Deutschland stolpert und Europa fällt

14.02.2013 | 18:23 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Europas Wirtschaft schrumpfte Ende 2012 so rasch wie seit der Finanzkrise nicht. "Schnee von gestern", sagen Ökonomen. In Österreich sei die Talsohle schon durchschritten.

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Wien. Lange Zeit war das deutsche Exportwunder die letzte verlässliche Stütze für Europas Wirtschaft. Nicht so in den letzten drei Monaten des Vorjahres: Schwache Exporte ließen die deutsche Konjunktur einbrechen. Und mit ihr stürzte auch der Rest Europas ab. Ein reales Minus von 0,6Prozent gegenüber dem Vorquartal bedeutet für die Wirtschaft der Eurozone die schlechteste Entwicklung seit Anfang 2009, kurz nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers. Neben Deutschland rutschten auch die beiden anderen Schwergewichte des Kontinents, Frankreich und Italien, überraschend stark ab.

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Dabei ist die Stimmung gegenüber Europa an den Finanzmärkten im Moment so gut wie seit Ausbruch der europäischen Schuldenkrise nicht mehr. Seit die Europäische Zentralbank im Sommer angekündigt hatte, „alles, was notwendig ist“, zu tun, um die Stabilität des Euro zu garantieren, ließ der Druck auf die Währungsunion merkbar nach. Doch in der Realwirtschaft ist das neue Vertrauen, das der Eurozone an den Märkten entgegengebracht wird, noch nicht angekommen. Viele Unternehmer halten sich zurück, die Wirtschaft schrumpft weiter.

 

Fiktive Mieten helfen dem BIP

Nur wenige Volkswirtschaften wie Deutschland oder auch Österreich konnten sich bisher dem Abwärtssog in Europa entziehen. Im vierten Quartal 2012 ist das nicht mehr gelungen. Deutsche und auch österreichische Produkte waren international nicht so gefragt wie erwartet. Die deutsche Konjunktur schrumpfte um 0,6Prozent, die österreichische um 0,2Prozent gegenüber dem Vorquartal. Über das Gesamtjahr gerechnet, liegen beide Länder allerdings im Plus. Die saisonbereinigt größten Zugewinne für Österreich brachten das Bauwesen und der Wohnungs- und Grundstücksmarkt. Sogenannte „imputierte“, also fiktive zukünftige Mieten für neu errichtete Wohnungen und Häuser hätten das heimische BIP Ende des Vorjahres nach oben gezogen, erklärt Jürgen Bierbaumer-Polly vom Wifo.

Glaubt man den Ökonomen, sind die schlechten Zahlen aber kein Grund für Beunruhigung. Die Talsohle, die hier abgebildet werde, sei bereits durchschritten. Zumindest in Deutschland und Österreich, so die einhellige Meinung. Für die gesamte Eurozone sieht der Befund nicht ganz so optimistisch aus. Die Situation bleibt „fragil“, sagt die EZB. Zwar habe die Industrieproduktion in Europa bereits im Dezember wieder an Fahrt aufgenommen und die global besseren Prognosen stützten – trotz stärkeren Euro – die Exporterwartungen des Kontinents. Doch angesichts der Massenarbeitslosigkeit in vielen Ländern sei mit einem Einbruch des Binnenkonsums zu rechnen. In Summe werde die Eurozone „auf der Stelle treten“. Noch vor drei Monaten hatten die EZB-Ökonomen ein Plus von 0,3Prozent für 2013 erwartet.

 

Erstes Quartal wieder im Plus

In Österreich seien die Zahlen aus 2012 „Schnee von gestern“, kommentierten die Chefökonomen der Bank Austria die Konjunkturdaten. Tatsächlich zeigt eine Reihe vieler Indikatoren, Börsen und Konjunkturumfragen wieder nach oben. Der Economic Surprise Index der Citigroup liegt derzeit etwa deutlich über der Nulllinie. Er vergleicht die Wirtschaftsprognosen mit den realen Daten. Läuft es in der Realität besser als erwartet, liegt er im Plus.

„Wir werden in Österreich im ersten Quartal wohl kein Minus mehr haben“, sagt Bierbaumer-Polly. Die OeNB schätzt das Wachstum im ersten Quartal auf 0,2Prozent. Alles innerhalb der statistischen Schwankungsbreite also. Ob sich das Wirtschaftswachstum des Landes knapp über oder unterhalb der Nulllinie einpendeln wird, hängt nicht nur von der Nachfrage im Rest der Welt, sondern auch von der Entwicklung der Schuldenkrise ab. Erst wenn sich die Lage für Europa weiter entspannt, werden Unternehmer wieder den Mut fassen, in die Zukunft zu investieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2013)

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23 Kommentare

Retadierendes Moment

Man glaubt kurz vor dem Ende, dass eine Rettung vielleicht noch möglich wäre, um dann doch in der unvermeidlichen Katastrophe unterzugehen. Das erhöht maximal die Spannung, am Ausgang ändert es Nichts.

Weil es die EU inhaltlich nie über die EWG geschafft hat

wird ihr finanzielles Straucheln gleich in ein Weltuntergangsszenario hineingedeutelt.
Die EU ist so stark wie sie sich zutraut! Amerika ist zusammen mit Japan und Russland weit hinter der EU, nur die Chinesen sind besser! Mit ihnen sollte sich die EU mehr verbünden! Obama hat das schon getan!
Wichtiger wäre es, wenn die EU auch eine wehr/politische Einheit würde! Und genau definierte Wertvorstellungen den BürgerInnen Halt und Sicherheit geben könnten!

Eine ganz teuere EU-Politik

Von allen industrialisierten Laendern in der Welt schneidet die EU am schlechtesten ab durch das Kopieren der USCowboyEkonomie,die 1. Krise 2008 mit $1300 Miliarden Schaden,viele sinnlose,teuere Kriege+Sanktionen aufgezwungen ueber die Nato,nur die Iransanktionen kosten $150 Miliarden/Jahr,Eurokrise durch die unterlassene Kontrolle von den weichen suedeuropaeischen Laendern,wansinnige durch Gewinnbeteiligung angetriebene Spitzengehaelter i/d (Banken)Spekulation-Wirtschaft,Spekulationen in Rohstoffen+Nahrungsmitteln der US kosten der EU jaehrlich 100ten Miliarden $ waehrend China die Produkte direct vom Produzent kauft,Jaehrlich wird die EU von US+Israel gezwungen die Rechnung fuer Palestina zu bezahlen weil die Laender keine Loesung wollen.Demokratisierung vom NahOst was eine historische Chance fuer EU fuer mehr Handel+Freundschaft bedeutet,kann nicht wahrgenommen werden durch die Verbindung mit US+Israel

0 11

Es ist doch normal!

Deutschland stolpert zwangslaeufig. Denn Deutschland hat zu viele Parasiten am Körper. An erster Stelle Österreich, dann Griechenland und und...

Re: Es ist doch normal!

Die Parasiten sind eher die unerwünschten Tür.ken (wie Sie House),
dann doch lieber die Griechen, die sind wenigstens Europäer!

Re: Re: Es ist doch normal!

hihihihihi

Ich bin übrigens auch Europäer! Darf ich bei dir auf der Matte liegen?

Experten

sind das die wie üblich vom Politbüro bezahlten Experten oder einmal unabhängige seriöse. Wenn man jedoch die internationale Wirtschaftspresse ließt steht dort ganz was anderes.

diese "Experten" sind dieselben die die Krise 2009 punktgenau (ha) vorausgesagt haben

aber jetzt wissen sie es auf 0,6 Prozent genau ...

Scharlatane, Alchimisten, Betrüger

oder von Rating-Agenturen bezahlte Verbrecher ...

realer oder nominaler BIP?

weis das jemand? bei über 2% Inflation (gefühlten über 5%) schaut das schon anders aus.

soso

jaja, soso...

"Jürgen Bierbaumer-Polly vom Wifo."

wir haben rekordarbeitslosigkeit und bringen sonst der kosemetik wegen den rest in schulungen.

und wenn man gerade die quatalsverluste von laksmimittal mitbekommen hat, sieht man die nachfrage.

" Seit die Europäische Zentralbank im Sommer angekündigt hatte, „alles, was notwendig ist“, zu tun, um die Stabilität des Euro zu garantieren, ließ der Druck auf die Währungsunion merkbar nach."

wie lange?
das schau' ich mir an.

mit so unterschiedlich starken volkswirtschaften ist das ein (alp-)traum...

wird nie funktionieren.


Als ob in den USA alle Staaten eine gleich starke Wirtschaft hätten...

Sie ziehen halt alle an einem Strang.

In Europa kann man leicht Misstrauen und Neid sähen.

Wir brauchen die EU nicht.

Wir brauchen ein freies Europa.
Wir brauchen ein Mehr an Freiheit und keine Gesetzesflut.

Nur über den Weg des Vertrauens und der gegenseitigen Achtung werden wir aus diesem schwarzen Loch herausfinden.

Folgendes fällt auf:

Allen gehe es schlecht,
nur Österreich nicht ganz so sehr, wenn nicht überhaupt super,
das wird hier gebetsmühlenartig gebredigt. Wem gehört eigentlich die OENB, wer entscheidet die Postenvergabe?
Wir erinnern uns an den Postenschacher zuletzt.
Das sind die Folgen: Lügen
Die Regierung wird nicht eingestehen das etwas falsch läuft. Das mag in guten Zeiten o.k. sein, Reputationpflege sozusagen. In schlechten Zeiten, wie der größten ökonomischen Krise seit 1930, wäre Handlungsfähigkeit angesagt.
Das allbewärte "na wenn wir nix zsammbringen, werns die andern auch nicht" wird sich als Fehler herausstellen.
Hier werden Praktiken angewand, die zugegeben die letzten 50 Jahre funktioniert haben, die jetzt aber einer Vogelstrausstaktik bei Hurricanwarnung gleichen. Die Apologeten der Regierungsparteien überbieten sich täglich mit Jubelmeldungen, der verzahlte Medienchor stimmt ein. Was für eine Insel der Seligen. Was es für mich aber am meisten herausstellt ist der krasse Realitätsverlust der Regierungspolitikier und ihrer Vasallen. Das ist eine insich geschlossene Chlique, wie es scheint, die nicht mehr wissen was in ihrem Land geschied.........bin sehr gespannt was da noch auf uns zukommt

Re: Folgendes fällt auf:

mir fällt folgendes auf: in welche schule bist du gegeangen? du kannst deine deutschlehrer klagen für dein geschreibsel und deine lesetherapeutin gleich dazu, dass sie dir verstehendes und zusammenhängendes lesen nicht beigebracht hat. aber du hast es ja schön hier: die meisten reichen dir ja das wasser...

Re: Re: Folgendes fällt auf:

Zumindest beachtet er, im Gegensatz zu dir, die Groß- und Kleinschreibung.

Re: Folgendes fällt auf:

stimme Ihnen zu, aber die OENB und unsere Politiker haben nichts mehr zu bestimmen in unserem Land.

11 2

Sie lesen

eine Belangsendung der allseits beliebten EU!

fragil

60 prozent der Jugendlichen arbeitslos in Gr, E
das hat nix mit Talsohle oder fragil zu tun
eher " Feuer am Dach" in Europa

0 15

europa muss sich endlich von deutschland befreien


Ganz im Gegenteil (EU ist nicht Europa)

Deutschland muss sich von der EU, und nicht von Europa, endlich befreien.

Das können sie aber nicht. Man hat ihnen seit Jahrzehnten ein Schuldbewusstsein eingetrichtert, dass sie jetzt bereit sind alle Schulden/Sünden/Lasten Europas auf sich zu nehmen.

Somit wüde es nur die von Ihnen vorgeschlagene Möglichkeit überbleiben.

Re: europa muss sich endlich von deutschland befreien

oder von den Sozialisten - siehe unlängst Frankreich

Re: europa muss sich endlich von deutschland befreien

Sie haben recht. Man sollte sich überhaupt aller entledigen, die zahlen und bürgen. Machen nur Probleme diese Typen.

Deutschland stolpert und Europa fällt

von Deutschlands Rücken, weil Deutschland bis jetzt alle mitgeschleppt hat.

... D stolpert

und F liegt bereits am Boden.
Tolle Union!

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