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Twitter: Mit 135 Zeichen an die Börse

Twitter Zeichen Boerse
Twitter Zeichen Boerse / Bild: (c) EPA (MARIUS BECKER) 

Der Kurznachrichtendienst Twitter will an die Börse gehen. Wie Facebook lebt Twitter von vielen Nutzern und einem starken Wachstum. Fraglich ist, wie profitabel das ist.

 (Die Presse)

Wien/Jaz/Ag. Der Zeitpunkt dürfte nicht zufällig sein. Am Mittwoch erreichte die Aktie von Facebook mit über 45 Dollar einen neuen Rekordstand. Auf diesem Niveau sind die Papiere des Konzerns von Mark Zuckerberg nur kurz nach dem Börsengang im Mai 2012 gestanden, bevor sie auf bis zu 17 Dollar abgestürzt sind. Facebook konnte die Investoren schlussendlich doch noch überzeugen, dass mit Millionen „Freunden“ auch Geld zu verdienen ist.

Nur einen Tag später wandte sich das Kurznachrichtenportal Twitter mit 135 Zeichen (in Englisch) an seine Nutzer: „Wir haben gerade ein Formular an die US-Börsenaufsicht SEC bezüglich des geplanten Börsengangs übermittelt. Dieser Tweet stellt kein Angebot für den Kauf von Aktien dar.“

 

Zahlen sind unter Verschluss

Wann genau der Börsengang stattfinden soll, ist noch unklar, erwartet wird ein Zeitpunkt im ersten Halbjahr 2014. Auch sonstige Details ließ das Unternehmen bislang vermissen. So beantragte Twitter den Börsengang über einen vertraulichen Prozess für Firmen mit unter einer Milliarde Umsatz, wodurch Zahlen über Umsatz oder Ergebnis erst kurz vor Beginn der Roadshow, bei der Twitter seine neuen Aktien den Investoren schmackhaft machen will, öffentlich gemacht werden. Somit kann Twitter inhaltliche Fragen mit der SEC klären, ohne dass medial darüber berichtet wird. Beobachter glauben auch, dass Twitter so jenen Hype vermeiden will, der bei Facebook zu überzogenen Erwartungen und einer mehr als einjährigen Durststrecke der Aktie nach dem Börsengang geführt hat.

Denn wie bei Facebook würden die Twitter-Aktionäre vor allem eine Hoffnung auf die Zukunft kaufen. Sämtliche Geschäftszahlen sind bislang nur als Schätzungen von Branchendiensten verfügbar. So erzielt das Unternehmen laut Emarketer heuer einen Umsatz von knapp 600 Mio. Dollar. Im Jahr 2011 lag dieser Wert noch bei etwa 140 Mio. Dollar, 2014 soll er auf 950 Mio. Dollar ansteigen. Ob das 2006 in San Francisco gegründete Unternehmen, das inzwischen bereits mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigen soll, damit auch schon Gewinne erzielen kann, ist nicht bekannt.

Grundsätzlich funktioniert Twitter ähnlich wie Facebook. Die 200 Millionen Nutzer weltweit können dabei maximal 140 Zeichen lange Texte in die Welt des Internets senden, die von „Followern“ (Folgenden) gelesen werden. Das Geschäftsmodell von Twitter basiert dabei – wie bei Facebook – auf Werbung, die zwischen den Tweets (Nachrichten) der Nutzer eingeblendet wird.

 

Werbung erst 2010 eingeführt

Eingeführt wurde diese Werbung bei Twitter erst 2010. Dennoch hat die Firma einen Vorteil gegenüber Facebook zum Zeitpunkt des Börsengangs. Twitter erzielt schon jetzt den Großteil des Umsatzes über Smartphones. Facebook gelang es erst heuer, dieses Geschäft zu steigern, was letztlich auch zur Erholung der Aktie führte.

Wie groß der Börsengang ausfallen wird, kann bislang ebenfalls nur geschätzt werden. Aufgrund von außerbörslichen Aktienverkäufen an diverse Equity-Fonds durch Twitter-Mitarbeiter ergibt sich ein geschätzter Firmenwert von rund zehn Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Facebook hat derzeit einen Börsenwert von knapp 108 Mrd. Dollar. Die Eigentümer von Twitter sind neben den Gründern Jack Dorsey, Noah Glass, Evan Willams und Biz Stone verschiedene Fonds und institutionelle Investoren – etwa der saudische Prinz al-Waleed bin Talal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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9 Kommentare
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Wert?

Dieser Zirkus für Gestörte mit Aufmerksamkeitsdefiziten und denen mit Logorrhoe soll was wert sein?

Re: Wert?

logorrhoe scheint weit verbreitet und gabs schon lange vor twitter und co..
und die wasderbauernetkennt-mentalität kenn ma ja au..

Re: Wert?

Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen, das bedeutet dass auch gewisses Potenzial besteht. Ich glaube ich werde beim IPO zuschlagen. Allerdings sicherheitshalber nur mit einem kleinen 3stelligen Betrag ;)

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"Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen"

Auch und eben deswegen. Nur Idioten liefern sich freiwillig Werbefreaks aus.

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Re: "Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen"

am Straßenrand ist es auch leicht Werbung anzubringen. Benutzen deshalb nur Idioten Strassen?

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Re: "Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen"

am Straßenrand ist es auch leicht Werbung anzubringen. Benutzen deshalb nur Idioten Strassen?

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Re: Re: "Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen"

Dem Straßenrand kann man sich nicht entziehen, Twitter liefert man sich freiwillig aus. Schon am Vergleich zeigt sich, daß Sie nicht in der Lage sind, den Sachverhalt zu beurteilen.

Re: "Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen"

Inwiefern liefer ich mich aus wenn ich Twitter-Aktien kaufe?

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Re: Re: "Bei Twitter ist es leicht Werbung einzufügen"

Dann profitieren Sie also vom Desinformations- und Marketingdreck. Wenn Sie sich jetzt als etwas Besseres fühlen: weit daneben.

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