Deutschland: Totale Flaute bei Windkraft vom Meer

02.04.2013 | 18:31 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Offshore-Windparks galten als Prestigeprojekt der Energiewende. Doch hohe Kosten und Risken schrecken Investoren ab. Dafür boomen günstigere Windräder an Land.

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Berlin. Riesige Rotoren auf offener See, in den Meeresboden gerammte Stahlfundamente: So wurden Offshore-Windparks zum Symbol der deutschen Energiewende. Viel schien für den sauberen Strom von der Nordsee zu sprechen: Der Wind weht dort stärker und konstanter als auf dem Land, er lastet die Anlagen die Hälfte statt nur ein Drittel der Zeit aus. Die Kosten sind zwar hoch, aber der Fortschritt ist ja nicht aufzuhalten. Netzanbindung, Wartung, Finanzierung? Das kriegen wir schon hin, hieß es in der ersten Euphorie. Sie ist einer allgemeinen Ernüchterung gewichen.

Die Kraftwerke im Meer könnten sich zu einem schlimmen Strompreistreiber entwickeln. Immer mehr Experten und Politiker wenden sich daher von ihnen ab. Letzter Tiefschlag: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen nennt sie in einer aktuellen Analyse einen „ökonomischen und technologischen Irrläufer“ und fordert die Politik auf, neue Projekte zu stoppen. Dabei setzen Länder wie Großbritannien, Dänemark oder China mit einigem Erfolg auf maritime Windräder. Das Problem in Deutschland: Die Anlagen in der Nordsee müssen bis zu 100 Kilometer vom Festland entfernt gebaut werden. Wegen der vorgelagerten friesischen Inseln und des seichten Wattenmeeres, aber auch wegen strengerer Auflagen: Die Windräder dürfen vom Festland aus nicht sichtbar sein. Also müssen sie in etwa 40 Meter Tiefe verankert werden, was die Baukosten erheblich erhöht. Auch die Wartung erweist sich als aufwendiger als erwartet. Es fehlen Umspannstationen, Spezialschiffe für den Transport und Fachkräfte, die sich bei all dem auskennen.

Ein einziges Testfeld, Alpha Ventus in der Deutschen Bucht, ist seit Ende 2009 voll in Betrieb. Sechs weitere Parks sind im Bau, zwei davon liefern schon teilweise Strom. Das ergibt erst zwei Prozent der zehn Gigawatt, die sich die Regierung als Etappenziel für 2020 gesetzt hat. Nur etwa sechs Gigawatt dürften es werden. Bis Ende 2015 stellt man dazu fast 800 Windräder in Nord- und Ostsee. Ab dann aber herrscht totale Flaute. Weitere Projekte müssten längst unter Dach und Fach sein. Doch dafür fehlen die Investoren.

Sie wurden auch durch den langen Streit um den Netzanschluss verschreckt. Der Netzbetreiber Tennet soll die Kabel ans Festland verlegen, ist aber knapp bei Kasse und fürchtet Haftungsansprüche, wenn es zu Pannen kommt. Erst vor Kurzem einigte sich das holländische Staatsunternehmen mit Berlin. Nun müssen die Verbraucher mit einer „Offshore-Umlage“ die Risken tragen. Unklar bleibt hingegen, wie stark eine geplante „Strompreisbremse“ die Rendite neuer Projekte drücken wird. Für die Banken, die zu 70Prozent finanzieren müssten, ist das Fazit aus all dem klar: Sie lassen die Finger davon.

 

Mehr Fortschritt auf dem Festland

So steigt die Nervosität in den norddeutschen Hafenstädten. Mit viel Geld haben sie Häfen und Werften ausgebaut, die neue Energiequelle sollte ihren Wirtschaftsmotor antreiben. Erstaunlich gelassen reagieren hingegen die Windkraft-Lobbyisten auf die gekippte Stimmung. Denn derweil sprießen die Windräder auf dem Land wie überdimensionale Pilze aus dem Boden. Trotz hunderter Bürgerinitiativen boomt die „Onshore“-Windkraft, weit stärker als ursprünglich erwartet. Mit der Praxis geht der Fortschritt einher: Die Anlagen werden günstiger und effizienter, nützen auch schon eine sanftere Brise. Zwar sind die besten Plätze vergeben, aber nun wird der Wald als Standort entdeckt. Entsprechend höhere Windräder bringen dort mehr Leistung und sind optisch weniger störend.

Das größere Einsparungspotenzial bei Offshore erarbeiten sich inzwischen andere Länder. Darin kann für Deutschland eine schlaue Strategie liegen, meint die SPD. Auch das Fraunhofer-Institut und der Thinktank Agora Energiewende rechnen vor: Wenn man den Offshore-Ausbau zehn Jahre lang auf Eis legt und dann auf die gereifte Technologie zurückgreift, könnte man jährlich zwei Milliarden Euro sparen. So fänden sich die Deutschen in einer ungewohnten Rolle wieder: als Trittbrettfahrer der globalen Energiewende.

Auf einen Blick

Die Offshore-Windenergie hat in Deutschland viel an Kredit eingebüßt. Weil die Windräder im Meer langsamer und in geringerer Zahl gebaut werden als geplant, fehlt es an Erfahrung. Die Technologie bleibt teuer. Auch bei der Netzanbindung gibt es Probleme. Im Gegenzug boomen Windparks auf dem Land, die günstiger und effizienter werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2013)

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4 Kommentare

schiefergas ist immer noch am besten!

das ist extremst billig, en mas vorhanden, beliebig speicherbar, schafft bei der gewinnung zig arbeitsplätze ist vielseitig einsetzbar (heizen, szromerzeugung, mobilität) und verursacht wenig co2.

die USA machens vor und haben gezeigt dass die technologie in gegensatz zu den windradln ausgereift ist.

außerdem kann (schiefer)gas strom genau dort erzeugen wo er verbaucht wird, auch den leitungsbau erspart man sich weitestgehen denn alle ballungsgebiete verfügen bereits über eine leistungsfähige leitungsinfrastruktur.

und nun....

So lange ist das schon her, dass ich genau auf diese Probleme hingewiesen habe. Alle haben mich zuerst ausgelacht, dann angefeindet und einen "Verräter" an der ökologischen Sache geheißen. Und nun.....

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Re: und nun....

Naja das liegt daran, dass Leute sehr schnell von einer Sache ab irgendeinem Zeitpunkt voreingenommen sind und danach teilweise aus
Sturheit (nein, ich habe keinen Fehler gemacht oder will nicht die Schande des öffentlichen Eingestehens erleben),
Faulheit (mir ist es zu mühsam über die Kritik nachzudenken und die Argumente des Kritikers zu überprüfen/verifizieren, weil ich Experten fragen müsste),
Ignoranz (ach das ist sicher nur ein Spinner oder Atomlovbbyist) oder
Ideologie (ich will, dass das so aus ideologischen Gründen gemacht wird, denn nur so werden die Menschen befreiter/sozialer/antikapitalistischer)
den eingeschlagenen Weg nicht mehr andern können/wollen.

Es gibt keinen schlimmeren Verrat als am eigenen Gewissen und nur die wenigsten haben den Mut dazu, was sie wirklich wissen.
https://www.youtube.com/watch?v=zeGzrL3kNwI&feature=youtube_gdata_player

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Re: und nun....

Ich nicht.

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