Luftfahrt-Riesen klagen Gewerkschaft wegen Streiks

13.02.2013 | 17:53 |   (Die Presse)

Fraport und Lufthansa wollen 9,5 Mio. Euro Schadenersatz. Am Freitag verhandelt das Frankfurter Arbeitsgericht die bisher größte Schadenersatzklage gegen die deutsche Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF).

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[Frankfurt/ES/ag.] Sie sind klein, aber trotzdem mächtig. Ihre Mitglieder sitzen an Schlüsselpositionen, die ein ganzes System im Handumdrehen zusammenbrechen lassen können. Und das wissen sie. Die Rede ist von deutschen Kleingewerkschaften, die Flughafen-Angestellte vertreten: Vorfeldarbeiter, Fluglotsen, Stewards und Stewardessen. Sie alle haben im vergangenen Jahr ganz kräftig die Muskeln spielen lassen. Mit ihren Streiks haben sie Flughafenbetreibern und Fluglinien erheblichen Schaden zugefügt.

Klagen bisher abgeblitzt

Jetzt schlagen die Arbeitgeber zurück. Am Freitag verhandelt das Frankfurter Arbeitsgericht die bisher größte Schadenersatzklage gegen die deutsche Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF). Der Frankfurter Flughafenbetreiber, Fraport, die AUA-Mutter, Lufthansa, und die Air Berlin fordern von der GdF insgesamt 9,5 Mio. Euro Schadenersatz. Es ist bereits die dritte Schadenersatzklage gegen die GdF innerhalb von zwölf Monaten. Bisher sind die Fluggesellschaften mit ihren Klagen wegen eines Streikaufrufs in Frankfurt im Sommer 2011 und eines Solidaritätsstreiks in Stuttgart 2009 aber abgeblitzt.

Der jetzigen Klage liegen die Vorfälle im Februar 2012 zugrunde. Vor gut einem Jahr hatten die rund 200 Vorfeldbeschäftigten des Frankfurter Flughafens zwei Wochen lang (mit Unterbrechungen) ihre Arbeit niedergelegt. 1800 Flüge fielen aus, der Streik verursachte einen Schaden in Millionenhöhe. Die Gewerkschaft forderte 70 Prozent Lohnerhöhung für die Vorfeldmitarbeiter, die etwa für das Lenken der „Follow me“-Autos zuständig sind. Als die GdF dann auch noch die Fluglotsen zu einem Solidaritätsstreik aufrief, erwirkten der Flughafenbetreiber, Fraport, und die Lufthansa mit einer gerichtlichen Verfügung das Ende des Streiks.

Neben der 3500 Mitglieder starken GdF machte auch die UFO, die Organisation unabhängiger Flugbegleiter, die rund 10.000 Stewards und Stewardessen zu ihren Mitgliedern zählt, mobil. Im September brach sie den größten Flugbegleiterstreik der Geschichte der Lufthansa vom Zaun und erkämpfte eine Lohnerhöhung um 3,95 Prozent.

Tarifeinheit als Lösung?

Aber nicht nur in der Luftfahrt ließen Kleingewerkschaften mit selbstbewussten Aktionen aufhorchen. Im März 2011 etwa legte die Minigewerkschaft der Lokführer den deutschen Zugverkehr für einen Tag lahm. Die Welle von Streiks hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst laut darüber nachdenken lassen, ob man den Kleingewerkschaften nicht mit einer gesetzlichen Tarifeinheit den Wind aus den Segeln nehmen sollte: Diese würde Betrieben aus derselben Branche – wie in Österreich – einen einzigen Tarif zur Entlohnung vorschreiben. Passiert ist bisher nichts. Deshalb versuchen die geschädigten Goliaths der Luftfahrt, sich gegen die Davids nun auf dem Klagsweg durchzusetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2013)

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10 Kommentare

Spassvögel!

Sollte das durchgehen kann man ja gar nicht mehr streiken, Wenn diese Gruppen eben so stark sind, sind sie es eben. Pech für die Fluglinien. Und für die Passagiere mag es ja blöd sein, aber da heisst es dann halt Pech gehabt. Andere Berufsgruppen in systemrelevanten Forderungen haben das Alltagsleben von Abermillionen Menschen in noch viel nachhaltigerer Weise "negativ geprägt".

Schlimmer als im Kommunismus

Mittlerweile verdienen Vorfeldarbeiter wie z.B. Followmecarfahrer bis zu 6.400€ und Piloten fliegen um 1.800€/Monat und haben noch dazu 70.000€ Ausbildungskostenschulden am Hals und leben somit schlechter als HARTZ 4 Empfänger. Also ich hab vollstes Verständnis für die Fluglinien. Monopolisten wie Fluglotsen und Vorfeldangestellte sind mittlerweile zu den Gagenkaisern geworden. Fluglotsen in Spanien verdienen bis zu 500.000€/Jahr!!! Die Ferraris vor dem Tower gehören nicht den Businessclasspassagieren sondern den Fluglotsen. Gehälter von Monopolbetrieben gehören endlich eingedämmt, damit wettbewerbsintensive Branchen wie Airlines endlich mal durchatmen können und nicht durch diese Zecken blutleer gesaugt werden.

Re: Schlimmer als im Kommunismus

Na und? Wenn's reingeht ...
Die Manager der Fluglienen verdienen ein x-faches. Das ist auch in keinster Weise verhältnismäßig.

Re: Re: Schlimmer als im Kommunismus

Das heißt in "allerkeinstesterstersterenster" Weise.

die einzigen

die leiden sind passagiere...

Re: die einzigen

falsch. die einzigen die gewonnen haben sind die Passagiere. fliegen ist noch billiger geworden

Ob die eine Chance haben?

Ich bezweifle das, denn am Arbeitsgericht ist der Arbeitgeber immer zweiter!

Re: Ob die eine Chance haben?

bitte nochmal lesen - Vorfeldmitarbeiter sind nicht die Angestellen der Airlines und somit die Airlines nicht die Arbeitgeber, sondern geschädigte Dritte. Das hat mit dem Arbeitsgericht nicht allzuviel zu tun...

Und?

Sollen's halt zu fuss gehen. Ist besser für die umwelt und schadet niemanden.
Präpotenz ist zu glauben, mit geld alles und jeden kaufen oder lenken zu können.
Bravo. Weiter so.

Selbstbewusste Aktionen?

Eher präpotente Erpressung!

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