Studie: Wie Chefs Kurse manipulieren

Positive Nachrichten eines Unternehmens werden oft lang zurückgehalten oder gesammelt, um sie dann zu veröffentlichen, wenn der Firmenchef seine Aktien verkaufen darf.

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Wien/London. Gutes tun und darüber zu reden ist die Maxime einer klugen PR-Arbeit. Gutes tun und dann darüber zu reden, wenn man selbst davon profitieren kann, scheint wiederum die Maxime von vielen Firmenchefs zu sein. Eine aktuelle Studie der London Business School, von der zuerst die „Financial Times“ berichtete, scheint genau das zu belegen: Demnach geben CEOs gute Firmennachrichten dann bekannt, wenn sie durch Aktienverkäufe von dem daraus resultierenden Kursanstieg profitieren können.

Die Autoren Alex Edmans, Luis Goncalves-Pinto, Yanbo Wang und Moqi Xu haben für ihre 48-seitige Studie („Strategic News Releases in Equity Vesting Months“) 166.000 Presseaussendungen von US-Firmen untersucht. Das Ergebnis: Positive Nachrichten (die nicht ad-hoc-pflichtig sind) über ein Unternehmen häufen sich immer dann, wenn der Firmenchef Aktien verkaufen darf. Teilweise würden gute Nachrichten etwa über neue Produkte oder neue Kunden monatelang zurückgehalten werden.

In jenen Monaten, in denen Vorstände ihre Aktienanteile verkaufen können, gebe es einen Anstieg der Presseaussendungen um fünf Prozent. Diese Mitteilungen würden zu einer positiven Berichterstattung führen, die wiederum mache Investoren aufmerksam und der Aktienkurs gehe nach oben. Kurz nach der Häufung der Pressemeldungen würden die Firmenchefs ihre Anteile verkaufen.

 

Einfach zu 14.504 Dollar

Die Auswirkungen sind freilich marginal, man könne dennoch davon profitieren, schreiben die Autoren. Sie stellten fest, dass das Handelsvolumen von Firmen an der Börse nach einer positiven Pressemeldung um 0,32 Prozent steige. Im Schnitt mache der Anteil eines CEO 6,2 Prozent des durchschnittlich täglichen Handelsvolumens aus. Dennoch würden die Deals der Vorstände untergehen. Denn die Firmenchefs würden nicht alle Aktien, die sie verkaufen können, an einem Tag verkaufen, sondern über mehrere Tage verteilt. Im Durchschnitt vergingen fünf Tage von einer positiven Pressemeldung bis zum ersten Aktienverkauf durch den CEO. Sie würden im Durchschnitt mit 0,28 Prozent profitieren.

Umgelegt auf die den CEOs zustehenden Aktien, die in den USA im Schnitt 5,18 Mio. Dollar pro Jahr ausmachten, würden sie durch die Steuerung der positiven Nachrichten 14.504 Dollar verdienen. „Dieser Zugewinn kommt mit geringem Aufwand und geringem Risiko“, heißt es in der Studie. „Die Veröffentlichung von Presseaussendungen zu steuern ist legal und bedeutet einen viel geringeren Aufwand, als den Aktienkurs mit anderen Mitteln nach oben zu treiben – etwa mit dem Zurückfahren von Investitionen.“

Die Autoren erklären zwar, dass die Gewinne im Vergleich mit dem Firmenwert gering seien und sie auch „kein großes Problem“ erkennen. Dennoch: „Die Verzögerung von Pressemitteilungen kann Auswirkungen für jene Stakeholder haben, die ihre Entscheidungen früher gemacht haben und weniger Informationen zur Verfügung hatten.“

Die Untersuchung ist Öl ins Feuer jener Kritiker, die meinen, CEOs würden ihr Handeln nur auf den eigenen Vorteil und kurzfristig auf Bonuszahlungen ausrichten. Die Beschränkungen, die die EU für Boni für Bankmitarbeiter erlassen hat, sind aktuell Gegenstand eines Verfahrens vor dem EuGH (siehe dazu Seite 5).

 

Weniger Investition

Autor Alex Edmans hat sich bereits in der Vergangenheit Praktiken angeschaut, wie Firmenchefs ihr Handeln auf Boni ausrichten und das als „betriebswirtschaftliche Kurzsichtigkeit“ kritisiert. In der älteren Untersuchung („Equity Vesting and Managerial Myopia“) beschreibt er, dass amerikanische Firmenchefs vor einem Verkauf ihrer Anteile Investitionen in Forschung und Entwicklung kürzen, das Werbebudget des Unternehmens zurückfahren und generell bei den Ausgaben sparen, um die Erwartungen der Analysten zu erfüllen oder mehr Gewinne schreiben zu können. So könnten sie vom steigenden Aktienkurs profitieren. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2014)

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