Kampf der Wall-Street-Giganten

Der Fondsmanager Ackman setzt eine Milliarde Dollar auf den Absturz des US-Konzerns Herbalife. Die Attacke zeigt, wie Hedgefonds arbeiten.

Traders work at the post that trades Herbalife stock on the floor of the New York Stock Exchange
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Traders work at the post that trades Herbalife stock on the floor of the New York Stock Exchange
Traders work at the post that trades Herbalife stock on the floor of the New York Stock Exchange – REUTERS

Wien/New York. Mit William Ackman vom Hedgefonds Pershing Square Capital ist nicht zu scherzen. Er gehört zu jener Sorte von Investoren, die sich billig bei Firmen einkaufen. Meist sind es Unternehmen, bei denen sie größere Probleme vermuten. Haben die Fondsmanager einmal einen relevanten Aktienanteil erworben, fordern sie den Vorstand auf, höhere Gewinne auszuschütten oder Töchter zu verkaufen. Unliebsame Manager müssen um ihren Job zittern. Daher wird jeder Schritt Ackmans von Börsianern mit Argusaugen verfolgt. Nun hat sich der Fondsmanager auf den Diätkonzern Herbalife eingeschossen.

Das Drama um Herbalife lässt an der Wall Street keinen kalt. Die Auseinandersetzung zeigt, mit welchen Methoden Hedgefonds arbeiten, um schnell zu Geld zu kommen. Herbalife notiert an der New Yorker Börse. Das Unternehmen verkauft unter anderem Produkte zur Gewichtskontrolle und Nahrungsergänzungsmittel. Im übergewichtigen Amerika ist Herbalife sehr populär. Pro Jahr werden Erlöse von mehreren Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Herbalife ist weltweit tätig – auch in Österreich.

 

Ist Herbalife ein Schneeballsystem?

Das Besondere an der Firma ist, dass die Produkte weltweit über 2,3 Millionen selbstständige Berater vertrieben werden. Es sind mitunter Kunden von Herbalife, die sich etwas dazuverdienen, wenn sie andere Leute von den Produkten überzeugen. „Starten Sie doch mit Herbalife in die Selbstständigkeit!“, heißt es auf der Österreich-Homepage von Herbalife. Seit Jahren gibt es Kritik an diesem Strukturvertrieb.

Und nun schlägt die Stunde des Hedgefondsmanagers Ackman. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat er eine Milliarde US-Dollar auf einen Absturz der Herbalife-Aktie gesetzt. Dann lud Ackman Mitte Dezember in New York zu einer Investorenkonferenz ein und behauptete, dass es sich bei Herbalife um „das am besten gemanagte Schneeballsystem der Weltgeschichte“ handeln würde.

Der Fondsmanager erklärte, dass Herbalife gar nicht so sehr am Verkauf der Nahrungsergänzungsmittel interessiert sei, sondern das meiste Geld mit dem Rekrutieren neuer Herbalife-Berater verdient werde. Wer Herbalife-Produkte verkaufen wolle, müsse viel Geld in die Ausbildung und in Warenvorräte investieren.

Ackman glaubt, dass dieses System irgendwann zusammenbrechen werde. Denn Schneeballsysteme können seinen Angaben zufolge nur deswegen funktionieren, weil immer wieder neue Mitglieder gewonnen werden.

Nach der Präsentation brach Panik aus. Die Aktie von Herbalife stürzte innerhalb weniger Tage von 45 US-Dollar auf 26 US-Dollar ab. Herbalife-Chef Michael Johnsen tat alles, um den „böswilligen Angriff“ abzuwehren. „Wir sind ein seriöses Unternehmen“, versicherte er. Die Informationen von Ackman seien „nicht korrekt und verzerrt“.

 

Herbalife verbündet sich mit Gegenspieler

Herbalife gelang es, sich mit Daniel Loeb von der Fondsgesellschaft Third Point zu verbünden. Loeb ist ein bekannter Gegenspieler von Ackman. Beide sollen alte Rechnungen offen haben. Als die Herbalife-Aktie Mitte Dezember auf dem Boden lag, kaufte sich Loeb mit über 300 Mio. Dollar bei Herbalife ein. Andere Fondsmanager taten das Gleiche. Loeb erklärte in Interviews, er halte die Anschuldigungen von Ackman für lächerlich. Er überlege, seine Beteiligung bei Herbalife zu erhöhen. Prompt ging es mit dem Aktienkurs von Herbalife wieder aufwärts (siehe Grafik). Doch der Kampf ist noch nicht entschieden.

Bleibt der Kurs auch in den nächsten Wochen oben, drohen Ackman riesige Verluste. Sein Kontrahent Loeb kann sich dagegen über Gewinne freuen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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