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Schulden: Staaten handeln auf Basis von falscher Studie

Schuldenkrise Staaten richten sich
Schuldenkrise Staaten richten sich / Bild: (c) REUTERS (EDUARDO MUNOZ) 

Die Schuldenpolitik der EU und der USA richtet sich nach einer Harvard-Studie. Doch diese stellt sich nun als falsch heraus.

 (DiePresse.com)

Anlässlich der Schuldenkrisen in den USA und der Eurozone hat der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff im Jahr 2010 in einem 24-seitigen Bericht manifestiert: Wenn ein Staat eine Verschuldung von 90 Prozent der Wirtschaftsleistung ("Verschuldungsquote") aufweist, wächst er wesentlich langsamer als wenn er darunter liegt.

Von da an war die 90-Prozent-Grenze als Benchmark in der Staatsschuldenkrise eingemeisselt. Auch für das Handeln der Politiker war die Grenze die oberste Maxime. Beim G-20-Gipfel am kommenden Freitag will die EU diese Grenze für ihre Mitglieder durchsetzen. Auch in den USA ist das Ergebnis der Untersuchung Gegenstand der politischen Debatten. Bloß: Die Studie ist falsch.

Excel-Fehler

Die Ökonomen Thomas Herndon, Michael Ash und Robert Pollin aus Massachusetts haben Rogoffs Werk durchgerechnet und kamen zu ganz anderen Ergebnissen. Hatte Rogoffs Studie besagt, dass das Wachstum in Volkswirtschaften mit einer Schuldenquote von 90 Prozent stagniert, ergab die neue Berechnung, dass sie noch immer um 2,2 Prozent wachsen.

In Rogoffs Untersuchung gibt es gleich mehrere Fehler. Zum einen wurden in einer Excel-Datei verschiedene Werte bei der Berechnung vergessen. Weiters wurden nicht alle vorliegenden Daten verwendet, manche Jahre wurden ausgelassen. Und: In der Studie sollen Einzelfälle zu stark gewichtet worden sein.

Fehler zugegeben

Nachdem die Fehler Rogoffs bekannt wurden, gab es auf Twitter einen Sturm der Entrüstung. Die Meldung über die falsche Prozentzahl ist Wasser auf die Mühlen jener, die für höhere Staatsausgaben sind, wie zum Beispiel Paul Krugmann. "Einige von uns haben nie daran geglaubt. Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ein großer Teil der angeblichen Resultate womöglich auf nichts anderem als schlechter Berechnung beruht", schreibt Krugman in seinem Blog.

Die Autoren der falschen Studie verteidigen sich nun in der Financial Times. Sie geben zwar die Fehler in ihren Excel-Berechnungen zu, der Rest der Studie sei aber in Ordnung.

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170 Kommentare
 
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Wie sagte ein langjähriger Chef und Freund immer:

"Man kann sich gar nicht so verschätzen wie man sich verrechnen kann". Und da die meisten Volkswirtschaftler kaum je in der praktischen Wirtschaft gearbeitet haben und in ihrem Wolkenkuckucksheim an Theorien und (heutzutage mathematischen) Modellen verstrickt sind kommen auf ihre Fehler selbst nicht drauf - und von Anderen lassen sie sich ja nichts sagen.

Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ein großer Teil der angeblichen Resultate womöglich auf nichts anderem als schlechter Berechnung beruht",

Na klar, das hätt sich gleich ein jeder denken können, dass eine Verschuldungsquote von 90 % nicht soo dramatisch ist.

Wer weiß, was sich noch alles herausstellen kann, wenn man es von anderen Ökonomen nochmals so richtig durchrechnen ließe....

Und der Schluss daraus wäre?

NOCH MEHR SCHULDEN??? Da würde ich aber dann kein Excel oder kein Havard mehr bemühen, der Hausverstand vom Billa reicht dann vollkommen aus um zu sehen, was dieser Krugmann ist: ein H I R N I

tja ..

ist ja auch eine durch unfähige politiker und wähler verursachte staatschuldenkrise und keine eurokrise...

genauso wie es kein excelfehler, sondern ein formelfehler im excel verursacht durch einen schlampigen benutzer war :-)

Nicht zuletzt

hat der Euro dazu beigetragen, dass sich viele EU-Länder auf Basis billiger Eurokredite zu hoch verschuldeten und nun vor einem Dilemma stehen, aus dem sie nicht mehr rauskommen werden. Wie es dazu überhaupt kommen konnte und wie man die Menschen vor Einführung dieser (politischen) Währung belogen (!) hat, das kann man heute auf 3-sat um 20Uhr15 sehen. http://programm.ard.de/Programm/Jetzt-im-TV/der-grosse-euro-schwindel/eid_280079748160987?hour=20&list=main&first=1

Kettenbriefe?

Nahezu alle westlichen Industriestaaten haben Schulden in ähnlicher Höhe (90% vom BIB). Offensichtlich gibt’s am Planeten nicht annähernd so viele Gläubiger-(Staaten) um die Schulden in Balance zu halten (System Chaos). China allein kann diese astronomischen Mühlsteine sicher nicht kompensieren!
Das ist doch wie ein Kettenbriefsystem!
Mittelfristig hilft sich der Staat durch verdeckte Inflation. Der VPI wird künstlich niedrig ausgewiesen, in Wahrheit ist er wahrscheinlich schon zweistellig. Jede Hausfrau, die einkauft, weiß das mittlerweile. Auch die ASVG-Pensionisten werden Jahr für Jahr glatt rasiert (Armutsfalle). Der Staat als Schuldner kann dadurch leicht durchatmen. Wie lange noch?

Re: Kettenbriefe?

Wenn der VPI künstlich niedrig ausgewiesen wird, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt, wird auf der anderen Seite das reale Wachstum zu hoch geschätzt. Das reale Wachstum wird ja aus dem nominellen Wachstum minus Teuerung berechnet.

Re: Kettenbriefe?

davon lebt doch die post, oder?

auch schon betrug?

Re: Re: Kettenbriefe?

das macht doch die welt rund?

Re: Re: Re: Kettenbriefe?

wechselkredite? verbriefte?

Re: Re: Re: Re: Kettenbriefe?

post zusperren, alle email.

Re: Kettenbriefe?

Ex Broker verarscht das System: Stacy und Keiser sind echt lustig und sprechen schon lange von einem Ponzi Schema: http://www.facebook.com/KeiserReport?fref=ts

Daraus erhellt, dass Nationalökonomie keine Wissenschaft ist.

Sie turnt von einer Annahme zur anderen, sieht Gesetzmässigkeiten wo keine sind und ist von ideologischen Positionen durchsetzt.

Wenn Nationalökonomie keine Wissenschaft ist,

was dann? Pädagogik?

36,3%

"Vergleicht man die Schuldenquote der Schweiz mit den grossen europäischen Staaten, stellt man fest, dass die Werte seit der Finanzkrise wie die Klingen einer Schere auseinanderlaufen. Die Eidgenossenschaft macht den anderen Nationen solide Finanzpolitik vor."

No comment!

Re: 36,3%

Eine Bemerkung dazu:

Diesen Umstand verdank die Eidgenossenschaft nicht etwa besseren Politikern oder der besonderen Intelligenz seines Staatsvolkes, sondern ausschliesslich der verfassunsrechtlich verankerten Schuldenbremse. Und diese wiederum wurde durch das Instrument der direkten Demokratie - und somit vom Stimm- und Wahlvolk - "erzwungen".

Man beachte die Entwicklung der Staatsschuldenqoute und der absoluten Verschuldung seit Einführung der Schuldenbremse:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schuldenbremse_(Schweiz)

MfG

verfassungsrechtlich verankerte Schuldenbremse ?

Pfui.
Sie werden ja wissen, was die Linken davon halten ?

Re: verfassungsrechtlich verankerte Schuldenbremse ?

Besten Dank. Eben deshalb habe ich mir den Hinweis auf das Mittel der direkten Demokratie nicht verkneifen können. Wenn Ihr dieses in Österreich installieren würdet, könnten Euch die parteipolitischen Standpunkte zumindest zu einem grossen Stück egal sein ;-)

MfG

Grundsätzliche Feststellungen

Einige grundsätzliche Feststellungen:

1. Auch Elite-Universitäten und Elite-Professoren scheinen zeitweilig (durchaus stümperhafte) Fehler zu produzieren,

2. Wir haben es damit also mit einem Freibrief für höhere Staatsausgaben und einem möglichen Ende der Austeritätspolitik zu tun,

3. Es gäbe einen simplen Lösungsansatz: Ein nachhaltiges (!) ausgegelichenes Staatsbudget aufzustellen (und einzuhalten) dürfte nicht schaden, dann sollte sich diese Diskussion erübrigt haben.

Re: Grundsätzliche Feststellungen

Sie haben einmal mehr den Nagel auf den Kopf getroffen (besser gesagt: dreimal auf den Kopf getroffen).

Endlich Schulden machen ohne Rücksicht auf die Kinder !!


Alle Staatsgläubigen werden sich freuen !!

Die Schweizer schütteln den Kopf, sie wissen halt nicht , was echter Sozialismus alles kann.


Re: Endlich Schulden machen ohne Rücksicht auf die Kinder !!

Sozialismus wäre, wenn das neue Geld an alle verteilt würde. Kapitalismus, wenn es die Banker bekommen. Wir haben Kapitalismus.

Und der Krugman hats - wie immer - eh schon gewusst.

Aber ¡niemand! hat auf ihn gehört.

Nachrechnen

Wie sämtliche Fehleinschätzungen der sog. Ökonomen basiert auch diese darauf, dass jahrelang keiner nachgerechnet hat und sog. wissenschaftliche Ergebnisse als Wahrheit übernommen wurden. Nicht genügend - setzen.

Re: Nachrechnen

Das hab ich mir auch gleich gedacht, als ich den Artikel gelesen hab. Und mit solchen Fehleinschätzungen, die sich bei näherer Überprüfung als haltlos wenn nicht als ein Nonses (siehe Studie über Verdienstentfall der Wehrpflichtigen, mit der Darabos hausieren gegangen ist) herausstellen, wird dann Politik gemacht.....

Professorentheologie... Re: Nachrechnen

Das ist die alte religiöse Masche.

 
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