MANCHESTER/WIEN. Cristiano Ronaldo ist nach Ansicht vieler Sportfreunde der derzeit weltbeste Flügelstürmer. Aber ist er wirklich jene 240 Mio. Dollar (165 Mio. Euro) wert, die der Fußballverein Manchester City an seinen Lokalrivalen United zu zahlen bereit ist?
Vermutlich schon. Denn die neuen Eigentümer des 1880 als „West Gorton Saint Marks“ gegründeten Vereins haben ein zentrales Interesse: öffentliche Aufmerksamkeit. Die ist der „Abu Dhabi United Group“ (ADUG) schon jetzt sicher – egal, ob sich der Portugiese Ronaldo zu einem Wechsel bereit erklärt. Die ADUG gehört nämlich zur „Abu Dhabi Investment Authority“, dem Staatsfonds des arabischen Emirates. Dieser Fonds verwaltet laut Analyse der Beraterfirma Oxford Business Group rund 500 Mrd. Pfund (615 Mrd. Euro) und ist hinter der Bank of Japan der größte institutionelle Investor der Welt. Dieser Reichtum speist sich aus den Ölquellen des sechstgrößten Ölexporteurs der Welt.
Größter Citigroup-Aktionär
Für Schlagzeilen sorgte der Fonds zuletzt im November 2007. Da kaufte er rund 4,9 Prozent der Aktien der Citigroup um 7,5 Mrd. Dollar (5,2 Mrd. Euro) und wurde somit zum größten Einzelaktionär der größten US-Bank.
Dagegen sind die rund 185 Mio. Euro, welche die ADUG am Dienstag für Manchester City auf den Tisch legte, fast ein Pappenstiel. Sulaiman Al Fahim, 30-jähriger Absolvent mehrerer US-Eliteuniversitäten und am Golf als „Der Donald Trump von Abu Dhabi“ bekannt, wird im Präsidium des Fußballvereins sitzen. Der wichtigste Immobilienmanager der königlichen Familie Abu Dhabis, der heuer Rang 16 der mächtigsten Männer Arabiens belegt, hat nicht gerade bescheidene Pläne mit dem Verein. „Wir werden der größte Klub der Welt sein, größer als Real Madrid und Manchester United zusammen.“
Das Vorbild Dubai
Das wird sich noch weisen, zumal die Ansammlung der teuersten Spieler der Welt nicht automatisch das weltbeste Team ergibt, wie zum Beispiel Real Madrid in der Vergangenheit bitter erfahren musste. Die Spanier kauften ab dem Jahr 2000 die Weltstars Luis Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo und David Beckham – die Champions League gewannen sie allerdings seither nur einmal.
Trotzdem dürften sich die Investitionen Abu Dhabis in Manchester City bezahlt machen. Denn das Emirat will sich angesichts irgendwann zur Neige gehender Ölreserven zum Sport- und Freizeitzentrum ummodeln – ganz nach dem Vorbild des Emirats Dubai. Darum baut Al Fahim gemeinsam mit Inter Mailand eine Fußballakademie in Abu Dhabi, 2009 wird erstmals ein Formel-Eins-Rennen veranstaltet. Übrigens unmittelbar neben dem nigelnagelneuen „Ferrari World“-Vergnügungspark. Kein Wunder: An der italienischen Sportwagenschmiede hält Abu Dhabi über eine andere Investitionsgesellschaft fünf Prozent der Aktien.
Die nächsten Scheichs warten
Die Formel Eins hat es den Golfstaaten generell angetan. Seit 2004 gibt es den Großen Preis von Bahrain (dessen Investmentfirma Mumtalakat gehören 30 Prozent am McLaren-Rennstall), und auch Dubai und Katar scharren schon in den Startlöchern. Auch diese Engagements fallen unter das Kapitel „Marketing“, denn die Autorennen ziehen mit weltweit hohen TV-Einschaltquoten viele potenzielle Urlauber an.
Selbiges gilt erst recht für den englischen Fußball, der dank lukrativer TV-Verträge mit Rupert Murdochs Satellitensender Sky weltweit die Massen fasziniert. Und noch ein bisschen arabischer werden könnte. Zu Jahresbeginn versuchte der Staatsfonds Dubai International Capital, beim FC Liverpool einzusteigen. Der bleibt vorerst noch in den Händen seiner Eigentümer – zweier Amerikaner.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2008)


Ölpreis fällt erstmals seit drei Jahren unter 50 Dollar
"Gelber Riese" balzt um mögliche Postpartner


Koalitionspoker: Endphase mit "Beichtstuhl-Verfahren"
EU einigt sich über Reform der Agrar-Förderungen
RSS