Schwere Bankenkrise in Holland

01.02.2013 | 18:27 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Kosten der Notverstaatlichung der viertgrößten Bank könnte die Niederlande das Triple A kosten. Die Aktionäre der Bank gehen jedenfalls leer aus. Rettung kostet den niederländischen Steuerzahler 3,7 Mrd. Euro.

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Den haag. In den Niederlanden spielt sich ein neues Bankendrama ab. Das viertgrößte Finanzinstitut des Landes, die SNS-Reaal-Gruppe, wurde am Freitag notverstaatlicht. Alle Aktionäre verlieren ihr gesamtes, in die SNS investiertes Geld. Sie werden vollständig enteignet, per Saldo verlieren die SNS-Aktionäre rund eine Mrd. Euro.

Doch die Verstaatlichung der ,,Systembank'' SNS Reaal durch den neuen Chef der Euro-Gruppe, den niederländischen Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, kostet auch den niederländischen Staat und damit den niederländischen Steuerzahler viel Geld. Mindestens 3,7 Mrd. Euro muss die Haager Regierung auf den Tisch blättern, um die SNS-Reaal-Finanzgruppe, die aus einer Bankensparte, einer Versicherungssparte und einem Immobilienfonds besteht, retten zu können.

 

Schuldenstand erhöht sich

Dadurch wird sich die Neuverschuldung der Niederlande in diesem Jahr kräftig erhöhen, sodass Holland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Euro-Stabilitätskriterium eines Budgetdefizits von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIPs) 2013 nicht einhalten kann. Zudem drohen die Niederlande ihr Triple-A-Rating und damit die höchste Kreditwürdigkeit zu verlieren. Bisher genießen in der Eurozone nur noch Deutschland, Finnland, Luxemburg und Holland diese höchste Bonität bei allen großen Ratingagenturen.

Sollten die Niederlande in ihrer Kreditwürdigkeit auf AA+ zurückgestuft werden, blieben in der Eurozone also nur noch drei Länder mit der höchsten Bonität übrig. „Es gab keine andere Möglichkeit mehr. Mitte Dezember wurde deutlich, dass die Finanzprobleme bei der SNS Reaal viel größer waren, als wir bis dahin angenommen hatten,“ begründete Dijsselbloem die Verstaatlichung der SNS-Gruppe. Er und die niederländische Zentralbank fürchteten ferner einen sogenannten „Bankrun“ auf die SNS, die rund 1,6 Mio. Sparkonten hat und Sparguthaben von 33 Mrd. Euro verwaltet. Im vergangenen Monat wurde bereits rund eine Mrd. Euro an Spargeldern von den SNS-Konten abgezogen.

Zwei Lösungs- und Rettungsversuche scheiterten. Erst war geplant, dass die drei anderen großen niederländischen Finanzinstitute, die ING, die ABN Amro und die Rabobank die SNS-Gruppe übernehmen und sanieren sollten. Das aber scheiterte am Widerstand der EU-Kommission in Brüssel.

 

EU verhinderte Übernahme

Die schob einen Riegel vor, weil die ABN Amrobank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu 100 Prozent verstaatlicht wurde und weil die ING damals eine staatliche Finanzhilfe von zehn Mrd. Euro erhielt, die sie immer noch nicht ganz zurückbezahlt hat. Auch die SNS Reaal musste damals vom niederländischen Staat schon mit einer Finanzspritze von rund 750 Mio. Euro gerettet werden. Der zweite Rettungsversuch, der Verkauf der SNS-Gruppe an Private Equity Fonds, scheiterte ebenfalls. Dem Fonds war das Risiko der Übernahme der völlig verschuldeten Gruppe zu hoch.

Das finanzielle „Fass ohne Boden“ bei SNS ist die Immobiliengruppe Property Finance (PF). SNS hatte das Unternehmen erst im Jahr 2006 für 841 Mio. Euro von der ABN Amrobank gekauft. Genau diese Akquisition hat nun der SNS-Gruppe das Genick gebrochen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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16 Kommentare

"mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit"

"ziemlich sicher" reicht nicht ?

was war denn bei isländischen Banken positiv?

wenn bei der Lösung der isländischen Bankenpleite Inländer bedient und Ausländer leer ausgehen.

Einlagen von isländischen Sparern wurden von heimischen Steuerzahlern gedeckt und Ausländer wurden von englischen, holländischen usw. Steuerzahlern bedient.

Erst wenn auch die bestraft werden, die Fehler gemacht haben und den isländischen Banken ihre Spargroschen anvertraut hatten weil sie weit höhere Zinsen als die Konkurrenz versprachen, dann wäre das Marktwirtschaft.
So aber werden Zinsgierige zu 100% bedient und Unschuldige zahlen.


Normal wäre gewesen

Alle in Konkurs schicken die pleite sind und von Neuem anfangen.
Mir egal wenn alles zusammen gebrochen wäre, jedenfalls will ich meine Marktwirtschaft zurück.
So kann es einfach nicht mehr weiter gehen wie komme ich dazu mit meinem Steuergeld ungefragt Pleite-Banken zuretten. So ein tönernes Pleite-Banken-System wollte ich nie.
Frechheit.

mit Verlaub

eine echte Marktwirtschaft gibt es schon lange nicht mehr. Auf alle Fälle seit dem Ende der Goldbindung 1971. Seit dem wird Wachstum auf Schulden finanziert, mehr als durch Produktivitätssteigerungen.
Der Kollaps wird aber kommen. Hoffen kann man nur, dass dann ein marktwirtschaftlicher Neustart gemacht wird. Das ist leider keineswegs sicher, da man dem Kapitalisums die Schuld an der Krise geben wird, und die dumme Masse wird's glauben.

Irland,Portugal,Spanien etc.

Haben sich dem Druck des IWF und Murksel gebeugt und somit ihre eigenen Enkelkinder verraten und verkauft und versklavt. Und selber stopfen sie sich ihre Taschen voll (RAJOY,Spanien) typisch schwarze Brut.

Warum berichten die Medien nie?

Über das erfolgreiche, tapfere Island die sich dem Druck des IWF und der EU und Merkel wiedersetzt hat?
Stattdessen werden solche Sklavenländer wie Irland und Portugal hochgelobt.
Island ist schuldenfrei im Gegensatz zu Griechenland,Portugal,Spanien,Irland etc. da steht jetzt schon auf der Stirn ihrer Enkelkinder SKLAVE.
Alle Nationen die dem Bankensozialismus frönen werden früher oder später zwangsweise pleite gehen.

Re: Warum berichten die Medien nie?

Island ist schuldenfrei?? Das hüpfen's mal vor!

Ganz Europa hätte den Weg Islands gehen müssen

Aber unsere Politiker sind ja der alternativlosen Frau Ackermann sprich Murksel nachgerannt.
Lasst endlich diese Banken pleite gehen die auch pleite sind. Diese Dreckspleite Banken stürzen uns alle noch in den Abgrund. Ich schei... auf diesen Bankensozialismus ich will wieder meine Marktwirtschaft zurück.
WIR KÖNNEN NICHT MEHR.

Da waren sie wieder, unsere 2 Probleme:

* entweder Banken pleite gehen lassen, dann geheh ALLE Staaten und Banken pleite = deflationäre Depression

* oder, weiter Geld drucken, Schulden machen und alle retten = Hyperinflation

Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera - bis dahin können wir nur noch ein bisschen Zeit gewinnen durch Geld drucken. Der große Knall wird aber kommen. 100%

Re: Da waren sie wieder, unsere 2 Probleme:

ALLE retten ?? Witzbold -der war gut.

von welchem Planeten sind Sie?

derzeit werden alle großen Banken und Staaten gerettet. Wahrscheinlich wird dieser Weg fortgesetzt, was bedeutet: mehr Schulden, mehr Schulden und noch mehr Schulden mit frisch gedrucktem Geld -- End Game: Hyperinflation.

Was haben die Isländer aus ihrem Desaster gelernt?

Laßt die Bank einfach untergehen!
Konkurs für die Bank und Gerechtigkeit für die (ehemaligen) Manager.

Es klingt hart, aber jeder kleine Gewerbetreibende muß damit Rechnen, aber eine "Systembank" darf die Wirtschaft schädigen und dann auch noch Geld verbrennen.

Und wenn jemand fragt, wieso das so ist: Markt nennt man das.

Re: Was haben die Isländer aus ihrem Desaster gelernt?

und gibt es jetzt nicht in Island massive Kapitalsverkehrskontrollen und eine Immobilienblase, weil die Ausländer ihre Gelder nicht abziehen können?

Re: Was haben die Isländer aus ihrem Desaster gelernt?

Danke.
Hundert Punkte, ich hoffe ein Schellhorn liest ihre Zeilen.

ha

wie man sieht, ist die GRIEHSSE 2013 überwunden - laut Propheten, ah Xperchten.

Querdenker sagt,

aber der Warren Buffet und alle Superretter haben doch die Krise beendet.

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