Amazon-Leiharbeiterin: "Vieles wird verdreht dargestellt"

Eine Spanierin, die in der ARD-Doku über Amazon zu Wort kommt, relativiert den Fernsehbericht über die schlechten Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter.

The logo of Amazon Europe Holding Technologies is seen in Luxembourg
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REUTERS

Eine ehemalige Leiharbeiterin von Amazon Deutschland relativiert die ARD-Doku über die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen: "Vieles ist zwar wahr, aber vieles ist auch sehr verdreht dargestellt", sagte die Spanierin dem "Kreisanzeiger". Die Frau kam in der Doku mehrfach zu Wort. Es sei richtig, dass es über die Einschaltung der Zeitarbeitsfirma und die Arbeitsverträge mit geänderten Lohnzahlungen Irritationen gegeben habe, sagt sie. Dass aber die Unterbringung im Hotel Seepark Kirchheim so schlecht gemacht worden sei, sei ihr sehr unangenehm. "Wenn ich mich hier nicht wohlgefühlt hätte, würde ich doch nicht hier arbeiten wollen", sagt die Spanierin, die seit November in dem Hotel arbeitet.

Die Reporter hätten offenbar nur das Negative sehen wollen und in dem Bericht dann ihre Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und mit weiteren, eigenen Erklärungen versehen. Die Leiharbeiter seien in dem Hotel "sehr gut" verpflegt worden, und es sei auch nicht richtig, dass sie mehr oder weniger eingesperrt wurden, so die Frau.

Probleme mit Security

Die Security sei allerdings tatsächlich von vielen als problematisch angesehen worden. Sie selbst habe keine Probleme mit den Aufsehern gehabt, andere jedoch hätten sich durch das Auftreten der Sicherheitsleute provoziert gefühlt und teilweise auch aggressiv auf deren Anweisungen reagiert - dann sei es zu den Problemen gekommen, wie in dem Fernsehbeitrag gezeigt. Laut ARD stehen die Mitarbeiter der Firma namens H.E.S.S. der rechtsextremen Szene nahe. Das Unternehmen hat diesen Vorwurf bereits zurückgewiesen. Amazon hat sich inzwischen von dem Sicherheitsdienst getrennt. Mit der österreichischen Leiharbeitsfirma Trenkwalder arbeitet der Versandhändler hingegen noch zusammen.

Andreas Engelhoven, Geschäftsführer des Seeparks, sagte dem "Kreisanzeiger", dass die Zeitarbeitsfirma auf der Security bestanden habe, um etwaige Sachbeschädigungen für die Versicherung zu dokumentieren.

"Von Thor-Steinar-Kleidung nichts mitbekommen"

Allerdings sei es falsch, dass die Sicherheitsleute eigenmächtig die Ferienwohnungen kontrolliert hätten. Weder hätten sie die Schlüssel noch das Hausrecht dazu gehabt. Begehungen der Wohnungen hätten ausschließlich in Begleitung von Hotelmitarbeitern stattgefunden, im Rahmen des normalen Housekeepings. "Von Thor-Steinar-Kleidung oder anderen Hinweisen auf eine rechtsgerichtete Gesinnung haben weder ich noch meine Mitarbeiter etwas mitbekommen, das hätten wir auch nicht toleriert", wird Engelhoven zitiert. Der Fernsehbericht habe dem Seepark sehr geschadet.

(APA)

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