Unilever wächst schneller als Marktführer Nestle

14.02.2013 | 16:13 |   (DiePresse.com)

Die britisch-niederländische Unilever ist mit der Verlagerung des Geschäfts in die wachstumsstarken Schwellenländer schon weiter ist als Nestle.

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Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle kann mit dem forschen Wachstumstempo des Erzrivalen Unilever nicht Schritt halten. Zwar verkaufte der Schweizer Konzern mit seinem österreichischen Aufsichtsratsboss Peter Brabeck-Letmathe trotz der Wirtschaftsflaute auch 2012 deutlich mehr und steigerte Umsatz sowie Gewinn deutlich. Noch erfolgreicher war aber die britisch-niederländische Unilever, die mit der Verlagerung des Geschäfts in die wachstumsstarken Schwellenländer schon weiter ist als Nestle.

Auch das Wachstum des Konzerns aus Vevey am Genfersee war im vergangenen Jahr vor allem von den Schwellenländern getrieben. In Europa legte der Umsatz um 2,4 Prozent zu, doch in den Schwellenländern war das Wachstum mehr als vier Mal stärker. In diesen Ländern erwirtschaftet Nestle inzwischen 43 Prozent des Gesamtumsatzes oder 39,3 Mrd. Franken (31,8 Mrd. Euro). "Das macht uns zum größten Anbieter in den Schwellenländern in der Branche", sagte Finanzchefin Wan Ling Martello auf einer Investorenkonferenz. Konzernweit wuchs Nestle organisch um 5,9 Prozent und kam auf einen Umsatz von 92,2 Mrd. Franken.

Unilever mehr als Hälfte aus Schwellenländern

Bei Unilever belief sich das organische Wachstum auf 6,9 Prozent. Der britisch-niederländische Konzern erwirtschaftet 55 Prozent der Einnahmen in Schwellenländern. Mehr Mühe haben Wettbewerber wie die französische Danone oder die amerikanische Procter&Gamble, die stärker auf Industrieländer ausgerichtet sind.

Bei Nestle läuft auch das Geschäft in den Schwellenländern nicht ganz rund, das Umsatzwachstum schwächte sich 2012 ab. Im dritten Quartal machte Nestle dafür Sonderfaktoren wie einen Sturm in den Philippinen oder Unruhen in Ägypten verantwortlich. Doch obwohl solche Effekte im Schlussquartal weitgehend ausblieben und das Umsatzwachstum etwas anzog, enttäuschte Nestle die Analysten mit dem Wachstum in der Region Asien, Ozeanien und Afrika.

Gewinnmitnahmen der Anleger

Die Anleger reagierten mit Verkäufen. Die üblicherweise wenig schwankungsanfälligen Nestle-Aktien sackten 2,7 Prozent auf 62,80 Franken ab, während der europäische Branchenindex stabil notierte. "Wir bevorzugen weiterhin Unilever", erklärten die Analysten der UBS. "Unilever hatte in der zweiten Hälfte 2012 ein wesentlich besseres Umsatzwachstum, und wir erwarten, dass die bessere Entwicklung in der ersten Hälfte 2013 anhält." Händler wiesen aber auch darauf hin, dass der Nestle-Kurs am Vortag ein Allzeit-Hoch erreicht hatte. Die leichte Enttäuschung mit dem Jahresabschluss hätten die Investoren deshalb dazu genutzt, Gewinne einzustreichen.

Finanzchefin Martello erklärte, Nestle habe in den Schwellenländern in der zweiten Hälfte mehr Mühe gehabt, Preiserhöhungen durchzusetzen. Dies hat unter anderem mit den in vielen Ländern sehr niedrigen Teuerungsraten zu tun. Die rückläufigen Preise für Rohstoffe, die Nestle verarbeitet, verhalfen dem Konzern aber auch zu einem höheren Gewinn.

 

(APA/Reuters)

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