Studie: Geld macht doch glücklich

24.04.2013 | 17:05 |  Von Jeannine Hierländer (Die Presse)

Die Harvard Business School hat den Wohlstand neu vermessen. Genauer gesagt, den gesellschaftlichen Fortschritt. Am zufriedensten sind die Menschen in den Ländern, die auch am reichsten sind.

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Wien. Alternative Wohlstandsindikatoren sind in Mode. Bhutan hat einen, die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auch. Im Deutschen Bundestag wird an einem getüftelt, wie auch in der Statistik Austria. Die Annahme: Geld allein macht nicht glücklich, und deshalb sage das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu wenig darüber aus, wie gut es den Menschen in einem Land tatsächlich geht. Das BIP umfasst alle Güter, die eine Volkswirtschaft innerhalb eines Jahres erzeugt. Auf die Zahl der Bürger aufgeteilt (BIP-Pro-Kopf) ist es der gängigste Indikator, um den Wohlstand eines Landes zu messen.

Nun hat sich auch die Harvard Business School gemeinsam mit der internationalen Unternehmensberatung Deloitte darangemacht, den Wohlstand neu zu vermessen. Genauer gesagt, den gesellschaftlichen Fortschritt. Untersucht wurden für den „Social Progress Index“ 50 Länder, Österreich war vorerst nicht dabei. „Sozialer Fortschritt“ ist für die Forscher die Fähigkeit einer Gesellschaft, die Grundbedürfnisse ihrer Bürger zu erfüllen und es ihnen zu ermöglichen, ihre Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten. Am besten kann das dem Index zufolge Schweden, gefolgt von Großbritannien, der Schweiz, Kanada und Deutschland. Die USA landen auf dem sechsten Platz.

Österreich wäre unter Top Ten

Dass Schweden das Ranking anführt, ist wenig überraschend. Schließlich verbinden die meisten Menschen mit Schweden vor allem Gutes: großzügiges Sozialsystem, Lebensqualität, nette Menschen, gleichberechtigte Geschlechter, willkommene Zuwanderer, reformfreudige Politiker. So landete Schweden auch im OECD-Better-Life-Index des Jahres 2011 auf dem dritten Platz nach Australien und Kanada. Aber die Schweden sind eben nicht nur zufrieden, sondern mit einem BIP-Pro-Kopf von 41.467 US-Dollar auch ziemlich reich. Wie auch die anderen Länder auf den Spitzenplätzen beim BIP-Pro-Kopf ganz vorn liegen. Wenngleich Wirtschaftswachstum also nicht gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Fortschritt ist, wie der Projektverantwortliche Michael E. Porter sagt, ist eine solide Wirtschaft doch die Basis für gesellschaftlichen Fortschritt. Das sehen auch die Verantwortlichen für den Social-Progress-Index so: „Man kann das BIP wohl nicht ersetzen, aber es wäre sinnvoll, es durch einen zweiten Indikator zu ergänzen“, sagt Bernhard Gröhs von Deloitte.

Denn Zufriedenheit und Wohlbefinden der Gesellschaft seien entscheidend für die politische Stabilität eines Landes. „Sie können das BIP steigern bis zum Gehtnichtmehr und trotzdem sozialen Unfrieden haben“, so Gröhs.

In einer nächsten Runde soll auch Österreich hinsichtlich des gesellschaftlichen Fortschritts untersucht werden. „Ich vermute, dass Österreich unter den ersten zehn Ländern liegen wird“, sagt Gröhs. Die OECD hat die Lebensqualität in Österreich schon unter die Lupe genommen: 2012 landete die Alpenrepublik im Better-Life-Index auf Platz 14.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2013)

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1 Kommentare

Es gbt zahllose Wohlfahrtsindikatoren, aber Geld ist immer dabei!

Geld bekommen macht eher glücklich als Geld haben.
Kein Geld zu haben macht aber immer unglücklich!

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