Geldpolitik: Deutsche Bundesbank holt Gold heim

15.01.2013 | 17:08 |  Von Nikolaus Jilch (Die Presse)

Bis zum Jahr 2020 will die Deutsche Bundesbank die Hälfte ihrer Goldreserven in Frankfurt lagern. Paris wird hingegen als Lagerort aufgegeben. Eine neue Schlacht im „Währungskrieg“ hat begonnen.

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Wien. Es wird ernst: Am Mittwoch wird die Deutsche Bundesbank ein „neues Konzept“ zur Lagerung ihrer Goldreserven vorstellen. Erstmals seit Jahrzehnten will die Bundesbank deutsches Gold von Lagerstätten im Ausland nach Frankfurt holen. Das berichtet das „Handelsblatt“.
Es geht immerhin um die zweitgrößten Goldvorräte der Welt: knapp 3537 Tonnen. (Die USA verfügen über rund 9000, die Eurozone gemeinsam über 10.000 Tonnen; China offiziell über rund 1000 Tonnen, Experten gehen aber davon aus, dass China bereits wesentlich mehr Gold gestapelt hat.) Die Goldreserven der Deutschen lagern aus historischen Gründen (Kalter Krieg) derzeit in New York, London und Paris. Laut Handelsblatt soll ein Teil des Goldes aus New York abgezogen werden, wo heute 45 Prozent des gesamten Bestandes lagern. Aus Paris soll alles Gold heimgeholt werden.

Dabei handelt es sich keineswegs um einen Affront gegenüber Frankreich. Die Deutsche Bundesbank will lediglich den Standort Frankfurt aufwerten, und Paris ist kein wichtiger Goldhandelsplatz. Bis 2020 will die Bundesbank rund die Hälfte der Goldreserven auf deutschem Boden lagern, heißt es aus Notenbankkreisen. In der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) will man dem Beispiel des Nachbarn vorerst nicht folgen. Österreich lagert sein Gold aber weder in New York noch Paris, sondern bereits seit Jahrzehnten an den Handelsplätzen London und Basel (siehe Grafik).

Wie damals, 1965

In Deutschland läuft seit einigen Wochen eine Debatte über den Verbleib der Goldreserven – ausgelöst durch eine Kritik des Bundesrechnungshofes an dem bisherigen Umgang der Bundesbank mit ihrem Gold. Dabei sieht die Tatsache, dass Zentralbanken überhaupt noch Gold halten, auf den ersten Blick absurd aus. Wozu brauchen sie das Metall in einer Welt, die von Papiergeld regiert wird? Und warum kommt gerade jetzt Bewegung in die Sache?

Es hilft ein Blick in die Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt der Gold-Devisen-Standard von Bretton Woods. Der Dollar war ans Gold gebunden, die übrigen Währungen an den Dollar. Das machte die US-Währung „so gut wie Gold“. Ein Privileg, das vor allem den Franzosen nicht gefiel. 1965 startete Präsident Charles de Gaulle eine Offensive gegen den Dollar. Er ließ als erster europäischer Regierungschef Gold heimholen, das sich nach dem Umtausch von Dollar-Reserven in New York angesammelt hatte.

Er betrachtete es als unerträglich, dass das französische Gold „dem Zugriff einer fremden Macht preisgegeben“ sein könnte. Die Rückholaktion war ein Misstrauensbeweis an die Zahlungsmoral der US-Amerikaner. Sechs Jahre später brach Bretton Woods zusammen und US-Präsident Richard Nixon schloss „temporär“ die Goldkonvertabilität des Dollar. Tatsächlich erklärte er damit de facto die Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten. Aber der Dollar war als Reserve- und Leitwährung zu wichtig. Es gab keine Alternative, die groß und stabil genug gewesen wäre. Ein Dollar-Kollaps hätte die ganze Weltwirtschaft zusammenbrechen lassen. Die übrigen wichtigen Nationen entschieden sich, den Dollar weiter als Leitwährung zu stützen.

Euro und Gold gegen Dollar

Aber heute schwindet diese Unterstützung. Jetzt wollen auch die Deutschen jenes Gold heimholen, das immer noch in New York liegt. Durch den massiven Anstieg des Goldpreises seit 2001 hat die Bedeutung des Metalls sukzessive wieder zugenommen. Zwar ist keine Währung mehr daran gebunden, als freistehende „Reservewährung“ drängt Gold sich aber geradezu auf. Anders als der Dollar wird das Metall von keiner Nation exklusiv kontrolliert – und kann auch nicht beliebig vermehrt werden. Der Euro wiederum ist durch das Gold gedeckt, dass die europäischen Zentralbanken halten. Gold ist auch der erste (und wichtigste) Posten in der Bilanz der EZB. China, Indien und Russland stocken ihre Vorräte auf.
Gleichzeitig tobt ein globaler „Währungskrieg“. Wenn dieser eskaliert, wird es wohl nützlich sein, das Reservegold auf heimischem Boden zu lagern. Heute ist die Welt komplizierter als 1971.

Auf einen Blick
Das deutsche Gold (3500 Tonnen) lagert zu 45 Prozent in New York und zu elf Prozent in Paris. Das soll sich ändern. Erstmals seit Jahrzehnten will die Bundesbank Gold nach Hause holen. Frankreich hat das schon Ende der 1960er erledigt. Die OeNB sieht vorerst keinen Handlungsbedarf: Die Reserven Österreichs (280 Tonnen) lagern ausschließlich in Europa: in London, Basel und in Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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21 Kommentare

Und was machen unsere Schnarchnasen von der Nationalbank.....

sie schnarchen und träumen weiter! Rückholung sämtlichen im Ausland liegenden Goldes. Überprüfung und Verwahrung in Österreich! Nicht bis 2020, denn bis dahin hat China und Indien längst sämtliches Edelmetall bereits aufgesogen. JETZT haben wir am Papier noch einen Anspruch! Sonst heißt es in diesem Jahrzehnt dann maximal nur noch ,,Sorry'' Und das mein lieber Hr. Nowotny bekommen sie sicher nicht von der Österreichischen Bevölkerung zu hören-deren Eigentum es ist!!!!

Tja,...


....Österreich hat seit 1972 (Stand 634,2 Tonnen) jährlich ca. 8,4 Tonnen an Gold verkauft (Stand 2012- 280 Tonnen). Bei den Steuerleistungen die wir Österreicher/innen alljährlich für unseren Staat aufbringen schaffte bisher keine einzige Bundesregierung ein ausgeglichenes Budget??

Alles Fachleute,...unsere werten Herren Parteipolitiker,...oder was??

Es wird auch für Österreich reichlich an der Zeit,-seine noch (wenn überhaupt) vorhandenen Goldreserven nach Österreich zu holen.

Wenn da nicht schon die EZB ihre Ansprüche stellt,... ;O))

Unser Hr. BPräsident Fischer,- muß diesbezüglich einmal Stellung beziehen!

Die Verfügbarkeit des Goldes

Presse:"Er betrachtete es als unerträglich, dass das französische Gold „dem Zugriff einer fremden Macht preisgegeben“ sein könnte."
Wie recht de Gaulle hatte --- aber Deutschland ist lt. Herrn Schäuble in der "Welt am Sonntag"
n i c h t souverän.
Frage : Welche fremde Macht hat dann Zugriff auf das deutsche Gold ???


5 0

Re: Die Verfügbarkeit des Goldes

USA

Deutschland, ist meines Wissens nach noch immer im Besatzungszustand...die BRD, ist rechtlich gesehen bestenfalls eine GmbH.

das problem ist, wenn die amis njet sagen. deutschland ist naemlich kein souveraener staat.

genaugenommen ist "deutschland" gar kein staat, weil der 2+4 vertrag ungueltig ist. wenn daher die amis das gold nicht herausruecken, dann koennen sich die brausen gehen.
leider

Warum erst bis 2020 ?

Warum braucht die Bundesbank bis 2020 (!!!), um das deutsche Gold von New York und Paris nach Frankfurt zu transpoertieren

Ist es vielleicht doch schon verborgt, verleast, verspekuliert von den Zockerbanken in NY?

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Wunschdenken

leider alles schon zur "Stabilisierung "des Goldpreises auf den Markt geworfen.. Sorry , nix mehr da!
ev. in China ,Russland anfragen.

Ui, klingt nicht gut


Viel Glück

Na dann viel Glück. Sehen durften die Deutschen das Gold in Amerika nicht, aber zurück werden sie es sicher bekommen. Gaaaaanz sicher. Genau so wie wir, wenn wir nur wollten. Aber ich glaube bei uns traut sich da keiner drüber. Aber wie man liest ist ja mit dem Gold auch gehandelt worden. Mit riesigen Gewinnen natürlich nur auf dem Papier.

Holt unser Aurum nach Austria!!!

Wie kann man nur so .... sein. und seine Goldreserven im Ausland parken????

Re: Holt unser Aurum nach Austria!!!

Weil das Zeugs vielleicht auch versichert gehört, darum!

8 8

Österreich sollte auch sein Gold zurück ins Land holen

Nicht zuletzt deshalb, weil es die Grossen schon vormachen! Frankreich hatte auch schon sein Gold abgeholt! Und eine neuerliche Goldpreisbindung und ein Verbot für Gold-Privatbesitz wäre gar nicht das schlechteste in diesen Zeiten! Das wüsste man zumindest worüber man spricht wenns um Euro oder Dollar ginge...

Hm,...

Gold gab ich für Eisen war ein Werbeslogan, der in Kriegszeiten dazu aufrief, Gold und Schmuck zur Kriegsfinanzierung zu spenden.

Im Gegenzug erhielt der Spender Erinnerungsschmuckstücke aus Eisen....

Und dass,- soll's ja wohl nicht wirklich sein??


12 2

Re: Österreich sollte auch sein Gold zurück ins Land holen

Na klar, Goldverbot. Linksrosagrüne Träume. Und dann sinds mit einem nassen Hoserl aufgewacht...

Verbot für Gold-Privatbesitz

Eheringe aus Kupfer sind ja sicher auch ganz nett.

New York und London...

... legen sicher ein wenig Wolfram gratis obendrauf...

Re: New York und London...

oder sie verpacken das Wolfram in einer dünnen Goldschicht - schließlich soll es ja eine Überraschung sein.

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Für echte Geniesser werden kaum dedektierbare Wolframstäbe in Gold eingegossen.


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Re: Re: New York und London...

Für echte Geniesser werden kaum dedektierbare Wolframstäbe in Gold eingegossen.

Wer lässt schon

den Hund auf die Wurst aufpassen?

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