"Muss es Tote geben?" - Piloten-Demo gegen Dienstzeiten

22.01.2013 | 14:19 |   (DiePresse.com)

In den USA wurden die Maximalarbeitszeiten reduziert, die EU schlägt eine andere Richtung ein. Auf zwölf Flughäfen - darunter auch Wien-Schwechat - wird dagegen protestiert.

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Wir sagen nein zu langen Nachtflügen, nein zu 22-Stunden-Diensten, nein zu 23 Tagen Bereitschaftszeit", hieß es am Dienstagvormittag auf Flughäfen in ganz Europa - auch in Wien wurde protestiert. Der Grund: Im Auftrag der EU-Kommission hat die EU-Flugsicherheitsbehörde EASA vorgeschlagen, die höchstzulässigen Arbeitszeiten für Piloten und Kabinenpersonal zu vereinheitlichen - im Wesentlichen zu verlängern. Der europäische Piloten-Dachverband ECA - der mehr als 38.000 Piloten aus ganz Europa vertritt - hat am Dienstag den Aktionstag organisiert. In Wien war eine zwischen 9 und 11 Uhr anberaumte Demo vor der Skylink-Abflughalle auch wegen der eisigen Temperaturen nach weniger als einer Dreiviertelstunde zu Ende. Etwa 150 Crewmitglieder wurden hier gezählt. Zu Behinderung im Flugverkehr kam es nicht. In Frankfurt machten am Vormittag mehr als 200 Piloten und Kabinenangestellte mit.

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Gewarnt wird an dem europaweiten Aktionstag vor gefährlicher Ermüdung im Cockpit, Fliegen müsse sicher bleiben. "Wir wollen die Passagiere an den Flughäfen wachrütteln", erklärte Christoph Mair, Flugkapitän und Sprecher des Verbands Österreichischer Verkehrspiloten ACA (Austrian Cockpit Association). Die von der EU angestrebten Regeln ließen künftig gefährliche Dienstpläne zu "Wir müssen uns wehren. Wir wollen nicht weniger arbeiten. Wir wollen nur eine andere Arbeitseinteilung."

Minhard: "Kniefall vor den Airlines"

AUA-Bordbetriebsrat Karl Minhard sprach gegenüber der APA von einem "Kniefall vor den Airlines". „Jeder Passagier hat das Recht, dass er einen ausgeschlafenen Piloten vorne hat". Die USA, so berichtete ACA-Sprecher Mair, hätten erst vor drei Jahren die Maximalflugdienstzeiten in der Nacht auf neun Stunden reduziert, als eine Linienmaschine mit übermüdeter Crew beim Anflug auf Buffalo abstürzte. "Die haben Tote gebraucht, um ihr Gesetz zu ändern." Nun gehe Europa gerade in die andere Richtung. "Muss es erst Tote geben?"

AP Demo in Wien-Schwechat

AP Demo in Wien-Schwechat

Die Pilotenverbände in Europa warnen unter Berufung auf Expertengutachten, dass heute schon bei einem Fünftel der Unfälle in der Luftfahrt Ermüdung der Piloten eine Rolle spiele. Schwedische interne Umfragen ergaben sogar, dass jeder zweite Pilot schon einmal im Cockpit eingeschlafen sein soll ("DiePresse.com" berichtete).

22 Stunden wach bleiben

Geht ein ursprünglich für Ende Jänner, nun für März zur Behandlung im EU-Parlament anstehender Plan durch, werden die Arbeitszeiten der Bord-Mitarbeiter europaweit einheitlich geregelt. Mit zweijähriger Übergangsfrist sind die Vorgaben bis 2015 national umzusetzen. Bleibt es bei den EASA-Vorschlägen, kann laut ACA die maximale Flugdienstzeit in der Nacht elf bis zwölf Stunden betragen. "Mediziner sagen, alles über zehn Stunden ist ein Wahnsinn in der Nacht", so ACA-Pilot Mair. China etwa, wo Mair selbst heute fliegt, sieht acht Stunden vor.

Durch Kombination von Bereitschafts/Stand-by- und reinen Flugzeiten soll es den Europa-Plänen zufolge außerdem möglich sein, dass ein Pilot 22 Stunden am Stück wach ist. Der alte (aufgekündigte) Austrian-Kollektivvertrag sah hier nach APA-Informationen bloß 16 Stunden vor. Die neuen Richtlinien im AUA-Konzern lassen einiges mehr zu. Diese neuen Reglements nach dem AUA-Betriebsübergang werden von AUA-Pilotenanwälten aber gerade bekämpft.

Wie 0,8 Promille Alkohol im Blut

Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit schrieb, dass Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Denkfähigkeit nach einer durchwachten Nacht mit 0,8 Promille Blutalkohol vergleichbar sei. Viele Piloten verzichteten nach langem Dienst längst darauf, mit dem eigenen Pkw heimzufahren und schliefen im Crewgebäude am Flughafen. Die Pilotenvereinigungen beklagen, dass die europäische Flugsicherheitsbehörde derzeit alle Erkenntnisse über Ermüdung, Schlafzyklen und Reaktionszeiten in den Wind schlage.

(APA)

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74 Kommentare
 
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Wenn

ich mir die postings hier so ansehe, bin ich entsetzt. Was sind denn das für Menschen, die sich echauffieren, weil Piloten ihre Grenzen kennen und diese als Sicherheit für alle klar definieren wollen? Wir leben wirklich in einer Gesellschaft, in der es immer mehr Deppen gibt und sie schreien lauter, als die andern, die noch Hausverstand besitzen.
Ich würde lieber mehr zahlen und dafür sicherer fliegen. (PS: bin nicht im Flugbusiness)

Lasst doch bitte den Markt entscheiden.

Wer gute Piloten will, der muss gute Arbeitsbedingungen und Zahlung bieten.

Wer sterben will, kann Air Zentralafrika buchen.

Die Gewerkschaften sind überflüssig und sollen sich endlich schleiche..

immer nett zu lesen,

wenn die Flasche Minhard über "Arbeit" spricht.

Wäre Minhard Entscheidungsträger, würden die MA der AUA gar nicht mehr arbeiten müssen, so viel steht fest!

Immer nett zu lesen,


Der Schuß geht nach hinten los...!

Jeder fliegt heute zu einem unglaublich günstuígen Preis! Jede Fluggesellschaft will billiger als die Konkurenz sein..
Die Kalkulationsspirale dreht sich immer weiter nach unten!Die Flugpreise sollten 20 % höher sein!! Dann wird sich auch die Sicherheit der Passagiere erhöhen, da wir nicht mit ausgelaugten Piloten und Kabinenpersonal fliegen müssen.
ABER JEDER WILL ALLES GRATIS UND DAS MEHRMALS IM JAHR

Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Ihre üppigen Gehälter bekommen Sie nicht deswegen, weil Sie in Ihren adretten Uniformen so schick aussehen, sondern weil von Ihnen eine überdurchschnittliche Leistung vorausgesetzt wird. Dazu zählen u.a. auch längere und unregelmäßigere Arbeitszeiten sowie Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen. Das, liebe Herren, ist Ihr Teil des Deals!

Natürlich will niemand übermüdete Piloten - aber angesichts der Faktenlage (es sind immer 2 Piloten im Cockpit, die sich auch abwechseln, und nach einer Langstrecke gibt es verpflichtende Ruhetage) hier den Teufel an die Wand zu malen zeugt wieder einmal von dem abgehobenen (pun not intended) Standesdünkel einzelner Gewerkschaftsbonzen, die leider mit solchen Aussagen einen ganzen Berufsstand in den Dreck ziehen.

Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

und sie Glauben dass man nach 22 h Arbeitszeit noch voll in der Lage ist ein Verkehrsflugzeug mit 530 Menschen an Bord im Schneesturm sicher auf die Erde zu bringen??
und wenn es Warteschleifen unvorhergesehener weise gibt dann kann es auch noch länger dauern. und ein Flugzeug kann man nicht so leicht am nächsten Parkplatz rechts ran fahren um ein Nickerchen zu machen. wenn das nächste Flugzeug - so wie in Amerika geschehen- mit übermüdeten Piloten crashed, dann wünsche ich ihnen von Herzen dass nicht drinnen sitzen.

Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

AIRBUS 320 mit über 500 Passagieren - toll

bloß nicht mitfliegen

Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Sie vertauschen - wohl bewusst - Anwesenheits- und Arbeitszeit! Dass sich Pilot und Co auf der Langstrecke abwechseln, lassen Sie hierbei gern mal so eben unter den Tisch fallen.

Und wenn Sie die Verantwortung scheuen, sollten Sie vielleicht einen anderen Beruf wählen. Dort ist es dann allerdings nix mit fürstlicher Bezahlung.

Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Geh bitte hören Sie auf mit der Panikmache.

Erstens trifft das nicht alle Piloten, sondern nur diejenigen die Langstrecke fliegen. Und soweit mir bekannt ist dauert der längste Direktflug den Austrian anbietet rund 10:30. Wien nach Tokio - Narita. Mit Vorbereitung, etc kommt man auf eine Arbeitszeit von rund 14 Std.

Und Standby als Arbeitszeit zu rechnen ist ebenfalls falsch. Standby sagt nur, dass Sie innerhalb einer vorgegebenen Zeit bereit sein müssen zu starten. Wo und wie Sie Ihr Standby verbringen bleibt Ihnen überlassen. Also zu Hause schlafend ist auch Standby.

Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Es geht hier glaube nicht um Langstrecke, sondern um die Kurzstrecke, wo mehre Ziel pro Umlauf angeflogen werden. z.B. Wien-Moskau-Madrid-Wien

UND zum Stand by
Standby Zeit 0700 bis 1900h (ich glaube da schlafen die wenigsten) um 1850 müssen sie los zu einem Umlauf..
Kann man sich dann ausrechnen, wie lange man wach sein kann

Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Sorry, aber es ist nach wie vor Ihre Verantwortung, wie Sie sich Ihren Schlaf einteilen. Dass es Flüge nicht nur von 09:00 bis 17:00 gibt, war Ihnen bei der Berufswahl hoffentlich klar?

Nochmal, ich neide niemandem Gehalt und/oder Status - solange man auch die Leistung zu erbringen bereit ist.

Re: Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Was hat 24h wach sein mit Leistung zu tun?

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Wenn Sie pünktlich heimgehen wollen, nachdem Sie Ihre 8 Stunden abgesessen haben, hätten Sie Beamter werden müssen.

Leider haben viel zu viele Gewerkschafter genau diese Mentalität.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Ich glaube Sie wollen es nicht kapieren.

Es hat was mit Sicherheit zu tun, genauso wie ich es unverantwortlich finde, dass Ärzte 24+ h Schichten schieben müssen..


Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Und dass hier ein paar Spezialisten meine Äußerungen dank Multi-Logins rot einfärben, zeigt mir, dass Piloten momentan offensichtlich mehr als genug Freizeit haben...

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Sorry, aber die stumpfsinnige Verteidigung von "wohlerworbenen Rechten" durch freigestellte Bonzen, die permanent das Unternehmen sabotieren wollen, das sie dafür dank antiquierter Gesetze auch noch bezahlen muss, hat nichts mit "Sicherheit" zu tun, sondern mit einer Beamtenmentalität, die Europa nur noch schneller in den Ruin führen wird.

Wenn Ihnen die Anforderungen Ihres Berufes nicht passen, suchen Sie sich halt was anderes.

Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Stimmt schon mit den Flugketten. Aber auch hier kommen Sie auf keine 22 Stunden.

Was spricht gegen das beliebte Nachmittagsschlaferl ? Selbst Flugbegleitern stehen Zimmer mit Betten zur Verfügung wenn Sie Flughafenstandby haben. Und um 18:50 werden Sie nicht gerufen, da der Standby besagt, dass Sie spätestens 19 Uhr abfliegen müssten. Somit können Sie von der trotzdem bezahlten Zeit rund 2 Stunden wegrechnen.

Und last but not least. Das dieser Jon andere Arbeitszeiten hat als ein Bürojob, war wohl jedem bekannt bevor er sich für den Job entschieden hat.

Re: Re: Re: Re: Re: Den Herren Piloten sei ins Stammbuch geschrieben:

Naja, ich glaube schon, das bei einem ausgereiztem Umlauf die 22h Wachzeit (nicht Arbeitszeit) erreicht werden. Man muss ja auch die Anfahrt zum Flughafen usw. sehen. Wenn es Verspätung schlecht wetter, so wie der starke Schneefall vergangene Tage usw. Es gibt da sehr viel Faktoren, die es verlängern können. Es ist sicher nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme..

22 Stunden am Stück wach bleiben

Kann mir jemand erklären wie man "am Stück wachbleibt"?
Würde es nicht genügen im Cockpit wachzubleiben.
Der Schreiber des Artikels ist wohl auch nur mehr "zur Schule gegangen"

Würde es nicht genügen im Cockpit wachzubleiben. - NEIN

Und die schlafenden Piloten tragen Sie dann ins Cockpit ?
Das Briefing vor dem Flug übernimmt die Putzfrau ?
Den Check des Flugzeugs macht der Hausmeister ?

Re: Würde es nicht genügen im Cockpit wachzubleiben. - NEIN

Kann es sein, daß auch für Sie Deutsch eine "fremde" Sprache ist? Lesen Sie meinen Kommentar und antworten Sie nur wenn Sie ihn verstanden haben.
Ihr Pseudonym ist selbsterklärend.

Piloten - Busfahrer

Ob Piloten mit der heutigen technischen Ausstattung nicht weit überbezahlt sind, darüber könnte man diskutieren.

Trotzdem ist der Vergleich mit einem Busfahrer weit entfernt. Die Ausbildung und Trainings eines Piloten sind doch wesentlich unterschiedlich. Auch ist die Verantwortung eine größere, da ein Fehler in der Luft zum größten Teil tödlich endet.

Eine Faktum bleibt aber die körperliche Belastung, da ist mal der Jet-Leg und die Belastung durch die Druckverhältnisse im Flugzeug.
Wer es ausprobieren will, soll mal ein paar Langstreckenflüge hintereinander buchen. Wie sie sich dann fühlen, werden sie ja selbst feststellen.

Also sowohl Ausbildung, Verantwortung und körperliche Belastung stehen in keinem Vergleich zu einem Busfahrer.

überbezahlte Kaste

Alle, die Piloten für eine überbezahlte Kaste halten, sollten doch lieber Passagierdrohnen fordern. Dann sitzen billige jederzeit austauschbare Computernerds irgendwo in einem Bürohaus und steuern hunderte Passagiere um die Welt. Geiz ist geil.

Jene, die sich doch nicht so ganz auf die Technik verlassen wollen, können ja weiterhin mit echten Piloten fliegen, die auch aus Eigeninteresse sicher wieder landen möchten.

Re: überbezahlte Kaste

Passagierdrohne, ist das die neue Berufsbezeichnung für Piloten -

nein natürlich nicht, nur Spaß gemacht

aber das wird in den nächsten 10 Jahren Wirklichkeit (mit CoPilot natürlich) dagegen können Sie NICHTS tun, entsprechende Studien liegen bereits vor

700 Std sitzt ein älterer AUA - Pilot am Ruder !!


Dafür bekommt er mind. 15000.- EURO mal 14.

Ein Busfahrer sitzt ALLEIN am Steuer für mind. 1000 Std u. bekommt ein ZEHNTEL bei HÖHEREM Risiko !!

In Amerika sind Piloten bessere Busfahrer.

Thats it !!


 
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