»Wichtig ist ihnen, dass wir Geschäft bringen«

09.02.2013 | 18:20 |  von Matthias Auer (Die Presse)

Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir selbst ein Handy bauen, sagt Joe Mier von FairPhone.

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Wie wird das weltweit erste fair produzierte Smartphone aussehen?

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Joe Mier: Genau können wir das im Moment noch nicht sagen. Im ersten Jahr arbeiten wir noch mit einem Lizenzmodell von einem existierenden Hersteller, bei dem wir im Grunde nur ein paar Änderungen vornehmen. Später wollen wir auch eigene Technologien entwickeln. Das Betriebssystem wird vorerst wahrscheinlich Android sein. Wir wollen auf jeden Fall eine Open-Source-Software. Für später ist sicher auch Firefox eine Alternative.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass Ihr Handy tatsächlich fair hergestellt wird? Verzichten Sie auf Rohstoffe oder lassen Sie es in Amsterdam zusammenbauen?

Nein. Wir produzieren in einer ähnlichen Fabrik wie andere große Hersteller. Aber wir arbeiten in China mit einer Organisation zusammen, die die Arbeiter auch selbst engagiert und die sich darum kümmert, dass die Arbeitsbedingungen gut sind. Die Rohstoffe beziehen wir im Kongo aus Minen, die wir selbst kennen und die im konfliktfreien Süden liegen. Es ist nicht perfekt, aber offen und transparent.

Wie reagieren die Unternehmen in den Ländern, wenn Sie ihnen das Projekt erklären?

Bis Anfang des Jahres waren wir nur eine Kampagne, und wir haben gemerkt, wenn wir in der Lieferkette wirklich etwas verändern wollen, müssen wir selbst ein Telefon bauen. Jetzt bringen wir ein Handy auf den Markt, das bedeutet, dass sie uns ernst nehmen können. Die Arbeitsbedingungen sind natürlich auch ein Thema. Aber im Grunde sind die Unternehmen einfach froh, wenn wir ihnen neues Geschäft bringen. Das ist wichtig.

Wie finanziert sich das Unternehmen?

Die Waag Society und einige private Investoren haben rund eine drei viertel Million Euro investiert.

Haben Sie auch schon Kunden?

Ab Mai startet der Vorverkauf. 5000Menschen haben online schon ihr Interesse bekundet. Der holländische Netzanbieter KPN hat schon 1000 der geplanten 10.000 Stück, die heuer produziert werden, für sich reserviert.

Kann es überhaupt jemals ein zu 100 Prozent faires Smartphone geben?

Ich weiß es nicht. Das ist unser Traum, aber nichts, was wir heuer schaffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2013)

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