Schwere Bankenkrise in Holland

Kosten der Notverstaatlichung der viertgrößten Bank könnte die Niederlande das Triple A kosten. Die Aktionäre der Bank gehen jedenfalls leer aus. Rettung kostet den niederländischen Steuerzahler 3,7 Mrd. Euro.

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(c) REUTERS (STRINGER)

Den haag. In den Niederlanden spielt sich ein neues Bankendrama ab. Das viertgrößte Finanzinstitut des Landes, die SNS-Reaal-Gruppe, wurde am Freitag notverstaatlicht. Alle Aktionäre verlieren ihr gesamtes, in die SNS investiertes Geld. Sie werden vollständig enteignet, per Saldo verlieren die SNS-Aktionäre rund eine Mrd. Euro.

Doch die Verstaatlichung der ,,Systembank'' SNS Reaal durch den neuen Chef der Euro-Gruppe, den niederländischen Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, kostet auch den niederländischen Staat und damit den niederländischen Steuerzahler viel Geld. Mindestens 3,7 Mrd. Euro muss die Haager Regierung auf den Tisch blättern, um die SNS-Reaal-Finanzgruppe, die aus einer Bankensparte, einer Versicherungssparte und einem Immobilienfonds besteht, retten zu können.

 

Schuldenstand erhöht sich

Dadurch wird sich die Neuverschuldung der Niederlande in diesem Jahr kräftig erhöhen, sodass Holland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Euro-Stabilitätskriterium eines Budgetdefizits von maximal drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIPs) 2013 nicht einhalten kann. Zudem drohen die Niederlande ihr Triple-A-Rating und damit die höchste Kreditwürdigkeit zu verlieren. Bisher genießen in der Eurozone nur noch Deutschland, Finnland, Luxemburg und Holland diese höchste Bonität bei allen großen Ratingagenturen.

Sollten die Niederlande in ihrer Kreditwürdigkeit auf AA+ zurückgestuft werden, blieben in der Eurozone also nur noch drei Länder mit der höchsten Bonität übrig. „Es gab keine andere Möglichkeit mehr. Mitte Dezember wurde deutlich, dass die Finanzprobleme bei der SNS Reaal viel größer waren, als wir bis dahin angenommen hatten,“ begründete Dijsselbloem die Verstaatlichung der SNS-Gruppe. Er und die niederländische Zentralbank fürchteten ferner einen sogenannten „Bankrun“ auf die SNS, die rund 1,6 Mio. Sparkonten hat und Sparguthaben von 33 Mrd. Euro verwaltet. Im vergangenen Monat wurde bereits rund eine Mrd. Euro an Spargeldern von den SNS-Konten abgezogen.

Zwei Lösungs- und Rettungsversuche scheiterten. Erst war geplant, dass die drei anderen großen niederländischen Finanzinstitute, die ING, die ABN Amro und die Rabobank die SNS-Gruppe übernehmen und sanieren sollten. Das aber scheiterte am Widerstand der EU-Kommission in Brüssel.

 

EU verhinderte Übernahme

Die schob einen Riegel vor, weil die ABN Amrobank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu 100 Prozent verstaatlicht wurde und weil die ING damals eine staatliche Finanzhilfe von zehn Mrd. Euro erhielt, die sie immer noch nicht ganz zurückbezahlt hat. Auch die SNS Reaal musste damals vom niederländischen Staat schon mit einer Finanzspritze von rund 750 Mio. Euro gerettet werden. Der zweite Rettungsversuch, der Verkauf der SNS-Gruppe an Private Equity Fonds, scheiterte ebenfalls. Dem Fonds war das Risiko der Übernahme der völlig verschuldeten Gruppe zu hoch.

Das finanzielle „Fass ohne Boden“ bei SNS ist die Immobiliengruppe Property Finance (PF). SNS hatte das Unternehmen erst im Jahr 2006 für 841 Mio. Euro von der ABN Amrobank gekauft. Genau diese Akquisition hat nun der SNS-Gruppe das Genick gebrochen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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