OMV: Aus der Traum vom Global Player

26.06.2013 | 18:09 |   (Die Presse)

Erdgas aus Aserbaidschan wird nicht über die Nabucco-Pipeline nach Österreich geliefert, sondern über die eines Konkurrenten nach Süditalien.Die OMV bleibt auf 50 Millionen Euro an Planungskosten sitzen.

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Wien/Rie. In Giuseppe Verdis Oper steht Nabucco für einen König, der sich zu Gott machen will und dafür mit Wahnsinn bestraft wird. Im Wirtschaftsleben steht der Name seit 2002 für ein Projekt, das die OMV zu einem der großen Player machen sollte: eine Pipeline, die Erdgas aus dem Osten über Österreich nach Europa bringt. Gestern ist dieser Traum geplatzt: Die riesigen Vorkommen in Aserbaidschan werden über das Netz eines Konkurrenten transportiert. Damit bleiben der OMV nur hohe Entwicklungskosten – mit Wahnsinn wird sie immerhin nicht bestraft.

Genaue Beobachter der Wiener Börse ahnten seit Dienstagvormittag, dass sich bei der OMV etwas tut. Die Aktie machte einen deutlichen Sprung nach oben, bis gestern Mittag stieg sie um 5,3 Prozent. Offenbar waren ein paar Investoren besser informiert als andere, die erst Mittwochvormittag exklusiv auf der „Presse“-Homepage erfuhren, was sich bei Österreichs größtem Mineralölkonzern tut: Das Shah-Deniz-Konsortium hat vor einigen Tagen entschieden, Erdgas aus Aserbaidschan über die Transadriatische Pipeline (TAP) nach Süditalien und nicht über Nabucco nach Baumgarten an der March zu liefern. Für Anleger war das eine gute Nachricht, weil hohe Investitionen vorerst ausbleiben.

Überraschend war die Entscheidung für die Betroffenen zumindest nach eigenen Angaben nicht: „Wir haben die Chancen für unser Projekt bei weit unter 50 Prozent gesehen“, meinte OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss bei einer Pressekonferenz Mittwochmittag. Ob er enttäuscht sei? „Enttäuschung ist keine Dimension für einen Manager.“

Außerdem hat man bei Nabucco mit Rückschlägen zu leben gelernt. Die Pipeline-Pläne mussten immer wieder überarbeitet werden, der Baubeginn wurde mehrmals verschoben. Anfangs sollte die Gasleitung bis an die türkisch-georgische Grenze gehen, am Ende reichte sie nur bis an die türkisch-bulgarische. Von dort hätte sie 1300 Kilometer nach Niederösterreich führen sollen.

Die Konkurrenz führt ihre Pipeline über Griechenland 900 Kilometer nach Italien (siehe Grafik auf Seiten 2, 3). Diese Strecke soll auch der Ausschlag für TAP gewesen sein: Das Konsortium bekomme für sein Erdgas in Griechenland und Italien höhere Preise. Über politische Hintergründe für die Entscheidung – lange Zeit war Nabucco von der EU als Prestigeprojekt unterstützt worden – wollte Roiss am Mittwoch nicht spekulieren. Nur mit dem Gas aus Aserbaidschan wäre Nabucco wirtschaftlich gewesen.

(c) APA / "Die Presse" OMV: Aus der Traum vom Global Player

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50 Millionen Euro für Planung

Nach eigenen Angaben hat die OMV bisher 50 Millionen Euro in die Planung der Pipeline investiert. Die Gasleitung hätte dreieinhalb bis vier Milliarden Euro gekostet (beim ursprünglichen, größeren Projekt war von Kosten bis zu 15 Milliarden Euro die Rede). Die Planungskosten seien aber „nicht verloren“, meinte der OMV-Chef. Denn der Energiekonzern überlegt, eine Pipeline zu bauen, um eigene große Gasfunde vom Schwarzen Meer nach Westeuropa zu bringen. Der „größte Gasfund unserer Geschichte“ wurde ursprünglich mit 42 bis 84 Milliarden Kubikmeter angegeben. Die Obergrenze gilt nach manchen Informationen jetzt bereits eher als Untergrenze.

Derzeit erhebe man die genaue Größe des Gasfeldes, in ein bis eineinhalb Jahren werde man das Volumen kennen. Dann stelle sich die Frage, mit welcher Dimensionierung oder Route man eine mögliche Pipeline errichte. Möglich wäre eine jährliche Lieferung von sechs Milliarden Kubikmeter. Roiss: „Unser Ziel ist es, eigenes Gas zu finden und zum Kunden zu bringen. Europäisches Gas für europäische Kunden.“

 

„Versorgung gesichert“

In Reaktionen auf die gestern bekanntgewordene Entscheidung bedauerte der staatliche OMV-Kernaktionär ÖIAG das Aus für Nabucco. Es sei „zweifellos schade für die Region“. Aber auch ohne diese Leitung werde man die OMV „erfolgreich weiterentwickeln“.

Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) meinte, die Versorgungssicherheit Österreichs sei weiterhin gewährleistet. Ausschlaggebend sei, dass „endlich eine Pipeline verwirklicht werden kann“.

Die Grünen meinten, Nabucco sei an seiner Überdimensionierung gescheitert. Für das BZÖ bedeutet das Aus einen „schweren Rückschlag im Bestreben, eine unabhängigere Energieversorgung Europas sicherzustellen“.

Auf einen Blick

Die Erdgasleitung Nabucco sollte Gas aus dem Kaspischen Meer über Österreich nach Europa bringen. Die OMV hat das Vorhaben 2002 initiiert, jetzt ist es endgültig gescheitert. Dennoch könnte der Öl- und Gaskonzern eine Pipeline für eigene Gasfunde im Schwarzen Meer errichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2013)

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181 Kommentare
 
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Wo ist Rudi....

Kemmler?????? Macht er sich doch sonst immer medial wichtig. Ist er nicht mehr Aufsichtsrat der OMV????
Oder hat er vor lauter Pseudoterminen im Ausland keine Zeit sich um die ÖIAG Firmen zu kümmern?????

Gehts hier um

Österreichs Energiepolitik - oder nur um die "Anleger"?

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50 mio.

für eine chance, unter 50%. Hört sich für mich nach Glücksspiel an, und die Politik mischt munter mit, hurraa

was glauben diese österr wer sie sind - eure ganze wirtschaft hängt von kaufkraft von ausländern ab


jetzt weinen sie wegen ein paar eure nach wie die kleinen kinder
mama mama mama meine schoko haben sie gestohlen

2 0

Nach eigenen Angaben hat die OMV bisher 50 Millionen Euro in die Planung der Pipeline investiert.

an welches Planungsbüro ???

Ausserdem; bezahlt dies ja bisher schon der gequälte Privatkunde mittels hoher Energiepreise, da Verbilligungen nie oder nur selten und dann nur sehr spät, an den Endkunden weitergegeben werden !

Solange aber so Figurellas wie ein Mittelerlehner und Anhang ministerell dabei zusehen, solange wird sich am fehlenden (nicht gewollten) Wettbewerb, auch nichts zugunsten der Kunden ändern !

Gäbe es nur einen Wettbewerb wie den im Mobilfunks (daraus hatte man seitens der Telelkom gelernt), würde man sich als Privater sehr viel an Energiekosten ersparen können.

So aber nimmt man umso höher der Grundpreis ist, auch mehr Steuern und Abgaben ein ..... weshalb sich daran nichts ändern wird dürfen, solange solch Praseiten am Ruder sind !

Re: Nach eigenen Angaben hat die OMV bisher 50 Millionen Euro in die Planung der Pipeline investiert.

Sie können bei Mol, Shell, Jet, Roth, Eni, BP....

kaufen. ist das zuwenig Wettbewerb?

das Gros am spritpreis sind steuern, Regen die sich bei der Regierung auf!

0 0

Re: Nach eigenen Angaben hat die OMV bisher 50 Millionen Euro in die Planung der Pipeline investiert.

oder Konjunkturpaket, Förderung, ...

1 3

Wie viel kostet die Blamage?

Österreich steuert in Richtung Anschluss! In letzter Zeit misslingt fast alles. Daher ist Österreich in Deutschland besser aufgehoben!

Wieso?

Weil Deutschland derzeit auch fast alles misslingt?

Flughafen? Bahnhof? Energieversorgung?

Erbe von Ruttenstorfer

Er hat viel verbrannte Erbe hinterlassen, Von geplatzen MOL Deal bis Nabuco. Wie eine davor gut geführte Firma in so kurzer Zeit so viel geld verbraten konnte ist mir unklar. Da kann ich die Erleichterung von Roiss verstehen! Die Anleger werden jubeln!

Re: Erbe von Ruttenstorfer

MOL nicht zu bekommen war das größte Glück der omv in den nullerjahren!

Re: Re: Erbe von Ruttenstorfer

Es war ein Abenteuer, das zum Glück nicht geklappt, aber sehr viel gekostet hat und riesen Mittel langfristig gebunden hat. Ohne jede Rendite.

statt französisch etwas türkisch lernen . azerbaycaner sind türken und sprechen türkisch ???????????????????


sonst gibt es kein brot

die österreicher schlafen sie sollten mehr austro türken in die politische nationalmannschaft holen


mehr chancen für diese jugend geben und nicht ignorieren

die besten krieger der osmanen waren die christen .... warum ??????? warum ???????

dann läuft alles ganz anders

ein bisschen denken leute denken - sonst gibt es kein brot

Re: die österreicher schlafen sie sollten mehr austro türken in die politische nationalmannschaft holen

Was geben Sie eigentlich von sich?

Re: Re: die österreicher schlafen sie sollten mehr austro türken in die politische nationalmannschaft holen

sehen sie genau das .. das meine ich .. sie sind unverbesserlich .. KEIN HIRN

Österreichs internationaler wirtschaftlicher Ruf hat halt durch die Kanzlerschaft Faymann ordentlich gelitten

einem Land das so jemandem zum Kanzler wählt würde ich auch nicht langfristig trauen.

Und das ist sicher auch mit ein Grund.

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Ähnlich wie die "Schulmediziner" wollen auch die Regierenden mit ihren Aktivitäten vorwiegend eins:

AUCH IN DER ZUKUNFT GEBRAUCHT WERDEN. Gewählt werden.

Wirtschaftliche Rückschläge,

vor allem im Osten, werden eigentlich seit längerm vorprogrammiert. Es ist eben in diesen Regionen sehr selten möglich, bei vollinhaltlicher Einhaltung der heutigen (moralischen) Regeln in's Geschäft zu kommen bzw. im Geschäft zu bleiben.

Natürlich gibt es auch noch andere Gründe des Scheiterns. Erst die Summe an (Fehl-) Entscheidungen und Möglichkeiten ergibt ein Scheitern. Man sollte aber die erste Einschränkung nicht als nebensächlich abtun (China - Turkmensitan).

wer besser schmiert,

fährt besser - gerade die Erdölindustrie sollte das wissen.

Ich sag mal so:

Die OMV ist weniger erpressbar (geworden) mit dem Nicht-zustande-Kommen von Nabucco.

Die Grafik beweist: alles unsichere Kantonisten, von denen und durch die das Gas hätte kommen und fließen müssen.

Die 50 Mio € Entwicklungskosten werden abgeschrieben oder auf die Konsumenten abgewälzt. Kein Problem.

Fazit: Ende gut, fast alles gut.

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Sind die Leute in Österreich wirklich so naiv?

Aserbaidschan und die Türkei sind von Türken bewohnt. Welchen Anlass sollen diese Staaten haben um nach Österreich bzw. durch eine östrr. Firma Gas liefern zu lassen?

In Östr. kaempfen die Parteien miteinanader wer mehr antitürkisch ist und möchten durch die Türken Geld verdienen.

Anderes Aspekt: Albanien, Makadonien, Kosovo, Serbien sind Bruderstaaten von der Türkei.

Re: Sind die Leute in Österreich wirklich so naiv?

Albanien und Kosovo Bruderstaaten der Türken? Neo-ottomanisches Wunschdenken?

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Re: Sind die Leute in Österreich wirklich so naiv?

Daraus sehe ich, wie weit Armeniens Schulen von Europa weg sind
:-)
Serbien ist orthodox und mit Russland eng befreundet.

Re: Sind die Leute in Österreich wirklich so naiv?

Serbien ein Bruderstaat der Türkei!?

Kreisky würd' sagen: "Lernen S' Geschichte!"

Re: Sind die Leute in Österreich wirklich so naiv?

Serbien ist ein Bruderstaat der Türkei????

Der grösste Blödsinn aller Zeiten.

Sie sind der Mr. False

 
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