Air Berlin streicht 900 Arbeitsplätze

Die deutsche Fluggesellschaft verschärft ihr Sparprogramm. 400 Millionen Euro sollen eingespart werden. Auch unrentable Strecken werden gestrichen.

Berlin streicht Arbeitsplaetze
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Berlin streicht Arbeitsplaetze
(c) AP (Ronald Zak)

Die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin, Mutter der österreichischen Fluglinie Niki, will im Rahmen ihres Schrumpfkurses jede zehnte Stelle abbauen. Insgesamt sollten rund 900 Arbeitsplätze wegfallen, betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, teilte Air Berlin am Dienstag mit. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien bereits eingeleitet und hätten in den nächsten Monaten höchste Priorität.

Die Österreich-Tochter Niki (flyniki) sei von dem Stellenabbau nicht betroffen hieß es am Dienstagnachmittag aus informierten Kreisen zur APA. Auch werde es über bereits bekannte Maßnahmen hinaus keine Kürzungen des Niki-Streckennetzes geben. noch im November hatte es  seitens Air Berlin geheißen,dass Niki im Rahmen des Sparprogrammes "Turbine" Osteuropaflüge abgeben muss und dafür mehr touristische Ziele, insbesondere in Griechenland, anfliegen wird. Osteuropa soll verstärkt von Berlin aus bedient werden. Zugleich wird Niki bei unverändert 23 Flugzeugen künftig ausschließlich Maschinen von Airbus betreiben, hieß es damals.

Laut heutiger Aussendung von Air Berlin sollen die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf mit ihren Langstreckenverbindungen weiter ausgebaut werden. "Die Flughäfen Wien, Hamburg, München, Zürich und Stuttgart behalten ihre Funktion als Kernstationen innerhalb des Air-Berlin-Streckennetzes".

Übereilte Expansion

Bis Ende 2014 will Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, mit mehreren Maßnahmen insgesamt 400 Millionen Euro einsparen. Ziel sei es, Air Berlin "profitabel und somit nachhaltig zukunftsfähig zu machen." Die Zahl der Flugzeuge soll noch heuer von 158 auf 142 - inklusive einer Reserve von sechs Fliegern - schrumpfen.

Air Berlin befindet sich nach einer übereilten Expansion und hohen Verlusten schon seit einiger Zeit in einer harten Sanierung. Bei Air Berlin ging der Abwärtstrend im Vorjahr weiter: In der Gruppe sank die Passagierzahl von Jänner bis November um 5,4 Prozent auf 31,5 Millionen. Im Berichtsmonat November wurden 2,07 Millionen Passagiere befördert, um 8,4 Prozent weniger als im Jahr davor.

Österreicher soll Air Berlin sanieren

Vorige Woche hatte Airline-Chef Hartmut Mehdorn aber die Flinte ins Korn geworfen und seinen Hut genommen. Unter seiner Leitung war das Streckennetz zusammengestrichen und der Verkauf von überflüssigen Flugzeugen angestoßen worden. Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass der Österreicher Prock-Schauer - der bei der Fluglinie bislang die Streckenplanung verantwortete - den glücklosen Mehdorn als Chef der hoch defizitären Fluglinie ablösen wird. Prock-Schauer gilt als Sanierer, der vor heiklen Missionen nicht zurückschreckt, wie "DiePresse" berichtete. In seiner 30-jährigen Karriere in der Luftfahrt habe er 20 Jahre mit Krisen und deren Bewältigung zu tun gehabt, sagte der Österreicher. Die Restrukturierung der britischen Regionalfluglinie BMI scheiterte aber.

Unter der Leitung des 56-jährigen Österreichers, der erst seit Herbst an Bord von Air Berlin ist, soll das Sparprogramm "Turbine" nun umgesetzt werden. Air Berlin will sich auf seine Kernmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz und profitable Strecken konzentrieren. Die Zahl der Flüge nach Mallorca soll steigen. An anderer Stelle stehen Kürzungen an. "Das auf zwei Jahre angelegte Programm geht über alle Unternehmensbereiche hinweg", hieß es in der Mitteilung. Es schließe auch Beziehungen zu den Geschäftspartnern ein. An der Börse haben sich die Anleger offenbar an Nachrichten zu Sparmaßnahmen bei Air Berlin gewöhnt: Die im Kleinwertesegment SDax gelisteten Aktien lagen 0,6 Prozent im Plus bei 1,71 Euro.

(APA/dpa/Reuters)

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