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Deutscher Anlagenbauer Voith streicht 290 Stellen in St. Pölten

Deutscher Anlagenbauer Voith
Deutscher Anlagenbauer Voith / Bild: (c) APA/PAUL PLUTSCH (PAUL PLUTSCH) 

Der Betriebsrat kritisiert, dass unverhältnismäßig viele Stellen in Österreich gestrichen werden und erhebt Einspruch.

 (Die Presse)

St. pölten/Es. Der deutsche Anlagenbauer Voith streicht an seinem Österreich-Standort in St. Pölten mehr als ein Drittel der Arbeitsplätze. Von den derzeit 840 Stellen sollen bis September 2014 in der Papiersparte 290 Stellen wegfallen. 40 davon sollen in anderen Standorten weiterbeschäftigt werden. Die betroffenen Mitarbeiter sind nach Angaben des Unternehmens am Freitag darüber informiert worden.

Im gesamten Konzern trifft der Stellenabbau 560 Beschäftigte. Neben St. Pölten sind die deutschen Voith-Paper-Standorte in Krefeld (rund 210 Arbeitsplätze), Ravensburg (rund 50) und Neuwied (rund zehn) betroffen. Darüber hinaus fallen – wie das Unternehmen bereits im August angekündigt hat – 240 Arbeitsplätze im deutschen Heidenheim weg. Der Betriebsrat des Voith-Standortes in St. Pölten ist mit der Vorgangsweise der deutschen Konzernspitze alles andere als zufrieden: „Wir sind von Deutschland überhaupt nicht eingebunden worden und haben erst am Mittwoch von den Stellenkürzungen erfahren“, sagt Betriebsratsvorsitzender Hans-Joachim Haider.

Das sei schon das zweite Rationalisierungspaket für St. Pölten. Das erste, im August beschlossene Paket sehe vor, dass 70 Mitarbeiter eingespart werden. Hierfür habe man noch relativ sozial verträgliche Wege gefunden, über Altersteilzeit, auslaufende Verträge und Überstellungen zu anderen Betrieben Personal abzubauen. Das Paket sei aber noch nicht umgesetzt und noch nicht klar, ob es jetzt mit dem neuen Beschluss aus Deutschland nicht hinfällig sei.

 

Zu viele Stellenkürzungen in St. Pölten

Der Betriebsrat habe nun im Aufsichtsrat Einspruch gegen die Stellenkürzungen erhoben. Das Problem sei, dass das Werk in St. Pölten keine eigene Geschäftsführung habe. Deshalb sei auch kein Standortvertreter aus St. Pölten in die Verhandlungen involviert gewesen. „Ich finde es sehr negativ, wie der Konzern mit der Informationspflicht umgeht“, kritisiert Haider. Aus seiner Sicht ist der St. Pöltner Standort übermäßig von den Personalkürzungen betroffen.

„Wenn man die Produktpaletten an den Standorten belässt, an denen sie heute produziert werden, müsste man eigentlich in Heidesheim mehr rationalisieren.“ In St. Pölten ist das Karton- und Verpackungswerk angesiedelt. Das Problem sei aber die Papiermaschinenproduktion in Deutschland. „Die werden nicht mehr nachgefragt“, sagt Haider. Der Konzern bestätigte dies in einer Aussendung: Es gebe einen Rückgang bei grafischen Papiermaschinen durch die zunehmende Digitalisierung. Zu den höheren Stellenkürzungen in St. Pölten hieß es bei Voith Deutschland: „Die Stellenkürzungen erfolgen aufgrund der veränderten Nachfragesituation. Man kann nicht einzelne Standorte gesondert betrachten. Wir passen ganz generell unsere Produktionskapazitäten an.“ Der Papiersparte von Voith mache vor allem die stagnierende Nachfrage in Europa zu schaffen.

 

„Fürchten um St. Pöltner Standort“

Trotz Kapazitätsanpassungen sollen nach Angaben des Unternehmens die Kompetenzzentren an den jeweiligen Standorten erhalten bleiben. Anders sieht das Betriebsrat Haider: „Wir fürchten, dass der St. Pöltner Standort in den nächsten zwei bis drei Jahren überhaupt geschlossen werden soll“, so Haider.

Die Voith GmbH wurde 1867 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg). Der weltweit tätige Konzern arbeitet mit rund 42.000 Mitarbeitern in den Sparten Energie, Öl, Gas, Papier, Rohstoffe und Transport. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von 5,7 Mrd. Euro und einen Gewinn von 114 Mio. Euro.

Auf einen Blick

Stellenabbau in St. Pölten. Der deutsche Voith-Konzern mit Hauptsitz in Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg) streicht in Summe 560 Stellen, 290 davon im Karton- und Verpackungswerk in St. Pölten. Der Betriebsrat kritisiert, dass in Österreich unverhältnismäßig viele Arbeitsplätze abgebaut werden.

Die wirtschaftlichen Probleme hätte der 42.000 Mitarbeiter starke Konzern vorwiegend in Deutschland, wo die unrentable Papiermaschinenproduktion angesiedelt sei. Papiermaschinen seien aufgrund der Digitalisierung nicht mehr nachgefragt. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von 5,7 Mrd. Euro und einen Nettogewinn von 114 Mio. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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