Banken: Riesenverlust in der Ukraine

Immer mehr Finanzkonzerne ziehen sich aus der Ukraine zurück. Auch Österreichs Banken haben dort über eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt.

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Banken Riesenverlust Ukraine – (c) APA (RAIFFEISEN INTERNATIONAL)

Wien. Nach Ungarn und Slowenien wird für die Banken auch die Ukraine immer mehr zum Problemfall. Die schwedische Swedbank hat am Dienstag angekündigt, dass sie sich aus dem osteuropäischen Land zurückziehen wird. Bereits 2011 stellte sie dort das Privatkundengeschäft ein. Bis Mitte dieses Jahres sollen die restlichen Einheiten verkauft werden. Das seit 2007 bestehende Engagement in der Ukraine bescherte der Swedbank einen Verlust von 1,2Milliarden Euro.

Die Schweden stehen nicht allein da. Laut „Presse“-Informationen haben auch Österreichs Banken in der Ukraine in Summe eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt. In keinem anderen osteuropäischen Land kämpfen die Finanzkonzerne mit so vielen faulen Krediten wie in der Ukraine. Einer Studie der Bank Austria zufolge gibt es bei 30 Prozent aller vergebenen Darlehen Rückzahlungsprobleme. Zum Vergleich: In Ungarn sind es „nur“ 19 Prozent und in Slowenien 13,1 Prozent.

Vor der Swedbank verabschiedete sich bereits die deutsche Commerzbank aus der Ukraine. Die in Kiew ansässige Tochter wurde an die lokale Smart Group abgegeben. Über die Jahre hinweg verlor die Commerzbank in dem osteuropäischen Land hunderte Millionen Euro.

 

Teure Zukäufe vor der Krise

Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise galt die Ukraine als Hoffnungsmarkt. Auch Österreichs Banken kauften sich dort teuer ein. Die Bank Austria übernahm 2007 für 1,5 Milliarden Euro die Ukrsotsbank, das sechstgrößte Institut des Landes. In den vergangenen Jahren musste der Wert der Tochter in mehreren Wellen um 827 Millionen Euro abgeschrieben werden. Anders als in Kasachstan sei aber kein Rückzug aus der Ukraine geplant, versicherte ein Banksprecher. Denn operativ laufe das Geschäft nicht so schlecht. 2012 verbuchte die Ukrsotsbank einen kleinen Vorsteuerverlust von vier Millionen Euro.

Im Gegensatz zur Bank Austria entschied sich die Erste Bank, der Ukraine den Rücken zu kehren. Die dortige Tochter wurde vor Kurzem an eine lokale Investorengruppe verkauft. Die Erste Bank war in der Ukraine alles andere als erfolgreich. Seit Beginn der Geschäftstätigkeit im Jahr 2007 summierten sich die Verluste auf 250Millionen Euro. Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hatte die Ukraine einst als „aussichtsreichen Markt“ bezeichnet.

Glück im Unglück hatte die Raiffeisen Bank International (RBI). Sie erwarb 2005 die ukrainische Aval-Bank mit drei Millionen Kunden. Der Kaufpreis lag bei einer Milliarde US-Dollar (780 Millionen Euro). Nach Ausbruch der Finanzkrise führte Raiffeisen bei der Tochter eine Kapitalerhöhung durch. Gleichzeitig wurden tausende Arbeitsplätze abgebaut. Trotzdem machte Raiffeisen in der Ukraine keine so hohen Verluste wie Bank Austria und Erste Bank. Die Giebelkreuzer profitierten davon, dass sie gleich nach der Übernahme der Aval-Bank die schon länger bestehende Raiffeisenbank Ukraine für 650 Millionen Euro an die ungarische OTP veräußerten. RBI-Chef Herbert Stepic wollte in der Ukraine nicht mit zwei Töchtern vertreten sein.

Im vierten Quartal 2012 rutschte die Raiffeisen Bank International dennoch in die Verlustzone. Schuld daran war unter anderem eine Firmenwertabschreibung auf die Aval-Bank von 29 Millionen Euro. Ein Rückzug aus der Ukraine ist aber laut Raiffeisen nicht geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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