Deutsche Forscher und Politiker für 30-Stunden-Woche

11.02.2013 | 09:45 |   (DiePresse.com)

Um die Arbeitslosigkeit in Europa zu bekämpfen, wollen über 100 Politiker und Forscher die Arbeitszeit radikal verkürzen - bei vollem Lohnausgleich.

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In einem offenen Brief fordern mehr als 100 deutsche Wissenschaftler, Politiker, Gewerkschafter und Publizisten eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Sie sehen darin einen Weg, die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland und Europa zu bekämpfen. Der Brief liegt der Tageszeitung "taz" vor. Zu den Unterzeichner zählen unter anderem die Linksparteipolitikerinnen Katja Kipping und Sarah Wagenknecht sowie der Sozialphilosoph Oskar Negt.

"Ein Überangebot an den Arbeitsmärkten führt zu Lohnverfall", zitiert die "taz" aus dem Brief. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit in Europa gelte es aber zu verhindern, "weiterhin die Krisenlasten der lohnabhängigen Bevölkerungsmehrheit aufzubürden".

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"Ware Arbeitszeit verknappen"

"Wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Projekt Arbeitszeitverkürzung, es kann keine rein tarifpolitische Aufgabe mehr sein", sagt Hein-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftsrecht an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und Mitinitiator des Briefs. "Man muss die Ware Arbeitskraft verknappen, sonst bekommt man die Löhne nicht hoch", so Bontrup.

Er sieht vor allem die Gewerkschaften in der Pflicht und fordert eine Kampagne. Doch in den Vorständen aller großen Gewerkschaften meidet man das Thema. - vor allem, seit die IG Metall 2003 mit ihrem Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland scheiterte. In Österreich brachte die SPÖ erst im Frühling 2012 das Thema aufs Tapet ("Die Presse" berichtete).

(Red.)

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77 Kommentare
 
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Wir leben in einer globalen Welt.

Haben diese Leute nicht Verstand um zu sehen, daß ein solcher Wahnsinn zur massenhaften Abwanderung der Arbeitsplätze nach Ländern mit niedrigeren Lohnkosten führen würde.

Deutschland wäre nicht mehr konkurrenzfähig.

Wie schnell würde OPEL geschlossen, die großen Autokonzerne würden ihre Produktion ins Ausland verlagern, andere Konzerne natürlich auch.

Die Menschen könnten sich Handwerker kaum mehr leisten und Aufträge in die Schattenwirtschaft abwandern.

China und Co. würde jubilieren.

Die LINKEN leben Fern der Realitaet.

Die Woche soll 30 Stunden haben statt 168, und das immer kaelter werdende Klima "erwaermt" sich.

interessant

das heisst also wir haben zuviele arbeitswillige aber zuwenige arbeitsplätze. wenn man die ware arbeitskraft verknappen will um so die löhne hinaufzuschrauben muesste man doch folglich auch die zuwanderung stoppen und niemanden mehr ins land lassen.

hhhmmm.... intressante theorie. oder doch nur ein eingeständnis, dass unkontrollierte zuwanderung nur zu lohndumping fuehrt anstatt 'mehr wohlstand fuer alle' zu schaffen?!?

also irgendwie macht sich 'die linke' hier extrem unglaubwuerdig wenn man sich einerseits fuer laschere zuwanderungsbestimmungen einsetzt und sich gleichzeitig auch noch fuer eine arbeitszeitverkuerzung stark macht um die ware arbeitskraft zu verknappen..... oder wie passt das zusammen? bitte erklärt's mir das....

Europa mit den der Welt besten Handwerker und Meistern würden nur mehr pfuschen und für den Normalbürger wäre bald nichts mehr erschwinglich,

. . . doch der Dritten Welt fehlten diese Mannen, Landwirtschaft und Gewerbe auf modernen Stand zu bringen. Damit hätte Europa auch die grösste, beste Friedenstruppe.

Alle dies linken Ideen wollen letztendlich nur eines:

den gesunden Mittelstand dezimieren!

Denn der Mittelstand ist für diese Linken gefährlich, nämlich Menschen die denken, die sich zu Wehr setzen und nicht so leicht manipulieren lassen, wie die immer mehr nach unten nivellierte "Breite Masse"

Als Lehrer frag ich mich

kriegen wir dann noch 2 Wochen Ferien oder doch die 3 Tage Woche. Es ist eine wichtige Entscheidung zwischen mehr Reisen und mehr Sport.

Re: Als Lehrer frag ich mich

Sollten Sie wirklich Lehrer sein. Nein, dann brauchen Sie nur mehr Montag und Dienstag vormittags in die Schule gehen.

Deutsche Forscher und Politiker für 30-Stunden-Woche

Endlich ein kluger Vorschlag!!

Wozu gibt es denn Computer und Maschinen, frage ich mich schon lange. Damit die Menschen mehr arbeiten oder dass sie das Leben erleichtern? Die technischen Errungenschaften sollte man doch nützen, damit es ein bissel lockerer abgeht, oder!!

Denkfehler

Steht Ihnen ja frei - investieren Sie z.B. in einen Industrieroboter und vermieten sie ihn, leben Sie vom Ertrag.
Oder meinen Sie, jemand anderer soll investieren, und Sie nur den Ertrag genießen?

Re: Deutsche Forscher und Politiker für 30-Stunden-Woche

Ich habe es mir schon immer toll vorgestellt, im Restaurant, im Kafehaus oder im Bezirksamt vielleicht auf dem MA48 Mistplatz von einem Compjuter bedient zu werden. Besonders witzig, wenn ihm der Saft ausgeht. Gehen Sie in die dritte Welt. Dort lernen Sie was der Kampf ums überleben wirklich bedeutet.

Re: Deutsche Forscher und Politiker für 30-Stunden-Woche

Bsp.1: Nehmen wir einmal an, Sie seien Gründer einer Firma, deren Kosten zu ca. 80% aus Personalkosten bestehen. Sie haben diese Fa. bis zu einer Grösse von 20 Personen gebracht.
Nun sinkt (bei gleichbleibenden Kosten) die Anzahl verkaufbarer Stunden um 20%. Bitte entscheiden Sie sich für: Ich erhöhe die Preise; Ich senke die Qualität. Bitte bedenken Sie: Sie stehen in internationalem Wettbewerb und können weder das eine noch das andere diktieren.

Beim Nachdenken über diese Problemstellung werden Sie zumindest feststellen: Das hat mit Maschinen & Computern exakt nichts zu tun.

Bsp.2: Dieser Staat hat eine (nachweislich) überbordende Verwaltung. Was nicht an den Beamten sondern deren Aufgaben liegt (welche ebenso nachweislich nicht zur Debatte stehen). Wie gefällt Ihnen die Idee, noch mehr für diese Verwaltung zu bezahlen?
Gleiche Arbeit dividiert durch weniger Stunden pro Person = ?

Re: Re: Deutsche Forscher und Politiker für 30-Stunden-Woche

Ich gebe Ihnen völlig recht in Ihrer unmittelbaren Sichtweise! Ich sehe die Sache allerdings global! Wie wollen wir mit den Chinesen im Wettlauf bestehen - bei den Arbeits- und Umwelt- und Sozialbedingungen, bei denen die produzieren? Generell - jetzt und irgendwann....

Diese ganze Wettlauf-Wirtschaft ist meines Erachtens zu hinterfragen. Ich bin für Wirtschaft und für Tüchtigkeit - aber bitte: es soll auch eine gute Jetzt-Lebenszeit geben. Also: stressfreier (heißt normalerweise auch gesünder (wie viel an Gesundheitskosten würden wir da sparen und die Leute würden gerne länger arbeiten!!), mehr Zeit für Beziehungen und eigenes, inneres Wachsen....

Diese Frage kann man nur im internationalen Kontext klären! Maschinen und Computer sind fantastisch!! Aber zum Wohle der Menschheit, nicht in einem Wettstreit der Knechtschaft für Unternehmer, Manager und Angestellten!

Re: Re: Re: Deutsche Forscher und Politiker für 30-Stunden-Woche

Ich will nicht ausschliessen, dass ich Ihre Sichtweise nicht vollständig überblicke. Der Wunsch nach mehr Sein und weniger Tun ist für mich durchaus nachvollziehbar, aber ich befürchte, dass Sie die Konsequenz nicht ausreichend würdigen.

Jeder will laufend mehr. Und das betrifft nicht nur die Arbeitenden. Auch das Sozialsystem benötigt jährlich höhere Beträge (nicht nur weil Arbeit krank macht).
Würden Sie auf jede Lohnerhöhung verzichten?

Dieses Wachstum muss erzeugt werden. Und das geht weder mit Schulden (wie in diesen Zeiten - endlich - sichtbar wird) noch mit weniger Arbeit.

Alles kein Problem,

nur sollten die Menschen dann auch damit leben können, daß ihr Gehalt in Zukunft zu den Herstellern der Computer und Maschinen wandert, schließlich erbringen ja jene dann die Arbeit.

Die meisten Menschen arbeiten nicht (nur) weil ihnen sonst fad wäre, sondern weil sie eine Gegenleistung für das Zurverfügungstellen ihrer Arbeitskraft erwarten, und auf diese sogar angewiesen sind.

Natürlich könnte man die eigenen Ansprüche reduzieren, aber in der Praxis sind dazu nur wenige bereit. Wir arbeiten nicht "unlocker" weil es so lustig ist, sondern weil wir sehr hohe Ansprüche haben, die irgendwie finanziert werden wollen.

Re: Alles kein Problem,


Genügsamkeit - wer kann das schon? Das war im Übrigen früher mal eine alte ost- und südasiatische Zier! Bitte, ich persönlich bin für einen Mittelweg. Es gibt einen materiellen Wohlstand, der gut tut. Reichen aber 3 Sterne-Hotels nicht mehr? - ist man schon minderwertig, wenn man nicht in einem 5-Sterner absteigt??

"Gier" - das ewige Nicht-Genug ist eines der größten geistigen Gifte. Sich mit etwas Genug-Geben heißt Glück.


Re: Re: Alles kein Problem,

Das nennt man nicht Glück sondern Stagnation.

Die Menschheit ist nicht zum Mond geflogen weil ein Neanderthaler vor seiner Höhle saß und sich dachte:
Perfekt, das reicht.

Bedauerlicherweise fehlt der gesättigten westlichen Welt mittlerweile der Esprit und wenn wir so weitermachen dürfen unsere Urenkel wieder den Pflug ziehen weil für einen Traktor wird es nicht reichen.

Und der hier arbeitet für 3 Euro in der Stunde und wurde gezielt entwickelt um menschliche Hilfsarbeiten zu übernehmen, bei geringstem Programmieraufwand, ein gewisses menschenähnliches Aussehen inkl. non-verbaler Kommunikation ist übrigens gewollt um die Eingliederung in bislang manuelle Arbeitsprozesse zu erleichtern.

http://www.tech-buddy.net/meet-baxter-a-robot-to-replace-workers/

Ach ja ... 2030 ist "Baxter" gemäß Moores Law übrigens dann auch schlauer als sein Herrchen (die sogenannte technische Singularität)


Es dreht sich im Kreis

Über neue Ideen nachzudenken, sollte möglich sein.

Auf den ersten Blick, gehe ich konform mit allen, die schreien, nein, so ein Unsinn, das geht nicht. Das stimmt natürlich, wenn wir die derzeitige Situation betrachten, wonach der Trend heißt, möglichst niedrige Lohnkosten, hohe Gewinne für Aktionäre und Firmen.

Nach diesem Modell, wäre es dann am besten wir erhöhen die Arbeitszeit auf 80 Stunden, ohne Lohnausgleich, damit könnten wir aus dem Titel Lohnkosten gleich mal eine 50%-ige Steigerung erzielen.

Das impliziert aber auch, es hätte auch früher niemals eine Arbeitszeitreduktion geben können, denn immer waren die Wünsche nach möglichst viel Gewinn im Vordergrund.

Arbeitskosten bestehen nicht per ordre de Mufti,

sondern es sind letztendlich Marktpreise über die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen.

Natürlich kann die Politik versuchen, in dieses Spiel einzugreifen, aber sie muß dann auch mit den ungewollten Folgen dieses Treibens leben.

Wenn man also die Kosten einer Arbeitsstunde um 33% erhöht, verringert sich die Nachfrage. Dies passiert so sicher wie das Amen im Gebet.

Offensichtlich begreifen diese "Wissenschaftler" (und Kommentatoren, die dies "andenken" wollen) die Welt als Nullsummenspiel, in dem die Summe der zu erledigenden Arbeit konstant ist, sodaß sie sich sich besser "verteilen" lässt. (Interesanterweise wird diese Konstanz für das zur Verfügung stehende Kapital nicht angenommen...).

Daß dies blanker Unsinn ist, zeigt sich schon beim Blick ins eigene Leben: Natürlich stört mich die kleine Delle in der Stoßstange vom letzen Einparkvorgang, natürlich gefällt mir eine frisch ausgemalte Wohnung besser als der derzeitige Zustand, trotzdem ist die Nachfrage nach diesen Tätigkeiten auch und vor allem vom Verhältnis Preis/Nutzen abhängig.
Und wenn die Putzfrau auf einmal 33% mehr Lohn für dieselbe Arbeit verlangt, kann ich in den sauren Apfel beißen und zahlen, die Arbeit in Zukunft selbst erledigen, oder einfach einen anderen Standard in puncto Sauberkeit akzeptieren.

Diese angebliche "Idee" ist das ökonomische Gegenstück der "Siemens Lufthaken" - ungeheuer praktisch, aber in der Realität leider unmöglich.

Der falsche Weg

Dallinger hat es meiner Meinung nach mit der Maschinensteuer besser lösen wollen.

Lustig

Weil gerade Fasching ist. Das ein Wirtschaftsprofessor so einen Schw.chsinn mitinitiert ist eigentlich unglaublich.

Anscheinend hat er noch nicht gehört, dass wir in einem internationalen Wettbewerb stehen.

Re: Lustig

Wenn Sie den im Artikel erwähnten Prof. Bontrup meinen: Ein Wirtschaftsrechtler ist kein Wirtschaftsprofessor, sondern ein Jurist.

Ich habe mir die Liste der 100 Unterzeichner übrigens im Original angeschaut. Wirklich Wirtschaftswissenschaftler sind da höchstens 2-3 darunter und das sind solche die schon seit Jahren mit linken Thesen und für linke Anarchogruppierungen (z.B. Occupy oder Attac) durch die Lande ziehen. Der Rest der Unterzeichner sind entweder fachfremde Professoren (universitäre Elfenbeinturmträumer), Gewerkschaftler oder sonstige linke Aktivisten.

Re: Re: Lustig

Danke. Dann muss ich doch nicht an meinem wirtschaftspolitischen Verstand zweifeln. ;-)

Ja, mei: Fasching is!

Da haben sich offenbar ein paar linke Elfenbeinturmträumer und Systempfründler einen Faschingsscherz mit der FAZ erlaubt und die ist voll drauf reingefallen. Denn soviel geballten Nonsens, kann man wohl nur im Karnevalsdauerrausch überhaupt als wissenschaftlich verkaufen.

Re: Ja, mei: Fasching is!

Würde mich gerne mal mit Ihnen persönlich unterhalten. Sie und Lady Manhattan sind zwei Lichtblicke in diesem Presse-Forum.

Offen gestanden,

würde ich mich - vermutlich wie tausenden Andere auch - freuen, weniger Stunden ableisten zu müssen.

Allerdings könnte ich mir - vermutlich - dann nicht mal mehr einen Liter Milch leisten, da die "doppelten" Personalkosten natürlich auf die Produkte, Dienstleistungen etc. aufgeschlagen werden müssten.
Jetzt hätte ich zwar "mehr Zeit" zum Konsumieren, leider aber nicht mehr die erforderliche Liquidität.

Somit ist diese Idee wohl ein Schuss in den Ofen.

Das so eine kommunistische Idee den Weg auf das Titelblatt der Presse schafft ist unglaublich

Viel unglaublicher ist, was diese sogenannten "Experten" den Selbstständigen anlasten wollen!

Eigentlich wollte ich mich selbstständig machen, un mit viel Fleiß einmal etwas aufzubauen, aber bei der derzeitig überproportionalen Belastung von Selbstständigen und KMUs vergeht mir die Unternehmerlust gehörig!

Da bleib ich doch lieber im sicheren Angestelltenverhältnis und hoffe dass ich bald für das gleiche Geld nur 30 Stunden arbeiten geh!

Solche Maßnahmen bringen die Wirtschaft um, und dann gibts noch mehr arbeitslose! Aber was solls, das Volk hat diese Politiker gewählt und muss jetzt die Konsequenzen selber tragen!

Nur eines noch am Rande erwähnt: im Herbst gibts wieder wahlen, wodurch man mit einem Kreuzerl bei der richtigen Partei etwas bewegen könnte!

 
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