Anleihenmarkt: Zentralbanken verdrängen Investoren

Auf dem Anleihenmarkt spielen die Notenbanken dieser Welt eine zunehmend größere Rolle. Mit ein Grund, warum die Renditen auf immer neue Rekordtiefs sinken.

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Krise: Zentralbanken verdrängen Investoren
Krise: Zentralbanken verdrängen Investoren – (c) REUTERS (LARRY DOWNING)

Wien/Bloomberg/Red. Zentralbanken und Kreditinstitute drängen andere Investoren zunehmend aus dem Anleihenmarkt. Und das, obwohl das weltweite Anleihevolumen wächst.

Die Analysten der US-Bank JP Morgan haben errechnet, dass Notenbanken und Verwalter von Devisenreserven derzeit rund 32 Prozent der global im Umlauf befindlichen Anleihen besitzen. Im Jahr 2002 lag der Anteil noch bei 15 Prozent. Durch die geplanten Anleihenkäufe der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Bank of Japan dürfte dieser Anteil vermutlich auf 35 Prozent steigen.

Sieht man sich den sogenannten Multiverse Bond-Index (eine Mischung aus Staats- und Unternehmensanleihen) der britischen Bank Barclays an, mutet die Verteilung noch drastischer an: Dort halten Pensionsfonds, Versicherer und andere Investoren nur noch rund 45 Prozent der Bonds, während der Anteil von Notenbanken und Banken auf 55 Prozent gestiegen ist.

Die Zentralbanken haben im Zug der Finanzkrise eine Politik des lockeren Geldes eingeläutet, um eine Rezession und Turbulenzen an den Märkten zu vermeiden. Klassische Banken versuchen wiederum, Staatsanleihen zu kaufen, um neue Kapitalauflagen erfüllen zu können. Anderen Investoren steht dadurch ein geringerer Anteil an Anleihen zur Verfügung.

 

Anleihen kaufen um jeden Preis

Die Flucht in Anleihen hat in der jüngeren Vergangenheit zu immer geringeren Renditen geführt. Deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren werfen beispielsweise nur noch eine Rendite von rund 1,4 Prozent ab. Im April 2011 lag diese noch bei knapp 3,5 Prozent. Zum Teil zahlen Investoren Staaten sogar eine Prämie, damit sie diesen Geld zur Verfügung stellen können. „Nach fast allen traditionellen Wirtschaftsmodellen würde man zu dem Schluss kommen, dass Bonds überbewertet sind“, sagt Jack McIntyre, Vermögensverwalter bei Brandywine Global Investment Management. „Die Zentralbanken kaufen – unabhängig vom Preis – weiter ein, weil sie das müssen. Solang das der Fall ist, bleibt weniger für alle anderen übrig, die gerade jetzt Bonds am meisten brauchen.“ Bis dato sieht es allerdings nicht so aus, als ob die Zentralbanken in nächster Zeit etwas an ihrer Geldpolitik ändern würden. Erst vergangenen Monat hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum gesenkt.

 

Sichere Anlagen gefragt

Allein das US-Finanzministerium dürfte im laufenden Jahr Staatsanleihen im Volumen von 777 Mrd. Dollar begeben. Es mehren sich allerdings die Spekulationen, wonach die Fed ihre geldpolitischen Maßnahmen reduzieren könnte. In diesem Jahr waren die Anleihenemissionen jedenfalls mehr als dreifach überzeichnet, wie Zahlen des US-Finanzministeriums zeigen.

Ungeachtet dessen dürfte der Bedarf an sicheren Anlagen – und dazu zählen Staatsanleihen – bis zum Jahr 2020 um bis zu 5,7 Billionen Dollar steigen. Dahinter stehen nicht zuletzt neue US-Finanzmarktregeln, wie der Dodd-Frank Act und die Kapitalanforderungen der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die das Reformpaket Basel III ausverhandelt. Sie machen es erforderlich, dass mehr Papiere mit Spitzen-Rating als Absicherung gegen Verluste gehalten werden.

„Eine Menge Liquidität befindet sich in Warteposition und ist bereit, bei jedem Rückgang sofort einzusteigen“, sagt Aaron Kohli, Zinsstratege bei BNP Paribas.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2013)

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