Konzernumbau: Deutsche Bank mit Milliardenverlust

31.01.2013 | 16:58 |   (Die Presse)

Die hohen Kosten für Rechtsstreitigkeiten und für einen umfassenden Konzernumbau drücken das Quartalsergebnis der Deutsche Bank. Die Börse in Frankfurt reagiert freilich mit Kursgewinnen.

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Frankfurt/red./ag. Der Konzernumbau kommt die Deutsche Bank teurer zu stehen als erwartet: Im Schlussquartal 2012 hat die größte deutsche Bank einen Nettoverlust von 2,2 Mrd. Euro gebaut. Für das Gesamtjahr geht sich zwar noch ein Gewinn aus. Der liegt mit knapp 700 Mio. Euro aber um satte 85 Prozent unter dem Vorjahreswert – und meilenweit unter den 10 Mrd. Euro, die der frühere Vorstandschef Josef Ackermann als Zielgröße vorgegeben hat.

Allerdings ist der frühere Chef am jetzigen Gewinneinsturz nicht ganz unbeteiligt: Die deutsche Großbank hat in der Vergangenheit unter Ackermann keinen internationalen Skandal ausgelassen. Allein die Kosten für Rechtsstreitigkeiten, in die die Bank rund um den Globus verwickelt ist, haben sich im vierten Quartal auf eine Mrd. Euro summiert. Insgesamt beliefen sich die Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten und Umstrukturierungen auf 2,9 Mrd. Euro.

Der Quartalsverlust war deutlich höher, als Analysten erwartet hatten. Die Bank will ihre Aktionäre mit einer unveränderten Dividende von 75 Cent je Aktie weiter bei Laune halten.

Allerdings scheinen die enttäuschten Börsianer an ein Gelingen des Umbauprozesses zu glauben. Der Kurs der Aktie, die nach Bekanntwerden der Resultate vorbörslich um fast fünf Prozent nach unten gesaust war, lag am Nachmittag in Frankfurt bei insgesamt schwachem Markt mit fast drei Prozent im Plus. Damit gehörte die Aktie zu den Top-Performern in Frankfurt.

Die zahlreichen Prozesse, in die die Bank weltweit verwickelt ist, haben vor allem den Bereich Investmentbanking stark nach unten gedrückt. Die Investmentbank CB & S, normalerweise die „Gelddruckmaschine“ des Konzerns, machte im letzten Quartal annähernd eine halbe Milliarde Euro Verlust. Auch der Bereich Vermögensverwaltung geriet mit 260 Mio. Euro minus vor Steuern schwer unter Wasser.

Die seit Juni vorigen Jahres amtierenden neuen Chefs Anshua Jain und Jürgen Fitschen wollen das Steuer nun mit drastischen Sparmaßnahmen und einer Art „Kulturrevolution“ herumreißen. Die Altlasten werden jedenfalls in eine Bad Bank ausgelagert, um die Kapitaldecke der größten deutschen Bank zu stärken.

Zum „Kulturwandel“, der den Investmentbankern verordnet wird, gehören strengere „Benimmregeln“ und eine deutliche Kürzung der Boni. „Der Wandel“, sagten die Deutsche-Bank-Chefs gestern, sei „unbequem, aber nötig“. Er werde das Institut „nicht Monate, sondern Jahre“ beschäftigen. Es handle sich dabei um die „umfassendste Umgestaltung der Deutschen Bank in der jüngeren Zeit“.

Einsparungen und Personalabbau

Dazu gehören auch Einsparungen über 4,5 Mrd. Euro, die unter anderem mit scharfen Personalabbaumaßnahmen erreicht werden. 1700 „Deutschbanker“, die meisten aus dem Investmentbanking, mussten schon gehen, hunderte sollen heuer noch folgen.

Mit diesem „Kulturwandel“ will sich die Bank ein neues, besseres Image verpassen. Das alte ist durch zahlreiche Negativschlagzeilen aus der jüngsten Zeit schwer angekratzt. So sind zahlreiche Büros der Bank in jüngster Zeit Ziel von Hausdurchsuchungen gewesen. Die standen in Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Steuerbetrugs beim Handel mit Emissionsrechten. Da hat freilich auch die Weste eines der beiden neuen „Saubermänner“ an der Spitze ein paar Patzer abbekommen: Ermittelt wird auch gegen Fitschen, den Ko-Chef des Vorstands.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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12 Kommentare

dafür bekommen dann..

die neuen bosse wieder dicke Prämnien, dafür dass Sie den Konzern wieder in die Gewinnzone gebracht haben und tausende stellen abgebaut haben.

Und was noch dazukommt

Die ganzen Gold-Fetischisten glauben, dass sie mit ihren "Depots" geschützt sind.

Derzeit verkauft die Deutsche Bank gehebelte, ungedeckte Goldgarantien an andere Banken, die diese in das Depot von ihren Kunden legen (was sie ja dürfen, well ein "echtes Depot" kosten Lawinen).
Ist beim derzeitigen Goldkurs ein riesen Geschäft.

Wenn man Bücher über die 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts liest, fühlt man sich erinnerlicht.

Ätsch

Unsere Rathaus hat mehr...

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Derivatenbombe

Hier wird möglicherweise die Spitze des Eisbergs sichtbar, nämlich die Derivatenbombe: Die Deutsche Bank ist die am meisten „gehebelte Bank“ der Welt.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/31/milliarden-verlust-bei-der-deutschen-bank-es-wird-kritisch-fuer-die-steuerzahler/

Nur weils uns eh bald passieren wird

http://www.heise.de/tp/blogs/8/153643

Es paßt, wie die Faust aufs Aug von Ackermann.

Das Kartenhaus beginnt zu bröckeln

Lehman Brothers ist mit einem Eigenkapitalverhältnis von 1:35 zusammengebrochen, MF Global mit 1:40.
2009 wurde das Verhältnis bei der Deutschen Bank 1:65 geschätzt. Dazwischen hat Ackermann und danach die beiden "Zauberlehrlinge" hier, das Verhältnis noch verschäft um die Gewinne in Mrden-Höhe zu halten.

Diese riesige "Hebelmaschine" Deutsche Bank hat die Sprengkraft, Deutschland in die Verschuldungsliga von Griechland zu bomben.
Einen kleinen Vorgeschmack gab ja schon 2012:
http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10000872396390443931404577548630785702876.html
Da muß man beachten, dass sie mit den 8Mrd einen Hebel von 1:10 bauen müssen um irgendwie sinnvoll die erforderlichen Zahlen zu erreichen. Und dazu kommt noch, dass die Deutsche Bank, schon jetzt Risiken sehr gut versteckt.

Leider werden wir Ackermann, nie auf einer Anklagebank sehen, weil "der ist ja nicht schuld".

Re: Das Kartenhaus beginnt zu bröckeln

Genau so ist es.

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Deutsche Bank

Die arme Rothschild Bank wirds verkraften

Re: Deutsche Bank

Nein wird nicht, sie werden es noch merken.

Gegen die Deutsche Bank ist Griechenland ein Kindergeburtstag.


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Eine Dividende bei diesen Zahlen auszuschütten

grenzt an Realitatsverdrängung..

"Unsere Zahlen sind ermutigend"

Die meinen wohl ihren Jahresgehalt samt Bonus!

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sofort ein rettungspaket

da wird sich merkel sofort darum kümmern ist ja ihre hausbank

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