Chefetagen bleiben Männerdomäne

Ein Viertel der deutschen Börsenfirmen hat keine einzige Frau im Vorstand oder Aufsichtsrat.

Chefetagen Frauenqoute
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Chefetagen Frauenqoute – (c) dapd (Nigel Treblin)

Wien/Apa/Dpa. In Deutschland sind nach wie vor fast 90 Prozent aller Vorstands- und Aufsichtsratsposten in börsenotierten Firmen mit Männern besetzt. Der Frauenanteil liege bei 11,1Prozent, wie die Managerinnen-Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) am Dienstag mitteilte. In einem knappen Viertel der im DAX, MDAX, TecDAX oder SDAX notierten Firmen sei die Führung komplett frauenfrei: Von 160 untersuchten Betrieben gebe es 38, in denen keine einzige Frau im Vorstand oder im Aufsichtsrat sei.

Seit der letzten Erhebung vor zwei Jahren sei der Frauenanteil in den höchsten Management- und Kontrollgremien in Deutschland um 4,6 Prozentpunkte gestiegen. Fidar spricht von einer „Verbesserung in homöopathischen Dosen“. Damit sich etwas ändere, müssten mehrere Frauen in Führungspositionen eines Unternehmens sein. Am 31.März sei der Anteil weiblicher Aufsichtsräte bei 16,2Prozent und jener weiblicher Vorstände bei 5,9 Prozent gelegen. Fidar fordert eine gesetzliche Frauenquote, damit der Anteil steigt.

 

Deutschland gegen Frauenquote

Eine gesetzliche Frauenquote ist aber offenbar in weite Ferne gerückt. Gegen einen entsprechenden Vorschlag von EU-Justizkommissarin Viviane Reding regte sich zuletzt heftiger Widerstand – auch Deutschland stellte sich dagegen: Es sei nicht Aufgabe von Brüssel, den Mitgliedstaaten vorzuschreiben, wie private Unternehmen ihre Führungsgremien zu besetzen hätten, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Deutschland werde aktiv gegen die Initiative vorgehen.

In den börsenotierten Unternehmen in Österreich beträgt der Frauenanteil in den Vorständen laut einer Untersuchung der Arbeiterkammer 3,3 Prozent. In den Aufsichtsräten sind es laut der Erhebung 11,6Prozent. In den größten börsenotierten Unternehmen in der EU sind 17 Prozent der Aufsichtsräte Frauen. Spitzenreiter ist mit 46 Prozent Norwegen, wo es allerdings eine gesetzliche Frauenquote gibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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