Geldverstecke: "Schwarze" Milliarden in Steueroasen

03.05.2013 | 18:14 |   (Die Presse)

Bis zu 32.000 Milliarden Dollar werden nach Angaben des Tax Justice Network - teils über komplizierte Konstruktionen - in Offshore-Steuerparadiesen versteckt. Den Oasen droht nun aber rapide Austrocknung.

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New york/Bloomberg. Die laufende Scheidungsklage des russischen Milliardärs Dmitri Rybolowlew und seiner Frau Elena gibt einen seltenen Einblick in einige der ausgeklügeltsten Möglichkeiten, die die Reichsten der Welt nutzen, um ihr Geld an den Steuerbehörden vorbeizulotsen.

Wohlhabende Individuen verstecken nach Angaben des Tax Justice Network bis zu 32.000 Mrd. Dollar im Ausland. Mehr als 30 Prozent der 200 reichsten Menschen der Welt kontrollieren Teile ihres Privatvermögens indirekt über ausländische Holdinggesellschaften oder andere Konstrukte. Diese Strukturen verstecken häufig Vermögenswerte vor Steuerbehörden oder bieten eine rechtliche Absicherung vor potenziellen Verstaatlichungen und Klagen.

Im Fall von Rybolowlew läuft die Scheidungsklage seit fast fünf Jahren und umfasst mindestens sieben Länder. Dabei wirft Elena Rybolowlewa ihrem Mann vor, sich einer „Vielzahl von Drittparteien“ zu bedienen, um ein Netzwerk von Offshore-Holdinggesellschaften und Stiftungen zu schaffen, um dadurch Vermögenswerte außerhalb ihrer Reichweite zu verstecken. Sie fordert von ihm sechs Mrd. Dollar. Dabei geht es unter anderem um Kunstwerke für etwa 500 Mio. Dollar, Juwelen für 36 Mio. Dollar und eine Yacht für 80 Mio. Dollar. Die Klagen laufen in der Schweiz, auf den britischen Virgin Islands, in England, Wales, den USA, Zypern und Singapur. Das Vermögen von Rybolowlew wird auf 9,5 Mrd. Dollar geschätzt.

Rybolovlew, der in Monaco lebt, machte den größten Teil seines Vermögens mit dem Verkauf von zwei russischen Kaliproduzenten für acht Mrd. Dollar. Er hielt Uralkali und Silvinit über eine Madura Holding mit Sitz in Zypern.

In Deutschland gründete Dieter Schwarz, der zweitreichste Mensch des Landes, im Jahr 1999 eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Darin befinden sich seine Diskonterketten Lidl und Kaufland, die gemeinsam den größten privaten Nahrungsmittelhändler Europas bilden. Der 73-Jährige kontrolliert über die Dieter-Schwarz-Stiftung (eine von der Steuer befreite Gesellschaft) ein Vermögen von 23,6Mrd. Dollar. Rund 0,1 Prozent davon hat er für wohltätige Zwecke gestiftet.

Vielfach werden Vermögen aber Offshore gehalten. Wer sich ein Offshore-Konto zulegen wolle, müsse dafür nicht sonderlich tief in die Tasche greifen, sagt Anwalt Waleri Tutychin von der Genfer Kanzlei John Tiner & Partners, die sich auf Vermögensverwaltung spezialisiert hat. Gewöhnlich würden solche Gesellschaften etwa 1500 Dollar kosten, russische Studenten würden so etwas bereits für 200 Dollar anbieten.

Selbst die angesehensten Firmen verlangen für Offshore-Konstrukte nicht viel mehr, wobei Milliardäre häufig noch „zehntausende Dollar“ für Anwälte und zur Sicherung der Diskretion ausgeben.

Allerdings wird es immer schwieriger, Vermögen international zu verstecken. Viele traditionelle Fluchtländer, darunter die Schweiz und Liechtenstein, haben das Fluchtgeld-Geschäftsmodell praktisch schon aufgegeben, andere, wie etwa die britischen Karibik-Oasen oder Singapur, geraten immer stärker unter Druck, zu kooperieren. „Wir leben in einer Welt, in der einem nur zwei Möglichkeiten bleiben: sich an die Regeln des Landes zu halten, in dem man wohnt, oder es zu verlassen, wenn man nicht nach den Regeln spielen will“, sagt der Hongkonger Steuerberater Philip Marcovici, der auch im Verwaltungsrat des Liechtensteiner Vermögensberaters Kaiser Partner Group sitzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)

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21 Kommentare

Wenn ich mir viele...

wahnsinnige Kommentare hier im Forum ansehe kann ich einen jeden "Reichen" verstehen der sein Vermögen in Sicherheit bringen will. Auch in Europa. Offenbar glauben sehr viele Wappler dass ihnen aus welchem eingebildeten Grund auch immer ein Teil des Vermögens eines anderen zusteht, nur weil es in die Millionen oder Milliarden (und hier auch meistens nur aufgrund Aktienvermögen mit all seinen Schwankungen und Risken) geht. Der Schlusssatz des Artikels trifft aber die Entwicklung aufgrund des zunehmenden Überwachungsstaates perfekt: Bleibt hier und zahl, oder schleich dich. Und das ist vielleicht auch sogar das BESTE Druckmittel wie VIELLEICHT Staaten mit obszöner Besteuerung (zB Ö) wieder zur Vernunft kommen. Wenn die Leute, und hier die "Systemerhalter" mit Geld, mit den Füssen abstimmen und gehen. Das hat schon im Mittelalter in Europa funktioniert (Stichwort "Stadtluft macht frei"). Und damals sind auch die Herrscher am Land wie heute die obszönen Hochsteuerländer, fuchsteufelswild herumgehüpft, haben die Unterdrückerung der Zurückgebliebenen "als Strafe" nochmals verstärkt, haben ihre Schergen in die Städte losgeschickt um die "fahnenflüchtigen" Verräter an der gottgewollten Ordnung nach Hause zurückzuschleppen. Und es hat nichts genutzt. Und dann begann das Umdenken..........

und wie bitte

kommt man mit ehrlicher arbeit zu 140.000 Millionen Schilling?

Das ist Beihilfe am Raub von Hunderten Milliarden Euro am russischen Volk!

kurz: schwerste Wirtschaftskriminalität, Mafia, Krieg


Re: und wie bitte

frag das mal all jene welche gerade die Regierung bilden, denn die Herkunft samt verschwendung dieser Gelder ist da wie dort die selbe !

Korrekt

Auswandern ist die einzig sinnvolle Lösung, wenn man den Steuerwahnsinn entgehen will!!

Jein

In der Tat kann man einige staatliche Ausgaben kritisieren, in wie weit sie überhaupt Aufgabe des Staates sind und ob dabei immer und überall Effizienz herrscht.

Andererseits, wohlhabend wird man nur durch die Umwelt, insofern ist es mehr als fair seinen Anteil beizutragen. Wenn aber ausgerechnet jene, die ganz besonders viel verdienen oder besitzen nun anfangen zu jammern und herumzuknausern, obwohl sie nach Steuerabzug noch immer reich sind, dann wird es absurd und lächerlich.

Man sollte dann wie die USA die Steuerpflicht nicht nach Hauptwohnsitz, sondern nach Staatsbürgerschaft festlegen und zudem auch alle Einkommensteile bzw. Gewinne aus einem Land vor Überweisung nicht nur die Einkommenssteuer abziehen, sondern auch noch gleich etxra mit einem Vermögensabzug belegen.


Wehe, wehe...

wenn ich auf das Ende sehe:

hohe Steuern führen zu immer geringeren Steuereinnahmen, und letzlich bricht jedes sozialistische System in sich zusammen, da den korrupten Parasiten das Geld der anderen Leute ausgeht.

Re: Jein

Die Steuerpflicht sollte sinnvollerweise dort sein, wo der Wert erwirtschaftet wird.

wenn kleidung in bangladesh prodzuziert wird, dann sollen die auch etwas davon haben.

Wohlhabende Individuen verstecken nach Angaben des Tax Justice Network bis zu 32.000 Mrd. Dollar im Ausland. Mehr als 30 Prozent der 200 reichsten Menschen der Welt kontrollieren Teile ihres Privatvermögens indirekt über ausländische Holdinggesellschaften oder andere Konstrukte.

da wie dort übnerall das Selbe; sofern man imens viel geld hat, hat man auch sämtliche Möglichkeiten es zu verstecken und vermehren, während vielen Völkern Sparprogramme auferlegt werden und diese immer ärmer werden ?!

Vision: Internet- Proskriptionslisten

Wird wohl nicht mehr lange dauern, bis sämtliche der etwa eine Million umfassende Gruppe der Superreichen im Internet stehen werden.
Samt geschätztem Vermögen und Wohnadressen.
Fein gestaffelt nach Ländern - eine Art "Super-Forbes", mit Liebe zum Detail.
Ein WIKI-MONETARIA z.B.

Frage mich nur, was dann mit den Leuten passieren wird, sollten sich griechische und spanische Zustände epidemisch ausweiten.
Zu welchen Mitteln die geprellten Massen wohl greifen werden?

Europas soziale Marktwirtschaft muss sich abschotten

. . . weg mit dem grenzenlosen Kapitalismus, den Großbanken und Multinationalen.

Steuer

Wenn Steuersätze wie in Europa derartig hoch sind, man relativ schlechte Gegenleistungen vom Staat erhält (zB Wartezeiten bei Ärzten, Pisa Studie) oder für viele Dinge (Autobahn Maut, Studiengebühren) extra zahlt, wenn viel Geld zugunsten einer sozialen Gerechtigkeit (Gemeindebau, Arbeitsloses Grundeinkommen, Griechenland) bezahlt wird - wen wundert das bitte? Machen wir alle Steueroasen dicht und dafür eine Flat Tax von 20% für alle in Europa.

das ist nur die spitze des steueroaseneisberges - die 32 Billionen dollar wurden den völkern, arbeitnehmern, familien u alten(Pensionen) geraubt. und dies mit hilfe und untersützung vieler politiker u staaten


und alles fleißige und anständige leistungsträger

wie unsere övpler

Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

und wie stehts um all die roten Kapazunder namens Vranz und Androsch .... beispielsweise welche ihr Geld ebenso anderswo versteckt haben bzw (auch ebenso) in Billiglohnländer flüchten ?

Re: Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

Sie meinen wahrscheinlich VranziSCHECK Raffnitzky? Sein kollegiales Pendant: Fürst Androschsky. Des is der mit den hundert Anzügen. Da gab´s damals selbst vom großbürgerlich anghauchten „Sonnenkönig“ ein gewaltiges Donnerwetter.

Re: Re: Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

....inseratischeck bitte nicht vergessen .. wenn jemand 7 mio für inserate zahlen lässt, wo sich jeder schwer tut zu sagen, wieviel die inserate wirklich wert waren, kommt man schon ins grübeln ....

Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

.... und ewig stinkt die löchrige rote Socke .....

Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

Klar, 9 Milliarden erwirtschaftet man ja mit den eigenen Händen. Sowieso...

Re: Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

2 unternehmen um nix aus einer privatisierung ergattert (ergaunert?)weil man zufällig vladimir kennt und 10 jahre später wieder verscherbelt. jetzt wird er von der gattin besteuert das ist gerechtigkeit.

Re: Re: Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

ergaunern ist eine verharmlosung!

Das ist ganz brutale Wirtschaftskriminalität!

soetwas läuft nur mit Korruption und mit Genehmigung von ganz oben.

Re: Re: Re: Re: und alles fleißige und anständige leistungsträger

so wie die vermutliche erpressung von 7 mio steuergelder ? oder die alternativlose versenkung von 16 mrd euro steuergelder bei der "versicherung" griechischer staatsanleihen (kleine frage .. wer war eigentlich die gegenpartei der derivate .. etwa gar goldmann sachs ? :-)

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