Air Berlin streicht 900 Arbeitsplätze

15.01.2013 | 12:49 |   (DiePresse.com)

Die deutsche Fluggesellschaft verschärft ihr Sparprogramm. 400 Millionen Euro sollen eingespart werden. Auch unrentable Strecken werden gestrichen.

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Die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin, Mutter der österreichischen Fluglinie Niki, will im Rahmen ihres Schrumpfkurses jede zehnte Stelle abbauen. Insgesamt sollten rund 900 Arbeitsplätze wegfallen, betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, teilte Air Berlin am Dienstag mit. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien bereits eingeleitet und hätten in den nächsten Monaten höchste Priorität.

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Die Österreich-Tochter Niki (flyniki) sei von dem Stellenabbau nicht betroffen hieß es am Dienstagnachmittag aus informierten Kreisen zur APA. Auch werde es über bereits bekannte Maßnahmen hinaus keine Kürzungen des Niki-Streckennetzes geben. noch im November hatte es  seitens Air Berlin geheißen,dass Niki im Rahmen des Sparprogrammes "Turbine" Osteuropaflüge abgeben muss und dafür mehr touristische Ziele, insbesondere in Griechenland, anfliegen wird. Osteuropa soll verstärkt von Berlin aus bedient werden. Zugleich wird Niki bei unverändert 23 Flugzeugen künftig ausschließlich Maschinen von Airbus betreiben, hieß es damals.

Laut heutiger Aussendung von Air Berlin sollen die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf mit ihren Langstreckenverbindungen weiter ausgebaut werden. "Die Flughäfen Wien, Hamburg, München, Zürich und Stuttgart behalten ihre Funktion als Kernstationen innerhalb des Air-Berlin-Streckennetzes".

Übereilte Expansion

Bis Ende 2014 will Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, mit mehreren Maßnahmen insgesamt 400 Millionen Euro einsparen. Ziel sei es, Air Berlin "profitabel und somit nachhaltig zukunftsfähig zu machen." Die Zahl der Flugzeuge soll noch heuer von 158 auf 142 - inklusive einer Reserve von sechs Fliegern - schrumpfen.

Air Berlin befindet sich nach einer übereilten Expansion und hohen Verlusten schon seit einiger Zeit in einer harten Sanierung. Bei Air Berlin ging der Abwärtstrend im Vorjahr weiter: In der Gruppe sank die Passagierzahl von Jänner bis November um 5,4 Prozent auf 31,5 Millionen. Im Berichtsmonat November wurden 2,07 Millionen Passagiere befördert, um 8,4 Prozent weniger als im Jahr davor.

Österreicher soll Air Berlin sanieren

Vorige Woche hatte Airline-Chef Hartmut Mehdorn aber die Flinte ins Korn geworfen und seinen Hut genommen. Unter seiner Leitung war das Streckennetz zusammengestrichen und der Verkauf von überflüssigen Flugzeugen angestoßen worden. Erst vor einer Woche war bekannt geworden, dass der Österreicher Prock-Schauer - der bei der Fluglinie bislang die Streckenplanung verantwortete - den glücklosen Mehdorn als Chef der hoch defizitären Fluglinie ablösen wird. Prock-Schauer gilt als Sanierer, der vor heiklen Missionen nicht zurückschreckt, wie "DiePresse" berichtete. In seiner 30-jährigen Karriere in der Luftfahrt habe er 20 Jahre mit Krisen und deren Bewältigung zu tun gehabt, sagte der Österreicher. Die Restrukturierung der britischen Regionalfluglinie BMI scheiterte aber.

Unter der Leitung des 56-jährigen Österreichers, der erst seit Herbst an Bord von Air Berlin ist, soll das Sparprogramm "Turbine" nun umgesetzt werden. Air Berlin will sich auf seine Kernmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz und profitable Strecken konzentrieren. Die Zahl der Flüge nach Mallorca soll steigen. An anderer Stelle stehen Kürzungen an. "Das auf zwei Jahre angelegte Programm geht über alle Unternehmensbereiche hinweg", hieß es in der Mitteilung. Es schließe auch Beziehungen zu den Geschäftspartnern ein. An der Börse haben sich die Anleger offenbar an Nachrichten zu Sparmaßnahmen bei Air Berlin gewöhnt: Die im Kleinwertesegment SDax gelisteten Aktien lagen 0,6 Prozent im Plus bei 1,71 Euro.

(APA/dpa/Reuters)

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  • Neuer Air-Berlin-Chef aus Österreich

    Wolfgang Prock-Schauer / Bild: (c) Clemens Fabry Wolfgang Prock-Schauer löst den glücklosen Hartmut Mehdorn als Chef der hoch defizitären Air Berlin ab. Die Sanierung der defizitären deutschen Fluglinie ist nicht die erste heikle Aufgabe des Airline-Experten.

  • Air Berlin und Niki mit 8,4 Prozent weniger Passagieren

    Bild: REUTERS Dennoch waren im November die Flugzeuge wegen der elf-prozentigen Rücknahme der Sitzplatzkapazitäten besser ausgelastet. Niki nach liegt nach elf Monaten weiter im Plus, Air Berlin im Minus.

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10 Kommentare

Du meine Güte!

Gut, dass der Wiener Flughafen weiterhin um Pumpmilliarden ausgebaut wird.
Ich hoffe die AUA sperrt auch noch zu.

statt Bordservice

gibt's dann bald Selbstbedienung und die Flugkäste können sich als Piloten ja abwechseln. Macht ohnehin alles der Autopilot. Gespart!

Re: geht leider nicht

Bordservice einsparen geht leider nicht - eine minimale Anzahl von Flugbegleitern wird von der FAA vorgeschrieben; wg Sicherheit.

Und ob es dann noch Sinn macht die Sandwitches einzuparen ?

Re: Re: geht leider nicht

jedes sparen macht Sinn wenn Passagiere dann noch billiger fliegen können. Geiz ist Geil!!
nur die Busfahrt zum Flughafen ist eindeutig zu teuer.

Re: Re: geht leider nicht

Die FAA?? Wir befinden uns in Europa. :-)

Re: Re: Re: geht leider nicht

Auch nach EU-OPS ist es so vorgeschrieben. Zufrieden?

Re: Re: Re: Re: geht leider nicht

Schon besser. ;-)

Re: statt Bordservice

Fluggäste - sorry

Es wäre durchaus einer Erwähnung wert,

im Anschluss an das Zitat des Herrn Prock mal zu erwähnen, wieviele Krisen er durch seine Unfähigkeit als Manager massiv mitverursacht hat.

Re: Es wäre durchaus einer Erwähnung wert,

Herr prock wird auch in diesem unternehmen Versagen

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