Kanada: Die Legende der schmelzenden Geldscheine

Angeblich schmelzen die neuen Plastik-Geldscheine bei Hitze. Tatsächlich dürften die Kanadier von aneinanderklebenden Banknoten sogar profitieren.

Kanada Wenn Geld schmilzt
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(c) Reuters (Mark Blinch)

Bereits Anfang des Jahres hatte Kanadas Notenbank Ärger mit ihren neuen Dollarnoten. Auf den 20-, 50- und 100-Dollar-Noten ist nicht die kanadische Version des Nationalsymbols Ahornblatt zu sehen, sondern eine norwegische Art (mehr dazu...). Davor hatte der neue 100-Dollarschein schon einmal für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Auf einem frühen Entwurf war das Gesicht einer Frau mit asiatischen Zügen zu sehen. Vorgestellt wurde dann aber eine Version mit einer europäisch aussehenden Frau, wie "Wall Street Journal Deutschland" berichtete. Der damalige Notenbank musste sich schließlich entschuldigen.

Nun ist der auf synthetischen Polymerscheinen hergestellte Dollar erneut in die Kritik geraten: Die Plastikscheine vertragen offenbar Hitze nicht allzu gut. Berichte über in der Sonne zusammengeschmolzene Scheine wurden bislang zwar nicht bestätigt, doch der Fall einer Frau aus der Provinz Ontario bereitet der Zentralbank tatsächlich Kopfschmerzen. Sie bekam von der Bank of Canada 800 Dollar ersetzt. Ihr Sohn hatte acht 100-Dollarscheine in eine Blechdose gesteckt und diese in der Nähe eines Heizkörpers versteckt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Als die Frau das Geld ihres Sohnes auf der Bank einzahlen wollte, waren diese zusammengeschrumpft.

Durchsichtig, glatt und schwer zu falten

Dabei sollten die neuen Scheine laut Süddeutsche-Bericht doppelt so dauerhaft sein wie Papiernoten. "Zum Beweis wurden sie gekocht, gefroren und in Waschmaschinen mit Kaffeepulver, Murmeln, Schrauben und synthetischem Schweiß getestet." Zudem halten die neuen Scheine laut Notenbank-Sprecherin Julie Girard Temperaturen von bis zu 140 Grad Celsius aushalten.

Der Hintergrund: 2011 führte Kanada neue Geldscheine auf Polymer-Basis ein. Für viele Kanadier sind sie gewöhnungsbedürftig: Sie sind teilweise durchsichtig, glatt und schwer zu falten. Kanada ist übrigens nicht das erste Land mit solchen Geldscheinen. Zuvor hatten Australien und Neuseeland ähnliche Banknoten problemlos eingeführt.

Scheine kleben aneinander

Zwar häuften sich im Sommer 2012 die Medienberichte über schmelzende Geldscheine, tatsächlich dürfte das Phänomen aber eher eine Randerscheinung sein. 400 Millionen neue Scheine zirkulieren laut Bericht mittlerweile in Kanada. Bis November 2012 wurden aber nur 315 Fälle mit beschädigten Polymernoten bekannt. Im Vergleich: In Zeiten der Papierscheine hat es jährlich rund 3000 Fälle gegeben.

Ein weit größeres Problem als schmelzende Scheine dürfte das Aneinanderkleben der Banknoten sein. Vor allem über den neuen 20-Dollar-Schein ärgern sich die Kanadier. "Die Noten kleben aneinander, sodass man sie nicht richtig zählen kann", beklagt ein Literaturprofesesor im Ruhestand in dem Zeitungsbericht. Doch auch viele Geldautomaten haben Probleme. Offenbar kommt es öfters vor, dass ein Geldschein zu viel ausgegeben wird. Entsprechende Kunden-Rückmeldungen erfolgen in diesen Fälllen aber verständlicherweise eher zurückhaltend.

(phu)

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