Die "Vorständin" auf dem Weg in den Duden

14.01.2013 | 13:13 |   (DiePresse.com)

Immer öfter ziehen Frauen in die Vorstände großer Unternehmen ein. Darauf reagiert nun auch die Duden-Reaktion mit dem Begriff "Vorständin".

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Auf den Einzug der Frauen in die Vorstandsetagen der Konzerne war die deutsche Sprache nicht vorbereitet. In jeder Firma gibt es den Techniker oder die Technikerin, den Personalchef oder die Personalchefin. Für weibliche Vorstände aber fehlten die Worte - obwohl sie längst keine Exotinnen mehr sind. "Frau Vorstand?" "Vorstandsfrau?" "Vorstandsmitglied?". Mit dieser Unsicherheit ist wohl bald Schluss: Der Begriff "Vorständin" ist auf dem Weg in den Duden. "Ich sehe gute Chancen, dass er aufgenommen wird", sagte der Leiter der Duden-Redaktion, Werner Scholze-Stubenrecht, zur Nachrichtenagentur dpa.

Kritikern tritt er gelassen entgegen: "Sprache ist letztlich auch nur Gewohnheit", sagt er. Auch der Begriff "Bundeskanzlerin" sei noch vergleichsweise neu: Das Wort hat es erst in den Duden geschafft, als Angela Merkel bereits für das Amt kandidierte.

Vor wenigen Jahren hat sich die Frage nach der Bezeichnung der weiblichen Vorstände nicht gestellt - weil es sie kaum gab. Inzwischen aber sitzen 15 weibliche Vorstandsmitglieder in DAX-Konzernen. Deren Titulierung stellt Redenschreiber, Moderatoren oder Journalisten vor Probleme.

Brigitte Ederer bleibt vorerst "Vorstand"

Die "Vorständin" kommt in Firmen allerdings auch nicht gut an. "Vom Sprachgefühl zuckt man erstmal zusammen", heißt es bei einem DAX-Konzern. Für Siemens bleibt deshalb erstmal als beim Alten. "Wir orientieren uns an dem normalen Sprachgebrauch", sagt ein Konzernsprecher. Demnach ist Brigitte Ederer Vorstand und nicht "Vorständin".

In den Online-Duden hat es die "Vorständin" aber bereits geschafft und findet mit einiger Wahrscheinlichkeit auch in der nächsten gedruckten Fassung der deutschen Rechtschreib-Bibel ihren Platz - mitsamt dem Begriff für die Mehrzahl "Vorständinnen". Ausschlaggebend für die Entscheidung der Sprach-Spezialisten ist die Nutzung des Begriffs in der Gesellschaft.

Die Duden-Redaktion sieht in ihrer Textsammlung ausreichend Hinweise darauf, dass die "Vorständin" wegen der zunehmenden Zahl der weiblichen Vorstände in Deutschland bereits im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen ist. Einige Firmen oder Institutionen bezeichneten die weiblichen Mitglieder des Gremiums bereits als "Vorständin" - obwohl es den Begriff eigentlich noch nicht gibt. Ursprünglich wurde mit dem Vorstand ein gesamtes Gremium bezeichnet, später auch einzelne Mitglieder daraus, die aber stets männlich waren.

"Ein Wort für Alle - das ist Gleichberechtigung"

Sprachschützer sehen die Überlegungen eher kritisch. "Es muss nicht krampfhaft versucht werden, umgehend neue Wörter für gesellschaftliche Entwicklungen zu finden", sagt der Chefredakteur der Zeitschrift "Deutsche Sprachwelt", Thomas Paulwitz, deren Anliegen ist es, die Sprache zu bewahren. Er sieht in dem Begriff einen Zwang zum Verknappen und hält andere Funktionsbezeichnungen wie "Vorstand für Personal" für besser geeignet. "Ein Wort für Alle - das ist auch Gleichberechtigung", sagt er. Im Vergleich zu einem englischen Begriff hält Paulwitz die "Vorständin" aber noch für das geringere Übel. "Hauptsache, es wird nicht der "Head of Human Resources" aus der Personalchefin."

(APA/dpa)

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21 Kommentare

Wienerisch & höflich wäre

Vorstandeuse.

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Hypernyme

Sind anscheinend verboten.

Die Vorständin auf dem Weg in die Versenkung

wird es wohl eher treffen. Denn irgendwann ist der Femin:az:enspuk vorbei.

2 0

Man kann es auch übertreiben

Solange die Wertschätzung gegenüber dem anderen Geschlecht nicht gegeben ist, wird auch die ganze Genderei nichts helfen.
Sind wir doch froh, dass es ungerschiedliche Geschlechter mit all ihren Vor- und Nachteilen gibt.
Es gibt wesentlich wichtigere Dinge als Wortklaubereien.

Jetzt schlägts aber DREIZEHN!!!

Die sind doch wohl alle nicht mehr ga.. di... !
Herrgott bitte schütze uns vor den rasenden Frauenrechtlerinnen und Emanzen!

21 1

ich warte nur....

... bis radikale weiber eine eigene nudel einfordern !!

Der Begriff "Vorständin" hat es schneller in den Duden geschafft...

...als "Frauenförderquote". Da gibt's derweil nur den charmanten Begriff "Frauenförderung". Witzig.

Die Dudin auf dem Weg in die Vorständin!

Bravo und Innen!

"Mit dieser Unsicherheit ist wohl bald Schluss"

GOTT - SEI - DANK !!!

Ich hab ja auch schon nächtelang über dieses zahlreiche Menschen existentiell quälende Irrsinnsproblem nachgedacht...

(die Eurokrise ist da ja buchstäblich ein Schmarren dagegen)

Wobei jedoch der Sandmann im Kinderfernsehen... :-)...


Sprachzerstörung

Es gibt einen Unterschied zwischen gram­mati­ka­lischem und natürlichem Geschlecht.

Der Genderwahnsinn ist ein reines Politikum und hat weder etwas mit korrekter Sprache noch mit dem Sprachgebrauch außerhalb der Politik und Medien zu tun.

Ich empfehle diesen wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema: http://bit.ly/xuiZbA

Und an alle Befürworter des Genderns: ich bitte euch mir folgende Begriffe korrekt zu gendern:
* Lehrling
* Fußballfan
* Arbeitnehmervertreter

Vielleicht kapiert ihr dann den Blödsinn und die Sackgasse, in die ihr euch verrannt habt.
Danke für die Aufmerksamkeit.

Re: Sprachzerstörung- ein Vorschlag zur Güte

Nach 40 Jahren Intensivfeminismus wäre es endlich an der Zeit, man lässt Frauen auch Unternehmen unterschiedlicher Größe gründen, unterstützt sie vehement dabei.
Dort können sie dann All diese Posten selbst besetzen.
Und es gibt ein paar Sensationen weniger zwar, aber wir könnten uns wieder, ein paar Tage ohne m/w Probleme, in die Matte legen und alle sind zufrieden.
** Oder Lotto spielen und sich ihr Vermögen gemeinsam ansammeln und eine bessere Welt schaffen.
Die anderen Frauen, die selbst Vorstände werden, müssen das nicht auch alles jeden Tag lesen.

Re: Sprachzerstörung

Ich bin selbst gegen diese ganzen Genderg'schichten, aber das ist ja wohl ein leichtes:

Auszubildende
Fußballliebhaberin
Gewerkschafterin

:P

(Weiß schon dass das nicht 100% korrekt ist und mit Sicherheit auch nicht schön!)

Re: Re: Sprachzerstörung

Wenn schon Gendern, dann überall - z.B.
MörderInnen, DiebInnen, VerbrecherInnen usw.

Re: Re: Sprachzerstörung

Es ist nicht korrekt, es ist nicht schön, aber es war leicht? Alles klar. ;)

3 1

Wenn schon dann bitte PC:

VorständinInnen muss es heißen.

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Mehr Führungskräftinnen


Neulich auf Ö1:

Die Moderatorin unterhält sich mit einer Studiogastin und sie einigen sich bald auf die Forderung nach " mehr FührungsKRÄFTINNEN ", - ohne dabei zu bemerken, dass DIE Führungkraft ohnehin weiblich ist!

Re: Mehr Führungskräftinnen

Ohne das geht es nicht.
Die Unternehmens Gurus/Guris schütteln den Kopf welche Zeitverschwendung wir hier betreiben. Die Frankophilen haben es leichter mit dem Endungs-i oder ..selle

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Ergänzungen

Ich bin für die Aufnahme von "Frauer" als Gleichstück zu Mann und "Männin" für Frau

Na endlich, ich habs schon gar nicht mehr erwarten können.....

Dass ich das noch erleben darf! Jetzt müssen dann die Männer noch Kinder bekommen, die heissen dann Männerinnen..... Toll!

Für die Emanzipation des Mannes!

Eine Nebenfront; es ist aber höchste Zeit, dass die Unterdrückung des Mannes (Pensionsrecht, Scheidungsrecht, Wehrdienst usw.) ein Ende findet.

Re: Für die Emanzipation des Mannes!

Mit solchen Nebensächlichkeiten kommen Sie nun?

Zitat: Wilhelmine Tell:
Treffen sich ein Stier und eine Kuh: Kuh sagt zu Stier: ab heute bin ich ein Stier.
Stier antwortet gut, ab heute bin ich eine Kuh.
Ist ja die einfachste Lösung

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