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Deutsche Bahn: Zugausfälle wegen Personalmangels

Deutsche Bahn Zugausfaelle wegen
Deutsche Bahn Zugausfaelle wegen / Bild: (c) EPA (Stephan Jansen) 

Besonders schlimm ist die Situation bei der Tochter DB Netz. Dort werden bereits frühere Schlecker-Mitarbeiter zu Fahrdienstleitern ausgebildet.

 (DiePresse.com)

Die Überalterung des Personals und der Nachwuchsmangel bei der Deutschen Bahn trifft in der Urlaubszeit nun Reisende direkt. Nachdem die Bahn ihr Stellwerk in Mainz nicht mehr voll besetzen kann, lässt das Unternehmen zahlreiche Regional- und Fernzüge in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt in den Abend-und Nachtstunden nicht mehr halten. Ein Bahn-Sprecher begründete dies am Montag mit einem "unvorhersehbaren hohen Krankenstand während der Urlaubszeit". Kurzfristig sei dies nicht auszugleichen.

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Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sprach von einer Ausrede. Tatsächlich sei die Personaldecke so knapp, dass Reisende sich wohl auf weitere Einschränkungen einstellen müssten. Mainz sei kein Einzelfall. Auch die Bundesnetzagentur erklärte, es habe deswegen schon 2012 Beschwerden von DB-Konkurrenten wegen Einschränkungen auf den Strecken gegeben. Ein Verfahren gegen die Deutsche Bahn sei eingeleitet. In Rheinland-Pfalz hatte es bereits im Mai Engpässe in den Stellwerken und in der Folge Zugausfälle gegeben. Im Mainzer Hauptbahnhof soll der Verkehr bis Sonntag eingeschränkt bleiben.

Überalterung des Bahnpersonals

Die Bahn hat ihr Problem mit Überalterung der Belegschaft mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren eingeräumt. Bei der Tochter DB Netz, bei der in den vergangenen Jahren das Personal besonders stark ausgedünnt und auf Neueinstellungen verzichtet wurde, macht sich die Überalterung noch deutlicher bemerkbar. In den nächsten zehn bis 15 Jahren scheiden hier laut Bahn-Unterlagen rund 18.000 Mitarbeiter altersbedingt aus. Das Unternehmen versucht daher, neue Fahrdienstleiter auch in Schnellkursen auszubilden, und greift dabei etwa auf Ex-Mitarbeiterinnen der früheren Drogeriekette Schlecker oder auf ehemalige Bundeswehr-Angehörige zurück.

Der Bahn-Sprecher wies die Warnung der Gewerkschaft EVG vor weiteren Zugausfällen zurück. Allein im vergangenen Jahr habe DB Netz insgesamt 1000 neue Mitarbeiter sowie 800 Nachwuchskräfte eingestellt. In diesem Jahr würden diese Zahlen noch übertroffen.

"Augen aus Kostengründen verschlossen"

EVG-Chef Alexander Kirchner warf der Bahn vor, sie habe aus Kostengründen vor der absehbaren Entwicklung die Augen verschlossen. Es fehlten derzeit rund 1000 Fahrdienstleiter. In der Folge seien rund eine Million Überstunden bei den Beschäftigten aufgelaufen. So seien Ausfälle wegen Krankheit absehbar gewesen.

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigte, die Klagen über Personalmangel in den Stellwerken und Zugausfälle seien seit längerem bekannt. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, weil sich schon im vergangenen Jahr Bahn-Konkurrenten deswegen über Einschränkungen auf den Strecken beschwert hätten. Über Details werde aus einem laufenden Verfahren nicht berichtet, sagte der Sprecher weiter.

(APA/Reuters)

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20 Kommentare

Das ist wie bei den Ärzten und Lehrkräften.


Zeit für mehr Effizienz

Vielleicht sollte sich die Deutsche Bahn überlegen, mehr in die Automatisierung zu stecken, das senkt die Personalkosten und den Fahrpreis, macht die Bahn wettbewerbsfähiger, schafft weniger dafür höher qualifizierte Jobs und ist was zukunftsfähiges.
So etwas wäre aber bei vorausschauender Unternehmensführung schon vor ein paar Jahren passiert.

Re: Zeit für mehr Effizienz

Dass die deutschen die bei uns gerade in Errichtung und feierlicher Eröffnung befindlichen Betriebsführungszentralen schon um einiges länger haben, und zwar nicht so kleinteilig wie bei uns, wo fünf Standorte geplant sind, sondern gleich einmal eine für ganz Bayern oder so ähnlich, und mittlerweile soweit ich gehört habe davon wieder etwas abkommen, halten Sie nicht für möglich, oder?

Re: Re: Zeit für mehr Effizienz

Ergänzung:
Deutsche Bahn: Erste Eröffnung 1999.
Gesamtzahl: sieben (plus eine für die Berliner S-Bahn)

Österreichische Bundesbahnen: Erste Eröffnung 2009, Gesamtzahl: 5.

Re: Re: Re: Zeit für mehr Effizienz

Die Errichtung von Betriebszentralen sehe ich natürlich als Weg in die richtige Richtung, aber da könnte noch viel mehr gehen. Braucht man das Personal vor allem in den kleinen Bahnhöfen wirklich? Braucht man in jedem Zug einen Schaffner? Könnte man, die Züge nicht ohne Lokführer führen, wie z.B. die S-Bahn Nürnberg mit gemischtem Fahrer und fahrerlosen Betrieb. Da ginge wohl noch viel mehr vor allem auf den Nebenstrecken. Statt einstellen automatisieren und damit Kosten senken, ich will nämlich nicht überall mit dem Bus oder meinem PKW rumkutschieren, insbesondere angesichts steigender Ölpreise und real sinkender Löhne.

Re: Re: Re: Re: Zeit für mehr Effizienz

ich misch da jetzt ein bisschen die Verhältnisse bei uns dazu:
Züge ohne Zugbegleiter gibts im Nahverkehr eh immer mehr. Mit allen Folgen: Vandalismus, wenn beim Fahrkartenautomaten irgendwas nicht richtig geht hast den schas beinand, keine Informationen etc.
Automatisches Fahren: Hat man bei der Wiener U-Bahn ja auch eingerichtet, sich dann aber doch nicht getraut. Und die U-Bahn ist ein sehr abgetrenntes, homogenes System, noch dazu mit verhältnismäßig kurzen Strecken. Eine Eisenbahnstrecke mit Eisenbahnkreuzungen, uneingezäunt, jedem Wetter ausgesetzt, ... Was das kostet, linienförmige Zugbeeinflussung zu bauen, egal ob mit Linienleiter oder über Funk, da kamma aber grad auf einer Nebenbahn, wo alle zwei Stunden der Zug fahrt, a Weile den Lokführer beschäftigen. Abfertigen muss trotzem irgendwer, auch wenns über Kameras irgendwo zentral passiert. Mehr Streckenbegehungen sind wahrscheinlich nötig, weil ja niemand mehr da ist, der sich einschleichende Mängel irgendwann meldet etc.
Also mit Fahrerlos, das geht mir dann doch ein bisschen zu weit. ;-) Ohne Zugbegleiter und die Stellwerke grad auf den Nebenbahnen fernsteuern statt dass der Fahrdienstleiter 2 Züge in der Stunde abwickelt und den Rest schlaft und fernschaut find ich durchaus sinnvoll.

Re: Re: Re: Zeit für mehr Effizienz

Die Errichtung von Betriebszentralen sehe ich natürlich als Weg in die richtige Richtung, aber da könnte noch viel mehr gehen. Braucht man das Personal vor allem in den kleinen Bahnhöfen wirklich? Braucht man in jedem Zug einen Schaffner? Könnte man, die Züge nicht ohne Lokführer führen, wie z.B. die S-Bahn Nürnberg mit gemischtem Fahrer und fahrerlosen Betrieb. Da ginge wohl noch viel mehr vor allem auf den Nebenstrecken. Statt einstellen automatisieren und damit Kosten senken, ich will nämlich nicht überall mit dem Bus oder meinem PKW rumkutschieren, insbesondere angesichts steigender Ölpreise und real sinkender Löhne.

Das

nennt man vorausschauende Personalpolitik, das gleiche wird bei uns im Kranken-Lehrer-Polizeiwesen bzw im gesamten staatlichen Personalsystem eintreten.

Vorboten

solche und ähnlich gelagerte "Ereignisse" sind die Vorboten einer europäischen Katastrophe - und wie meist bei diesen Katastrophen im historischen Kontext wird es wieder Deutschland sein, das den Auslöser darstellen wird - denn der europäische Wirtschaftsmotor ist ein reiner Fake - denn das Geld, welches den meisten Staaten fehlt ging auf Grund enormer Deutscher Exporte nach Deutschland bzw. hätte gehen sollen - und das Ungleichgewicht zwischen Produktion und realem Gewinn kann auch der europäische Fiskalpakt nicht ausgleichen, der ja einzig und alleine dem Ausgleich der deutschen Finanzforderungen dient. Deutschlands eigene Zahlungen sind nur eine unzulässige Förderung der eigenen Wirtschaft - d.h. Deutschland - EU - Südstaaten - deutsche Bank - deutsche Wirtschaft oder halt immer öfter nach SO-Asien, China, etc.

Super Idee für Österreich...

Alpine Mitarbeiter in die Politik!
Kann nur besser werden ;-)

Re: Super Idee für Österreich...

Warum nur die alpinen Mitarbeiter? Ist bei diesem Beruf etwa besondere Geländegängigkeit gefragt?

Überalterung des Bahnpersonals

Das gibts in Österreich NICHT................

Re: Überalterung des Bahnpersonals

Irrtum: 2012 Durchschnittsalter 43, Prognose für 2020: 47,7 Jahre

Re: Re: Überalterung des Bahnpersonals

Womit bewiesen wäre, dass die in diesem Job gar keine Chance haben, darin alt zu werden.

Der Beweis ist erbracht

zur These: Deutschland schafft sich selbst ab.- Wie ein Stern zum Schwarzen Loch implodiert, so endet eine Nation: Greise Menschen in Hochhäusern, die die Natur aus dem Fernseher und das (Fabriks-)Essen vom Mobilen Hilfsdienst bekommen. Alles konzentriert um die Unikliniken. Finanziert so lang, bis der Topf leer geworden ist.

die österreichische Lösung

geht ganz einfach, Strecken stilllegen, weniger Netz, ausreichend Personal.
Ob das die Deutschen je begreifen ?

Re: die österreichische Lösung

Das ist nur die halbe Geschichte der Lösung: wenn die Strecken tw. rückgebaut und verfallen sind, werden sie auf Steuerzahler-Kosten auf Vordermann gebracht und an private Betreiber verschenkt, die sie wiederum.... und so weiter...

Re: Re: die österreichische Lösung

malen Sie nicht den Teufel an die Wand, womöglich noch was dazuzahlen damit's wer nimmt. Das wär doch ein Luft(linien)-Geschäft auf Schiene, das darf man nicht einmal denken ;-))

Re: Re: Re: die österreichische Lösung

In NÖ schon passiert ...

Re: Re: Re: die österreichische Lösung

z.b.:friedberg-oberwart>>GKB/
deutschkreuz-oberpullendorf>>GYSEV;
beide mussten sich verpflichten,auf personenverkehr(vorerst)zu verzichten,SO blossstellen lässt sich die SB-OjeBB ungern...


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