendären Rede von London versicherte EZB-Chef Mario Draghi, die Notenbank werde alles tun, um die gemeinsame Währung zu erhalten.

"Wette nie gegen eine Notenbank"

Diese Worte stellten den Beginn der Euro-Wende dar. Anfang September ließ die EZB dann auch Taten folgen. Sie verkündete ihr Anleihekaufprogramm OMT, mit dem sie notfalls unbegrenzt - allerdings mit Auflagen - Staatsanleihen krisengeschwächter Eurostaaten kaufen will. Seither ist klar: Die EZB wird ein Auseinanderbrechen des Währungsraums nicht tolerieren. Und da Zentralbanken mit der Notenpresse über eine quasi unbezwingbare Waffe verfügen, lautet eine Goldene Regel von Finanzinvestoren: "Wette nie gegen eine Notenbank". Der Sinkflug des Euro war gebrochen.

Klar ist auf der anderen Seite aber auch: An den Finanzmärkten mag das Schlimmste überwunden sein. Wirtschaftlich und fiskalisch ist die Krise aber alles andere als ausgestanden. Das erkennt auch EZB-Chef Draghi an - im Gegensatz zu einigen Vertretern der europäischen Politik, die mitunter voreilig von einem Ende der Schuldenkrise sprechen. Bankenvolkswirte fordern deshalb gebetsmühlenartig, angestoßene Reformen müssten ebenso fortgeführt werden wie die eingeschlagene Konsolidierung der Haushalte. Zudem gilt: Das Bankensystem des Währungsraums ist alles andere als über den Berg.

Gute Laune nur kurzfristig?

Dass der Euro in der Anlegergunst dennoch weiter zulegt, liegt nicht zuletzt an der Schwäche anderer Währungen. Auch hier spielt die Geldpolitik der Notenbanken eine große Rolle. So sorgt insbesondere die anhaltende Geldschwemme der US-Notenbank Federal Reserve dafür, dass der US-Dollar unter Druck bleibt. Zwar hatte die Fed unlängst durchblicken lassen, mit einem Ende ihrer milliardenschweren Anleihekäufe zu liebäugeln. Ausgemacht ist ein schnelles Ende aber keineswegs. Schließlich sind sich ranghohe Fed-Mitglieder in dieser Frage alles andere als einig.

Ob der Euro seinen Aufwärtskurs fortsetzen wird, ist unter Beobachtern strittig. Die US-Investmentbank Goldman Sachs gibt sich zuversichtlich. Sie sprach unlängst eine Kaufempfehlung für die Gemeinschaftswährung aus, was dem Euro zusätzlichen Auftrieb verlieh. Zurückhaltender sind etwa die Devisenexperten der Commerzbank, die insbesondere auf die konjunkturelle Schwäche im Euroraum verweisen. Der EZB-Effekt dürfte schnell verpuffen und von der Datenseite sei derzeit kaum mit positiven Meldungen aus der Eurozone zu rechnen, so die Commerzbank.

Noch immer im Konjunkturtal

Für Enttäuschung sorgten am Montag bereits die Produktionsdaten der italienischen Industrie. Der gesamte Ausstoß im Verarbeitenden Gewerbe sank um ein Prozent zum Oktober. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Tatsächlich befinden sich zahlreiche Volkswirtschaften Europas immer noch im Konjunkturtal, große Länder wie Spanien oder Italien stecken in einer tiefen Rezession. Ob der Währungsraum 2013 konjunkturell die Wende schafft, dürfte ein entscheidender Faktor für den Weg des Euro sein.

 

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(c) APA

(APA/Reuters)

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