"Gierig, arrogant, verlogen": China greift Apple an

Chinesische Staatsmedien attackieren den US-Konzern Apple wegen seiner Garantie-Richtlinien. Auch die Regierung könnte bald eingreifen.

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Gescholtene Firmen wie Apple müssen mit Absatzeinbrüchen rechnen – AP

Seit Tagen befindet sich der US-Konzern Apple in der Schusslinie der chinesischen Staatsmedien. Das unternehmen sei „gierig, arrogant und verlogen", schreibt etwa "People's Daily", das von der englischsprachige "South Morning Post" aus Hongkong zitiert wird. "People's Daily" wirft Apple demnach vor, für die im Westen typische Demonstration von Überlegenheit zu stehen und chinesische Kunden zu beleidigen. In einem Kommentar wird Apple gedroht: "Wenn ihr weiterhin so rücksichtslos seid, wird sich das negativ auf das Geschäft auswirken - egal wie glamourös oder erfolgreich die Marke ist".

Hauptkritikpunkt sind die Garantie-Richtlinien in China. Sei beispielsweise ein iPhone fehlerhaft, würde dies in den meisten Ländern kostenlos umgetauscht werden. In China sei das aber nicht der Fall. Analysten vermuten, dass bald auch der Staat eingreifen wird. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hat die Regierung bereits angekündigt, die Branche schärfer zu regulieren und zu kontrollieren. Chinesische Firmen wie Lenovo oder Huawei sollen dagegen stärker gefördert werden.

Apple und VW im Staats-TV angeprangert

Losgetreten wurde die Kampagne am 15. März, dem Internationalen Tag für Verbraucherrechte. An diesem Tag schießt sich das chinesische Staatsfernsehen CCTV jedes Jahr auf bestimmte Unternehmen ein. Gescholtene Firmen müssen mit Absatzeinbrüchen rechnen in einem Markt, der in drei Jahren im Einzelhandel der größte der Welt sein dürfte. Diesmal traf es neben Apple auch den Autobauer Volkswagen, der wegen Getriebeproblemen kritisiert wurde. Im Gegensatz zum IT-Konzern reagierte VW prompt und kündigte an, den Problemen nachzugehen.

Auch sonst ist es für Apple in China derzeit nicht besonders gemütlich. Der Elektronikhersteller steht im Juli erneut wegen eines Patentstreits vor Gericht. Nach Angaben des Software-Unternehmens Zhizhen Network verstößt Apples Spracherkennungsprogramm Siri gegen die Patentrechte. Zhizhen Network meldete sein Patent nach eigener Darstellung im Jahr 2004 an, drei Jahre vor dem Start von Siri. Erst 2012 hatte Apple einen Streit mit einer chinesischen Firma um die Namensrechte am "iPad" mit einer Zahlung von 47 Millionen Euro beigelegt.

Blogger unterstützen Apple

Kritische Blogger aus China stehen Apple jedenfalls zur Seite, wie die "South Morning Post" berichtet. Einer mutmaßt: "Vielleicht hat Apple ja nicht seine Schutzgelder bezahlt?" Ein anderer: "Es liegt daran, dass Apple keine Werbung auf CCTV schaltet". Und ein dritter meint: "Wenn wir schon über Arroganz reden, warum dann nicht über die riesigen staatlichen Betriebe?"

(APA/AFP)

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