Erste Bank schreibt im Osten 300 Millionen Euro ab

15.01.2013 | 17:14 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Auch das Jahr 2013 „wird schwierig werden“, sagt Erste-Bank-Chef Andreas Treichl. Die Krise sei „keineswegs“ überwunden. Sorgenkind der Erste Bank ist die vor der Finanzkrise teuer zugekaufte Rumänien-Tochter.

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Wien. Schon im Herbst 2011 überraschte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl mit einem „Bilanzputz“. Damals nahm Österreichs führende Bank bei den Töchtern in Zentral- und Osteuropa diverse Abschreibungen vor. Dies führte dazu, dass das Institut 2011 mit 719 Mio. Euro den größten Verlust in der fast 200-jährigen Geschichte verbuchte. Und die Krise in Osteuropa ist noch nicht vorbei.

Am gestrigen Dienstag gab die Erste Bank bekannt, dass sie den Wert ihrer Beteiligungen noch einmal um 300 Mio. Euro abschreiben muss. Davon ist mit 260 Mio. Euro die rumänische Tochter Banca Comerciala Romana (BCR) besonders stark betroffen. Die BCR entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum Sorgenkind der Erste Bank. Vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, im Herbst 2006, hatte Treichl die größte Bank Rumäniens erworben. Es war eine der teuersten Bankübernahmen in Osteuropa.

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Stellenabbau in Rumänien

In der Bieterschlacht setzten sich die Österreicher gegen mehrere internationale Finanzkonzerne wie die Deutsche Bank durch. In Summe gab die Erste Bank für die BCR etwas mehr als vier Mrd. Euro aus. Mittlerweile wurde die Beteiligung in mehreren Schritten abgeschrieben. Nun liegt der Firmenwert bei 600 Mio. Euro.

Im Vorjahr wechselte Treichl in Rumänien Teile des Managements aus. Kurz vor Weihnachten gab die BCR den Abbau von 1600 Stellen bekannt. Das sind 18 Prozent der dortigen Belegschaft. Mehr als 60 Niederlassungen sollen im Zuge des Umbaus geschlossen werden. Bereits in den ersten drei Quartalen 2012 hatte sich die Erste Bank in Rumänien von 700 Beschäftigten getrennt.

Die Erste Bank kämpft in Rumänien vor allem mit hohen Vorsorgen für faule Kredite. Laut einer am Dienstag von der Bank Austria vorgestellten Studie wird der Anteil der faulen Kredite in Rumänien heuer weiter steigen. Im Land gibt es bei 28 Prozent aller vergebenen Darlehen Rückzahlungsprobleme. Noch schlimmer ist die Situation in Kasachstan und in der Ukraine (siehe Grafik).

Aus der Ukraine wird sich die Erste Bank zurückziehen. Die dortige Tochter, die Verluste schreibt, wird verkauft. Trotz der Turbulenzen hat die Erste Bank im Vorjahr laut vorläufigen Zahlen einen Nettogewinn von 450 Mio. Euro erwirtschaftet, denn das Geschäft in Österreich, Tschechien und der Slowakei läuft hervorragend.
Analysten hatten laut Daten der Nachrichtenagentur Reuters jedoch einen Jahresgewinn von 690 Mio. Euro erwartet.

Aufatmen können die Aktionäre und der österreichische Staat. Für 2012 wird die Bank eine Dividende ausschütten und auch die Zinsen für das staatliche Partizipationskapital zahlen. Treichl geht davon aus, dass auch 2013 schwierig werden wird. Die Krise sei keineswegs überwunden. Die Erste-Aktien verloren am Dienstagnachmittag 3,5 Prozent.

Viel zu teuer zugekauft

Die Erste Bank ist kein Einzelfall. Vor Ausbruch der Finanzkrise übernahm beispielsweise die Bank Austria für einen Milliardenbetrag die Mehrheit an der kasachischen ATF-Bank. Laut „Presse“-Informationen soll die Tochter nun verkauft werden. Zieht man die Investitionen in Kasachstan vom kolportierten Verkaufspreis ab, ergibt sich ein Verlust von 1,8 Mrd. Euro. Die Bank Austria kommentiert diesen Betrag nicht.



Anders ist die Situation bei Raiffeisen. Denn Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International, war der erste westliche Banker, der nach Osteuropa expandierte. Stepic gründete dort schon vor dem Fall des Kommunismus Tochtergesellschaften. Erste Bank und Bank Austria folgten später. Um trotzdem auf einen signifikanten Marktanteil zu kommen, tätigten sie teure Zukäufe.

Trotz der gegenwärtigen Turbulenzen zeigen sich Österreichs Banken hinsichtlich der langfristigen Chancen in Osteuropa zuversichtlich. Denn der Osten werde in den nächsten Jahren ein höheres Wirtschaftswachstum aufweisen als Westeuropa, sagte Raiffeisen-Chef Stepic am Dienstag vor Journalisten.

Österreichs Banken wollen sich beim Geschäftsausbau künftig vor allem auf jene Länder und Regionen konzentrieren, in denen die Wirtschaft besonders stark boomt, wie Russland, Polen, die Türkei und Tschechien. In den Problemländern wie Ungarn und Slowenien wird das Geschäft zurückgefahren. Raiffeisen will in Slowenien etwa um ein Drittel schrumpfen.

Auf einen Blick
Die Erste Bank hat vor Ausbruch der Finanzkrise die BCR übernommen. In Summe gaben die Österreicher für die größte Bank Rumäniens mehr als vier Mrd. Euro aus. Mittlerweile wurde die Beteiligung in mehreren Schritten auf 600 Mio. Euro abgewertet. Trotz der Turbulenzen hat die Erste Bank im Vorjahr einen Nettogewinn von 450 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Aktionäre sollen eine Dividende bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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28 Kommentare
 
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bloede Frage

Kaufprei 4 Mrd
aktueller Wert 0,6 Mrd

wer verantwortet die Differenz?

Bekam jemand der Verantwortlichen in diesem Zeitraum Boni?

Wird soetwas als Erfolg verkauft?


Re: bloede Frage

die Gruppenbesteuerung......

ja, warum nicht?

ja, weil ohne den unmenschlichen Einsatz der Top Manager wäre der Verlust noch höher.........

Ironie Ende

Österreich?

https://www.pwc.com/at/de/presse/2011/pdf/problemkredite-weiterhin-auf-hohem-niveau-in-2010.pdf

Österreich hat also auch gut 10% an Problemkrediten und liegt etwa auf dem Level von Slowenien und Lettland!

Wenn die Regierungsvorhaben zum "einnahmenseitigen Sparen" auch wirklich umgesetzt werden, dann werden viele Menschen (Unternehmen) der Realwirtschaft keine Möglichkeit mehr haben die Kredite zu bedienen. Die Ö Regierung macht alles um auch in Ö "Rumänische Kreditverhältnisse" zu bekommen.

Tolle Leute!

Was haben wir doch für tolle Manager und Banker. Haben immer und überall den Überblick, sind aboslut unabhängig von Politik und Einflußnahme. Kennen sich in den fremden Ländern unglaublich gut aus.
Und nicht zu vergessen, der Oberhauser habe ja auch noch eine Rechnung offen! 680.000 Euro!!!

die erste bank wurde mit einem millionen oder milliardenkredit

von den steuerzahlern 2008 gerettet. pröll hat dem blöd und faul titulierenden politiker-bashenden treichl auch noch die ratenrückzahlung auf ewig erlassen, wenn das unternehmen verluste schreibt. ist es wieder einmal soweit?
komisch, dass pröll dafür gesorgt hat, dass während der staatsverschuldung der banken weiterhin boni und dividenden ausgezahlt werden dürfen!
eigentlich gehört pröll jun. deshalb vor einen U-ausschuss!

Banca Comerciala Romana

Für dieses tolle "Geschäft" gab es sicher damals ebenso tolle Boni zulasten der Aktionäre und Steuerzahler.
Allein deshalb sollte Treichl zurücktreten.

Wer diesen schmierig lächelnden ehrenwerten Nadelstreifträgern etwas glaubt oder vertraut, ist selbst schuld.


Hauptsache, der Herr kassiert seine Millionen - alles andere ist egal....


Die Erste-Aktien verloren am Dienstagnachmittag 3,5 Prozent.

nicht verwunderlich bei diesen meldungen!

tja, so ist das mit dem ach so tollen ost-engagement

unserer spitzenbanken. wenn es richtig schiefgehen sollte, dann wird halt der steuerzahler einspringen "dürfen".

Partizipationskapital...

...wird mit Dividende bedient und nicht mit Zinsen. Das ist ein riesiger Unterschied Herr Presse-Redakteur. Ich dachte die Presse hat Wirtschaftskompetenz.

Wie kann die Erste 35 % faule Kredite in Kasachstan haben?

Die Wirtschaft boomt seit vielen Jahren...

Was viele nicht wissen

Die Erste ist auch an der spanischen "la Caixa" beteiligt.

Re: Was viele nicht wissen

die laCaixa ist an der Erste beteiligt und nicht umgekehrt

Re: Re: Was viele nicht wissen

Von welchem Jahr und Anteilen sprichst du?

Übriegens, weiß jemand Bescheid,

zahlt die Erst Bank eingentlich nocht brav die Zinsen für die Staatshilfe?

Erste Berater in kaschastan

" zahlen sie doch 1-2 Jahreraten - das andere ist ein Geschenk des Hauses,und des österreichischen Steuerzahlers". " Der österreichische Steuerzahler übernimmt gerne ihre Zahlungen! Wichtig ist wir bleiben im Geschäft"
Na wer will sich auch so ein Geschäft verderben lassen, wobei die Konkurrenz groß ist!
Alle europäischen banken stehen schon auf der Matte!
Aber wir Österreichen machen schon lange das gute Geschäft - eh Verlustgeschäft!

man sollte den Kasachstanberater beim Namen nennen

der sozialistische Exkanzler Gusenbauer arbeitet als "Berater" und Lobbyist für Kasachstan.

Sozialistennahe Banken geben Millionenkredite. Die Bürger haften und zahlen.

Danke Treichl, danke Gusenbauer

Re: Erste Berater in kaschastan

Ach nee... das wär doch Korruption, und die gibts in Kasachstan doch gar nicht....

Re: Re: Erste Berater in kaschastan

und erst recht nicht in Österrreich!

banken räuber

Selbst schult haben halt geklaubt sie können den osten ausbressen wie eine zitrone.

Re: banken räuber

Falsch!
Diejenigen die im Endeffekt bezahlen sind wir!

bravo

lauter gewinner die banken haben kunden, die halt nix zahlen und dank der Gruppenbesteuerung freut sich auch der steuerzahler, der zahlt sicher und pünktlich.
Alles in allem ein gutes geschäft.
Wieviele milliarden wirtschaftshilfe sind so schon von österreich zusätzlich zu den 2 milliarden an die eu ,
an diese jungen eu-staaten ups und auch andere "arme" länder geflossen?
wir deppen zahlen gerne!!
darum sind wir auch deppen!

bravo

lauter gewinner die banken haben kunden, die halt nix zahlen und dank der Gruppenbesteuerung freut sich auch der steuerzahler, der zahlt sicher und pünktlich.
Alles in allem ein gutes geschäft.
Wieviele milliarden wirtschaftshilfe sind so schon von österreich zusätzlich zu den 2 milliarden an die eu ,
an diese jungen eu-staaten ups und auch andere "arme" länder geflossen?
wir deppen zahlen gerne!!
darum sind wir auch deppen!

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ist doch wurscht wir zahlen gerne für unfähige banker


Erste Bank

Ich habe die Bankverbindung meiner Eltern bedingt durch die Firma übernommen. Die Erste Bank. Aber die Zeiten haben sich geändert. Es ist sehr schwer mit klassischen Bankgeschäften Gewinne einzufahren. Daher riskieren ansich seriöse Banken immer mehr.Aber das betrifft die meisten Banken in Europa. Natürlich gibt es schwarze Schafe. Sollte jemand noch Geld in Österreich haben, was die Mittelschicht betrifft, kann ich nur empfehlen mit der Bank ihres Vertrauens zu sprechen.Die Inflationsrate, die der Staat uns vorgaukelt, ist Illusion. Es gibt leider keine konservative Geldanlage, die die tatsächliche Geldentwertung kompensiert. Kaufen sie sich ein tolles Auto, machen sie Urlaub auf den Malediven, solange sie noch nicht abgesoffen sind, kaufen sie sich ein tolles Haus. Alles auf Kredit. Finden sie eine Bank die da mitspielt. Viel Erfolg.

 
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