Was kostet ein schwerer Reaktorunfall?

08.02.2013 | 18:24 |   (Die Presse)

Eine umstrittene Studie sorgt in Frankreich für eine neue Debatte über Atomkraftwerke. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit eines Reaktorunfall „sehr gering“.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Paris/R.b. Wie katastrophal ist eine AKW-Katastrophe wirklich? Und kann man diese Gefahr in Zahlen messen? Diese Fragen beschäftigen Frankreich, seit die Strahlenschutzbehörde IRSN in einer Studie errechnet hat: Die Addition aller in Betracht gezogen direkten und indirekten finanziellen Schäden ergibt 430 Milliarden Euro. Das entspräche rund einem Fünftel des französischen Bruttoinlandsprodukts.

Mehr zum Thema:

Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit eines solchen Desasters „sehr gering“, so der IRSN-Experte Patrick Momal. Aufgrund seiner Evaluation der Folgen eines schweren AKW-Unfalls, dessen Strahlenschäden aber unter Kontrolle blieben, empfiehlt das IRSN zur Verbesserung der nuklearen Anlagen in Frankreich, die ältesten Reaktoren durch neuere der dritten Generation zu ersetzen. Selbstverständlich werden französische Atomgegner eine ganz andere Folgerung daraus ziehen und im Gegenteil einen definitiven Ausstieg aus einer Technologie fordern, die im Extremfall nicht nur folgenschwer für die Bevölkerung und die Natur wäre, sondern auch – wie die Zahlen nun belegen – zu einem finanziellen Desaster werden könnte, das für Frankreich ganz einfach nicht verkraftbar wäre.

Diese Studie war eingeweihten Kreisen bereits seit Dezember 2012 bekannt, sie wurde aber erst am Mittwoch im Kernforschungszentrum Cadarache in Südfrankreich den Medien vorgestellt. Sie basiert auf mehreren Katastrophenszenarien und schließt nicht nur die Kosten einer Evakuierung von rund 80.000 Menschen aus für längere Zeit unbewohnbaren Zonen und unmittelbare wirtschaftliche Einbußen ein, sondern auch Ausfälle für den Tourismus und die Exporte von Agro-Produkten wegen des absehbaren Imageschadens bei einer Katastrophe in der Kernindustrie. Frankreich ist zudem auch ein international wichtiger Exporteur von Kernenergie-Technologie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

4 Kommentare

...sehr gering...

Wer glaubt den finanzierten Propagandaschaas noch...
Eigentlich ist es Verfassungswidrig...Staat hat die Pflicht seun Volk zu schützen...
Es ist eher die Vernichtung und Verkrebsung...Uran238 strahlt 2,5Mrd.... Jahre...Endlager?! Wie alt sind die Pyramiden?? Stell Dir vor,damals hätten die das eingelagert und draufgeschrieben...Vorsicht ;-)

drum sofort noch mehr bauen


Teures Aufräumen in Sellafield


Aufräumen/Abwickeln einer Atomanlage auch nicht billig.

[...] Die Kosten der Aufräumarbeiten in Sellafield werden derzeit auf 67,5 Milliarden Pfund (fast 100 Mrd. Franken) geschätzt. Mit weiteren Kostensteigerungen ist zu rechnen. [...]

http://www.nzz.ch/aktuell/international/nuklearanlagen-teures-aufraeumen-in-sellafield-1.17980232

IRSN, Abkuerzung fier IRrSinN

So auch die Qualitaet der "Studie".

Umfrage

  • Sollen in Wien Tourismuszonen für den Handel eingerichtet werden?
  • Ja
  • Nein
  • Ist mir egal
AnmeldenAnmelden