Moody's stuft Großbritannien von AAA auf Aa1 herab

Großbritannien zahlt den Preis für eine hartnäckige Wirtschaftsflaute und ist erstmals in der Geschichte von einer großen Rating-Agentur herabgestuft worden.

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(c) REUTERS (BRENDAN MCDERMID)

Die Ratingagentur Moody's hat Großbritannien das Spitzenrating bei der Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur senkte am Freitagabend angesichts der rasant steigenden Verschuldung die Bewertung um eine Stufe auf "Aa1" von zuvor "AAA".

Damit können neue Kredite für das Land potenziell teurer werden, weil Geldgeber einen höheren Risikoaufschlag verlangen könnten. Die USA und Frankreich haben im Zuge der Finanzkrise ihre "AAA"-Note bereits verloren. Allerdings hatte dies bei beiden Ländern keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten. Österreich hingegen besitzt bei Moody's noch immer das Spitzenrating.

Auch die anderen beiden großen Ratingagenturen, Standard & Poors und Fitch, haben Großbritannien seit geraumer Zeit auf einem negativen Ausblick. Großbritannien steckt seit der Finanzkrise 2008 tief in der Schuldenfalle. Das Land ist nach internationalen Statistiken mit 86 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschuldet.

Mittelfristige Wachstumsperspektiven

Moody's erklärte am Freitagabend nach US-Börsenschluss, die britische Rückstufung erfolge auch wegen der anhaltenden Schwäche bei den mittelfristigen Wachstumsperspektiven des Landes. Diese werde wohl auch noch einige Jahre hinziehen.

Das liege an einer schwächeren Weltwirtschaft und den Folgen des Sparkurses von Regierung und Unternehmen. Gleichwohl mache die grundsätzlich vorhandene Wirtschaftskraft des Landes und ein politischer Wille eine finanzielle Konsolidierung in Großbritannien möglich.

Der Ausblick für das neue Rating "Aa1" sei jedenfalls stabil. Finanzminister George Osborne erklärte, die Herabstufung sei eine harsche Erinnerung daran, wie Ernst die Schuldenprobleme des Landes seien. Die neue Benotung werde die Entschiedenheit der Regierung verdoppeln, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen.

Ausfälle in Industrie und Einzelhandel

Großbritannien steckte zuletzt von Ende 2011 bis zum zweiten Quartal 2012 in der Rezession. Im vergangenen Sommer gelang dank der Olympischen Spiele in London ein Plus. Doch danach machten dem Land Produktionsausfälle in der Industrie und eine geringere Öl-Förderung in der Nordsee zu schaffen. Eis und Kälte lähmen zudem Einzelhandel und Bau.

Für Verunsicherung sorgen auch die Reformwünsche von Premierminister David Cameron, der Rechte von Brüssel nach London zurückverlagern will und dabei auf Widerstand bei den anderen EU-Staats- und Regierungschefs stößt. Die britische Währung fiel im Zuge dieser Unsicherheit auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr.

"Entscheidung schwächt uns nicht"

Großbritannien will nach dem Verlust der Top-Bonität nicht von seinem Sparkurs abweichen. Der Schritt von Moody's sei eine "deutliche Erinnerung" an die Schuldenprobleme, vor denen Großbritannien stehe, sagte Schatzkanzler George Osborne nach der Bekanntgabe. Er kündigte an, die Regierung werde bei ihrem Sparkurs bleiben. "Diese Entscheidung schwächt nicht unsere Entschlossenheit, mit dem Plan zur wirtschaftlichen Erholung fortzufahren, sie verdoppelt sie", sagte Osborne. Moody's hatte den hohen Schuldenstand von rund 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und das "schleppende Wachstum" als Grund für die Herabstufung angeführt. 2015 wird in Großbritannien neu gewählt.

 

(APA/Reuters/dpa/AFP)

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